Auf in eine neue Welt
Mit Erasmus und einem Studium
im Ausland die Welt kennenlernen
Studieren und Urlaub - meistens zwei Gegensätze. Doch wer was erleben will, kombiniert beides!
Ja, viele von uns sind sehr bewandert und waren bestimmt schon in mehreren Ländern... Spanien, Italien, Türkei, USA und was die Weltkugel sonst so hergibt. Aber mal ehrlich: Man lernt selten die Länder kennen, sondern nur in Wattezucker eingepackte Touri-Orte, wo alle Deutsch können und der Alk möglichst billig sein soll.
Ja, das ist Urlaub - aber eine Auslandserfahrung? Sucht man danach, wie andere Völker wirklich ticken, dann packt man entweder seinen Rucksack und geht ein Jahr fort ins Land, weitab von „10 nackte Friseusen“ gröhlenden Ballermännern. Die zweite Möglichkeit: Ein Semester oder ein Jahr im Ausland studieren.
Kaum eine Phase im Leben bietet sich mehr an, um ein Land richtig kennen lernen zu können. Nicht als Tourist, sondern als Einheimischer, mit einer eigener Wohnung (bzw. einem WG-Zimmer) und den täglichen Sorgen wie Geld im Portemonnaie, Einkaufen und Wäsche waschen. Und nicht zuletzt lernt man die Länder von ganz anderen Seiten kennen und nicht nur so, wie man es in Reisekatalogen verspricht.
Grundsätzlich kann sich jeder Student ein Auslandssemester eigenständig organisieren. Oft hilft eine Mail an die Wunschuni, wie und wann man als Student unterkommen kann - die meisten Unis bieten für Studenten aus dem Ausland spezielle Möglichkeiten. Die zweite - und weitaus bequemere - Möglichkeit ist das Erasmus-Programm. Hier hat man eine umfangreiche Liste mit so gut wie allen größeren Unis in Europa. Bewirbt man sich bei Erasmus und wird genommen, werden einem alle Studiengebühren erlassen und man kriegt pro Monat einen kleinen Finanzspritzer, je nach Land zwischen 100 und 150 Euro im Monat.
Doch das Prozedere für die Bewerbung ist umfangreich. Man will praktisch alles von einem wissen, von der Aufenthaltszeit im Leib der Mama bis zum jetzigen Zeitpunkt. Und das bitte schön in Sätzen ausformuliert und dazu noch einmal als tabellarischer Lebenslauf. Darauf kommt noch ein Motivationsschreiben - oder besser gesagt zwei: Einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch. Manchmal wird auch die Sprache der Gastuni verlangt, vor allem bei den Spaniern und den Franzosen. Und damit ist es noch lange nicht vorbei - viele Formulare warten darauf, von euch ausgefüllt zu werden. Application Forms der Gastuni, amtliche Bestätigungen, dass ihr der Sprache des Gastlandes einigermaßen mächtig seid, Krankenversicherungen, Visum, Kurswahl (schon oft ein halbes Jahr vorher verlangt)... Egal ob selbst organisiert oder über Erasmus, es kommt so oder so ein Turm von Bürokratiekram auf einen zu.
Nicht, dass man vor einer Bewerbung zurückschrecken sollte - man muss nur wissen, was auf einen zukommt. Will man z.B. auch noch Auslandsbafög beantragen, kommt man sich vor wie bei Asterix und dem Passierschein A38.
Aber für all die Mühe erwartet euch wahrscheinlich einer der aufregendsten und einprägsamsten Momente eures Lebens.
Kaner verbringt für ein halbes Jahr seine Zeit in Istanbul und studiert BWL an der technischen Yildiz-Universität. In den nächsten Wochen gibt es jeden Mittwoch ein Erfahrungsbericht vom Bosporus.
Bild: The World in Focus, Richard Randall