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Vroni Autor: Vroni
vd(at)zeitjung.de
Gebrannte Kinder
Philipp Karmires beim Vortrag.
Gebrannte Kinder Gebrannte Kinder Gebrannte Kinder

Die gebrannten Kinder von
Google

Google und Innovation

Die Unternehmensprinzipien und Strukturen der größten Suchmaschine im Visier.

In einem schwarzen T-Shirt mit aufgedrucktem Google-Schriftzug, öffnet Philipp Karmires, Enterprise Account Manager bei Google, die Präsentationsdatei für seinen Vortrag über "Start-up Mentalität als Grundstein zum Erfolg" beim Innovationscafe des Strascheg Center of Entrepreneurship. Ebenfalls mit Google-Schriftzug beklebt ist natürlich sein Laptop.

Wie sich auf einer der ersten Präsentationsfolien zeigt, hatte das Google-Logo 1995 noch ein wenig Babyspeck, nimmt aber im Zuge der Jahre immer mehr schlanke, graziöse Modellmaße an. So hübsch geworden, blieb Google natürlich nicht lange alleine sondern erhielt mehr und mehr treue Begleiter, oder wie man auch sagt: Applikationen. Und daher darf auf Philip Karmires Laptop auch nicht der passende Aufkleber fehlen: I love Apps.

Liebende implizieren Liebenswürdigkeit. Aber er ist auch so ein Symphatieträger, dem gerne Aufmerksamkeit von den größtenteils anwesenden Studenten geschenkt wird.

Was ist die wichtigste Google-Mentalität? Diese Frage klärt sich als gleich zu Anfang:

Das, was der Verbraucher im Internet will, bekommt er von Google.

Um zu wissen, was der Verbraucher will, muss zuerst nach seinen Problemen geforscht werden. Diese Probleme findet Google und macht aus daraus Geschäftsszenarien. Dabei müssen für Google Probleme nicht neu sein, damals gab es ja auch schon zig Suchmaschinen von Alta Vista bis Yahoo, aber Google geht Probleme eben größenwahnsinniger an als die meisten anderen Unternehmen.

Wie das aussieht? Philip Karmires nennt vier Säulen, auf denen Google basiert:

1.    scale (Skalierung): Jedes Problem wird von einem Verbraucher auf die breite Masse übertragen.
2.    platform (Plattform): Google ist zwar in sich geschlossen, bietet aber Andockstellen.
3.    footprint (Fußabdruck): Unternehmenszentren liegen Vorort lokal bei den jeweiligen Kernkompetenzen. Das Unternehmen kommt zum Mitarbeiter.
4.    trust (Vertrauen): Verbraucher nehmen Google in Anspruch, weil sie es gut finden und es sich als gut beweist.

Mit diesen vier Punkten orientiert sich Google auf dem sich ständig verändernden, kurzlebigen Markt.

In diesen Zeiten, in denen alles schnell gehen muss, hat Google eine Eigenart entwickelt, mit ihr umzugehen. Die Zahlenkombination zum Erfolg ist:

70 – 20 – 10

70 Prozent der zeitlichen Produktionsmittel werden in erfolgreiche Projekte gesteckt. 20 Prozent in Projekte die gutes Potenzial zeigen und die übrigen 10 Prozent werden in Ideen investiert, bei denen noch nicht klar ist, wohin sie führen.

Wichtig zeigt sich für Google auch, dass Innovation auf keinen Fall Perfektion heißen muss. “Das zu verstehen fällt besonders uns Deutschen schwer.”, beschreibt Philipp Karmires. Außerdem sind flache Managementstrukturen und Ideenbelohnungen bis zu 10 Millionen Dollar für die Mitarbeiter eine äußerst begehrenswerte Unternehmenskultur, die an sich eben entscheidet über den Fortgang einer Firma. Um eben diese Kultur als Arbeitnehmer zu genießen, muss man allerdings sehr gute Selbstdisziplin an den Tag legen, denn ohne die läuft bei Google nichts. Denn bewertet wird der PDP (Personal Development Plan, wohl eine Art To-Do-Liste) von jedem selbst und den Kollegen.

Faulheit? Kaum möglich! Aber bei Google will jeder sein selbstgewähltes Weiterentwicklungsziel erreichen. Und 10 Millionen für eine Idee? Es gibt schlechtere Motivationsgründe.

Mit der Förderung von stets wachem Unternehmensgründer-Geist will Google jung und dynamisch bleiben. Ob Google den Traum vom ewigen Student (denn so scheint das Arbeitsleben dort zu sein) auf Dauer wahrmachen kann, wird sich zeigen. Dass sich Mitarbeiter freiwillig mit Google als Marke schmücken zeigt zumindest, dass sie daran glauben.

 

 

Bildquelle: zeitjung.de, Veronika Dräxler

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