Vroni Autor: Vroni
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WUTausbruch | 12.07.2009 |
Laber keinen Scheiss! OB Christian Ude!
Das interessiert mich nicht.

Laber keinen Scheiss,
Christian Ude!

Meinungen junger Homos
auf dem Münchner CSD

Wir wollen Musik zum Alkohol, wenn wir transgender feiern und kein politisches Zwangsgelaber.

"Lust auf Leben" lautet das diesjährige Motto des Christopher Street Days in München. "Lust auf Alkohol" konnte man viel eher bemerken. Die wunderschön-bizarren Drag-Queens schillerten im Umzug durch Münchens Glockenbachviertel zusammen mit Toleranz-Kämpfern und Regenbogen-Sympathisanten entlang zum Marienplatz. Im Zug sehr viele Jugendliche, besonders auffällig Mädchen und Jungs höchstens um die 20 Jahre mit kurzen oder mittellangen, schwarzgefärbten Haaren. Die Mädchen eher ruppig, die Jungs darunter eher sanft.

Wenig später löst sich der Umzug auf. Vor der Bühne auf dem Marienplatz findet die politische Eröffnung des CSD mit Schirmherr und Oberbürgermeister Christian Ude statt, der von Thomas Niederbühl - Stadtrat und Mitglied der Rosa Liste - als "bekennender Hetero" angekündigt wird.

In den ersten Reihen zeigt sich wiederum eine klare Dominanz von zuvor beschriebenem Phänomen: zu Hauf schwarzhaarige Halbstarke, ein paar auch kurzhaarig blondiert, aber als Rudelmerkmal sind sie alle klar erkennbar mit Edding vollgeschmiert, bis auf den letzten sichtbaren Hautfetzen. Lieblingsmotiv? PENIS. Penis und noch mal Penis. Aber jetzt nicht so, wie die immer witzigen Schuljungs das gerne zu schmieren pflegen, sondern durchgestrichene Penise.

"Ja, was schaust denn so? Penise sind so was von fürn Arsch!"

Fürn Arsch also. Alles klar. Daraufhin schleckt die Nächste ihrer Freundin demonstrativ übers Gesicht, nimmt dann einen zu großen Schluck aus der billig Sekt-Flasche und schreit, um Christian Udes Rede zu übertönen: "Laber keinen Scheiß Ude! Wir wollen Musik!"  Dann nimmt sie ihre Triller-Pfeife, die demonstrativ an einem Regenbogen-Band um ihren Hals hängt und pöbelt was sie kann.

Es gibt nur leider auch Anwesende, die sehr wohl Udes Scheiß hören wollen, die seine Reden sogar sehr achten. Brüskiert tauschen sie Blicke aus. Als sie auf ihr Verhalten angesprochen wird, reagiert sie trotzig: "Ude redet doch nur, weil er das muss. Wer will schon sowas hören?"  Mit Musik knutscht es sich besser. Die Flasche Sekt wird in einem Zug geleert, sie und die ganze Gruppe fühlen sich im Recht.

Wie schön, dass sie sich heute NUR Musik am CSD wünschen können, keine politischen Erörterungen. Was Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Orientierungen bedeutet, können sie mit dem 25-jährigen Bestehen der Münchner Anti-Aids Hilfe wohl nicht mehr nachvollziehen.

Da scheint ein typischer Generationskonflikt heranzuwachsen. Das, was einst politische Bewegung war, verliert sich. Vielleicht als Feiertradition, als zeitnaher, vorbereitender Umzug fürs Oktoberfest, als weitere Möglichkeit des öffentlich-gemeinschaftlichen Trinkgelages. Was die politische Idee war? "Hey man, mach Musik, Alter!"

Sehr bedenklich dieses Verhalten. Denn auch, wenn am ersten August endlich in Bayern gleichgeschlechtlich im Standesamt geheiratet werden darf und damit - nach Ude - endlich eine parlamentarische Mehrheit im bayrischen Landtag gebrochen werden konnte, heißt dies nicht, dass eine akzeptable Gleichstellung von Homo- zu Heteropartnerschaften erreicht wäre.

Aber solange die Musik stimmt, gibt es für einige der jüngsten Paare wohl keinen Grund zur politischen Beteiligung.

 

Bildquelle: zeitjung.de, Violette von Rosenweiß

 

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Sascha schrieb am 12.07.2009 um 16:39:42 Uhr:

Das ist in der Tat erschreckend, da die massivste Diskriminierung von Homosexuellen nicht etwa in der Frage der "Lebenspartnerschaft" (die per se nichts anderes als eine Festschreibung sexueller Apartheid ist – wenn schon Privilegierung einer "Ehe", dann bitte die gleiche "Ehe" für Alle!) besteht, sondern in der wieder zunehmenden Homophobie und insbesondere Schwulenfeindlichkeit gerade unter jungen Menschen. Nicht umsonst sind homosexuelle Jugendliche nach wie vor einem viermal höheren Selbstmordrisiko ausgesetzt als ihre heterosexuellen Altersgenossen. Homophobe Einstellungen unter Jugendlichen haben nach der jüngsten Xenophobie–Studie der Bundesregierung deutlich zugenommen, in den letzten Monaten häufen sich zudem homophobe Gewaltakte, und man kann sich schon seit einigen Jahren kaum mehr länger als zwei Minuten in der Nähe einer Gruppe Jugendlicher aufhalten, ohne dass eine schwulenfeindliche Bemerkung fällt! An manch einem jungen Homosexuellen, der rundum in der Party– und Spaßgesellschaft aufgegangen ist, mag das völlig spurlos vorbeigehen. Aber sehr viele junge Männer und Frauen haben nach wie vor mit größten inneren und äußeren Konflikten zu kämpfen, wenn sie ihre Sexualität entdecken, und sie brauchen dringend mehr Unterstützung in Erziehung und Bildung, in den Massenmedien, überhaupt im Alltagsleben! Sexuelle Freiheit und Gleichheit sind kein Randthema, sondern ein fundamentales Menschenrecht, das in der konkreten Lebenswirklichkeit der meisten jungen Menschen noch lange nicht verwirklicht ist, und die wieder dramatisch zunehmende Homophobie gerade unter Jugendlichen muss von Politik und Gesellschaft endlich aktiv und in allen Bereichen angegangen werden!

Sven Barthel schrieb am 13.07.2009 um 16:22:52 Uhr:

Im Falle der beschriebenen Proll–Lesben handelt es sich gewiss nicht um einen Generationenkonflikt sondern schlichtweg um Verrohung zweier oder mehrerer Frauen, die sich gefunden haben und nun ihre Gesinnung auf unterstem Niveau ungefragt öffentlich kundtun. Optisch wie intellektuell benachteiligt bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Frust über ihre Existenz im Schatten der vermeintlich stets im Mittelpunkt stehenden Schwulen hinaus zu krakeelen. Dem kann man nur mit Ignoranz begegnen! Doch auch das männliche Geschlecht unter den Homosexuellen gebärdet sich nicht besser. Das Bild vom kultivierten und gepflegten Schwulen ist ein Klischee, das gerade mal Alfred Biolek noch zu erfüllen vermag, ansonsten aber real nicht existiert. Zotige Witze immer und überall, Party als Lebensinhalt, blondierte Strähnchen, immer auf der Suche nach dem nächsten Fick, und trotz jeglicher Talentfreiheit und der totalen Abstinez von Souveränität, der festen Überzeugung doch eigentlich auf die Bühne zu gehören und nicht hinter den Frisierstuhl! Billig, das sind natürlich immer nur die Anderen! Fazit: Cool und sexy ist was anderes, doch das findet auf dem CSD längst nicht mehr statt! www.hype–magazine.com