Bruderschaft des Grauens
Nazi-Bischof Williamson fühlt
sich wohl
Die Bruderschaft St. Pius X. gilt als erzkonservativ. Oft schockiert sie mit abartigen Äußerungen.
Oft haben furchtbar-negative Ereignisse einen wunderbar-positiven Beigeschmack. Ein gutes Beispiel dafür ist der Holocaust-Skandal im Vatikan der letzten Wochen. Natürlich ist es schlimm, wenn sich ein radikaler Katholik menschenverachtend und rücksichtslos äußert, es habe keine Judenvergasung gegeben – trotzdem ist es gut, dass Herr Richard Williamson so öffentlich in einem Interview den systematischen Mord an Juden geleugnet hat. Der Grund: Die geschmacklose Aussage hat viele Menschen wachgerüttelt und ihnen gezeigt, dass es nicht nur im Islam radikale Extremisten gibt.
Nazi-Bischof Williamson ist stolzes Mitglied der traditionsgeprägten Priesterbruderschaft St. Pius X, die 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet wurde, um an traditionellen Riten und Lehren der römisch-katholischen Kirche festzuhalten, die das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) aus ihrer Sicht aufgegeben hatte. Was „Tradition“ in der katholischen Kirche heißt, ist erschreckend und widerlich.
Neben einer ausgeprägten Judenfeindlichkeit („die Juden“ sollen Jesus getötet haben) ist die Einstellung der Puis-Brüder gezeichnet von Ablehnung der Aufklärungsphilosophie, Ablehnung von Demokratie und Religionsfreiheit, Ablehnung von Homosexualität und Ablehnung der Gleichberechtigung von Frauen. In einem Interview sagte Richard Williamson wörtlich: „Fast kein Mädchen sollte zu irgendeiner Universität gehen. [...]Man braucht keine Universität, um das meiste von dem zu lernen, was Mädchen unterrichtet zu werden brauchen, zum Beispiel Hauswirtschaft, Einrichtung und Unterhalt eines Heims, Pflege und Erziehung der Kinder, die geistige und soziale Vorbereitung auf die Ehe.“ Seiner Ansicht nach sollen Frauen also jeglicher Bildung ferngehalten werden, um sich nur auf Kirche, Küche und Kinder zu konzentrieren. Eine sehr „moderne“ Weltsicht, wie ich finde. Oft werden die religiösen Fanatiker auch auf Schwulen- und Lesbenfeierlichkeiten gesichtet, wie dem Christopher Street Day (CSD). Dort stehen sie dann Rosenkranz betend und mit Plakaten, auf denen steht: „Rettet Kinder vor Perversen“ und „AIDS – Geißel der Unzucht“. Als Lehre für junge Christen empfehlen sie außerdem das Studium von Menschen wie Martin Luther und Jean-Paul Sartre – die Jugendlichen sollen sich mit diesen herausragenden Persönlichkeiten allerdings so beschäftigen „wie Medizinstudenten mit Krankheiten“, um diese erfolgreich bekämpfen zu können.
Man erkennt eindeutig Parallelen zu der Ideologie unter Adolf Hitler und den Nazis im Dritten Reich: Antisemitismus, Homophobie und Entwürdigung von Frauen gehören bei religionsgeprägten Menschen fast immer zur Tagesordnung. Es beginnt bei der Verschleierung von Frauen und der Hinrichtung von Schwulen im Islam und endet beim Antisemitismus im Christentum. Leider finden extreme Splittergruppen wie die Bruderschaft in der heutigen Zeit mehr und mehr Zulauf – aber das tut die NPD ja auch.
Foto: "Angel" by amudn; www.flickr.com