Türkisch-Unterricht für Deutsche, Teil I
Türkische
Geschlechterkunde
Betrachtung der türkischen Söhne
und Töchter. Wer ist wertvoller?
In türkischen Familien ist ein Bub viel mehr wert als ein Weib. Ist das auch wirklich so?
Diese Vorstellung macht sich in unserer Gesellschaft breit. Also bedarf dies einer Untersuchung.
Fakt ist, dass auch in europäischen Ländern der Mann derjenige ist, der den Familiennamen weiterführt. Emanzipierte Frauen bestehen heute immer mehr darauf, den eigenen Nachnamen zu behalten. Wenn der Mann dann tatsächlich ein Äuglein zudrückt, hat die Frau am Ende einen Doppelnamen. Und noch mehr Schreibarbeit.
Wenn man einem türkischen Mann vor der Ehe leise zuflüstert, den eigenen Namen behalten zu wollen, wird aus dem Geflüster sehr schnell eine große Debatte, welche mit einem heftigen Streit und sogar einer Woche Funkstille enden kann.
Hat man dann seinen Zukünftigen doch irgendwie überzeugt, geht es nun an den nächsten Job: Seine Familie davon überzeugen. Und spätestens hier wird man scheitern.
Abgesehen von der Funktion als Namensträger fragt man sich, was denn eigentlich so besonders an dem türkischen Männlein ist. Die können doch nicht einmal kochen!
Nein, genau das sollen sie auch nicht können. Dafür ist die Frauenwelt da. Deswegen haben Frauen auch kleine Füße, damit sie näher am Herd stehen können (ha ha!).
Man betätschelt den kleinen Türken, macht ihn zu einem Pascha. Die weiblichen Geschwister müssen oft mitansehen, wie der Bruder bevorzugt wird. Es fängt sehr früh an. Sobald die Mutter weiß, dass der Embryo im Bauch männlich ist, hat sie ihre wichtigste Aufgabe erfüllt. Das Baby kommt, wächst, wird lauter und rechthaberischer. Macht aber nichts. Männer dürfen laut sein. Je älter der Junge wird, desto später kommt er nach Hause. Macht aber auch nichts, sie können auf sich selber aufpassen. Je erwachsener er wird, desto mehr Affären hat er am Laufen. Macht natürlich nichts, sie sind ungebunden und müssen nicht unbedingt jungfräulich in die Ehe. Sie sollen sich vor der Ehe schön austoben, damit sie am Ende eine Jungfrau verdienen.
So sieht das System in den meisten Fällen aus. Nun muss man erschreckend feststellen: Türkische Männer haben mehr Rechte als Frauen. Um auch auf die Frage vom Anfang einzugehen: Hiermit wäre unter anderem bestätigt, dass der Bub mehr wert ist als das Weib.
Nach außen hin – ja, vielleicht. In den vier Wänden sieht es aber wieder etwas anders aus.
Immer mehr Familien merken, dass Buben mehr Fluch als Segen sind. Eben durch die falsche Erziehung werden sie egoistisch, unzuverlässig, eingebildet. Sie glauben, sich immer und alles erlauben zu können. Nicht nur draußen und nicht nur den Geschwistern gegenüber. Irgendwann geht es auch soweit, dass sie glauben, Herr über die Eltern zu sein.
Immer öfter werden sie zu einer Belastung, immer mehr Probleme bringen sie mit sich.
Und immer weiter merken die verzweifelten Eltern, dass Töchter pflegeleichter sind als Söhne. Viel zuverlässiger, viel familiärer, viel mehr das, was sie sich gewünscht hatten. „Hätte ich doch nur eine Tochter statt fünf Söhne“, heißt es am Ende.
So heißt es, wenn in der Erziehung etwas schief gegangen ist, was leider noch sehr oft der Fall ist. Natürlich gibt es viele Gegenbeispiele, viele Ausnahmen, viele neue Tendenzen und positive Entwicklungen. Und auch viele Hintergrundinformationen, wie alles überhaupt so weit gekommen ist. Auf die werden wir in den weiteren Artikeln peu à peu eingehen.
Bildquelle: www.flickr.com, Photog*Phillip