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Jung, Single, sucht....
Wo findet man den Deckel zum Topf?
Singlebörse, Flirtkurse oder doch Dating-Partys? Wie findet man den richten Partner? Ein Selbstversuch.
Die Singlebörse – Oder wie man sich virtuell prostituiert
Wir sind eine Generation der Faulen und Lethargischen. Nicht nur unsere Kleidung bestellen wir im Internet, sondern auch den Partner fürs Leben. Kein langes Styling, kein aufwendiges Ankleiden, keine langweiligen Gespräche. Ganz einfach, ganz gemütlich, ganz komfortabel.
Singlebörsen sind dem vollkommenen Markt der Wirtschaftstheorie sehr nahe. Homogene Güter, transparent und es gibt keine negativen Präferenzen. Sehr praktisch, denn es gibt für alles und jeden eine Plattform. Für die Dicken, für die Dünnen, für die Veganer, für die Fleischfanatiker, für die Mamas und für die Suggardaddys.
Es ist ganz leicht: Wer bezahlt wird verliebt. Aber eines ist dabei völlig klar, mindestens 90 Prozent der User sind schlank, sportlich und gut bezahlt. Gut, dass ich als erfolgreiche PR-Chefin meiner eignen Werbeagentur zwischen meinen zahlreichen Hobbys, wie Fallschirmspringen und Bungee-Jumping, noch Zeit zum flirten habe. Das „Ich“ ist in diesem Fall meine erfundene Persönlichkeit und darf bitte nicht mit mir als Person verwechselt werden.
Das vollgefüllte Postfach lässt mein Ich hoffnungsvoll dreinblicken. Der eine ist ein solch „charmanter und niveauvoller Typ der gerne gut essen geht und mir die Welt entdecken möchte“, der andere „eine Sportskanone, der immer in Action ist, aber doch auch gerne verschmuste Abende bei Kerzenschein verbringt.“ Und das erwarte er auch von seinem Gegenüber.
Letzten Endes ist mir die Suche nach einem Partner in der virtuellen Welt zu komplex. Ich prostituiere mich nun mal nicht und schon gar nicht im Internet. Und wer will schon jemanden daten, der sich selbst als Kuschelbären bezeichnet?
Die Flirtschule – Oder wie man ein Mobiltelefon ist
„Man muss seinem Gegenüber immer in die Augen schauen!“, jodelt die selbsternannte Flirt-Dozentin. Und dabei scheinen die Augen für manche Männer immer noch unterhalb meines Halses zu liegen. Lässig und entspannt solle man sein und immer einen flotten Spruch auf den Lippen haben. Die richten Signale soll man auch senden. Bin ich etwa ein Mobiltelefon? Oder wie soll ich so einfach etwas senden?
Der Praxistest findet in einer Münchner Kneipe statt. Gefüttert mit allem was Frau zum flirten drauf haben muss stürze ich mich ins Geschehen. Ein Objekt der Begierde ist schnell gefunden. Noch schnell die Nase gepudert steuere ich auf ihn zu. Gut sieht er aus, sympathisches Lächeln, gepflegtes Äußeres und – meines Erachtens – Single. Denkste! Kurz bevor ich mit meinem auswendig gelehrten Spruch („Sorry, dass ich dich so einfach anquatsche, aber du bist mir einfach aufgefallen hier.“) loslegen kann, steht er auf, geht geradewegs auf eine hübsche, junge Frau zu und küsst sie überschwänglich.
Plan B tritt in Kraft. Die Bar, eine Flasche Prosecco und ein ziemlich nettes Gespräch mit dem Barkeeper. Und das Geld für den nächsten Flirtkurs investiere ich lieber in einen Kurzurlaub.
Das Speed-Dating – Oder wie mein Dekolleté das Gespräch führt
Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, eine Drittel-Sekunde reiche aus, um zu entscheiden, ob uns unser Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Das klingt einfach, wenn ich bedenke, dass ich für die Kaufentscheidung für ein paar Schuhe schon manchmal gut eine halbe Stunde brauche.
Für jedes Date sind sieben Minuten vorgesehen. Das sind 420 Sekunden. Was tue ich aber, wenn mir nach einer Drittel-Sekunde bewusst ist, dass ich den Typen unsympathisch finde? Dann bleiben immer noch 419,67 Sekunden in denen ich mein Gegenüber gelangweilt anstarren muss.
Bei einem Speed-Dating ist den Meisten bewusst, dass sich die Augen überhalb meines Halses befinden. Sollte man meinen. Einige meiner Dating-Partner unterhalten sich sieben Minuten lang ungeniert mit meinem Dekolleté, andere wiederum halten das für ein Vorstellungsgespräch und erzählen mir, was sie alles studiert haben, wie viel Geld sie verdienen und welche Marke ihr Auto hat. Was mir aber niemand erzählt, ist, was er in seiner Freizeit tut, niemand versucht mir eine nette, humorvolle Anekdote aus seinem Leben zu erzählen und schon gar keiner schafft es, mir die Drittel-Sekunde zu entlocken.
Nach dem Ende eines jeden Speed-Dates darf ich auf einem Zettel mit ja oder nein antworten. Alle sieben Kreuze mache ich bei nein. Null Sympathie, Null Übereinstimmung, Null Partner gefunden.
Alternativ zu all diesen Versuchen, den passenden Deckel für den Topf zu finden, beschließe ich, mir ein paar neue Schuhe zu kaufen, das ist wenigstens gut für meinen Schuhschrank, der ist nämlich immer ein bisschen einsam.
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