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Ist das Fernsehen jetzt bald tot?
...oder heißt die Zukunft: Fernsehen und Internet zugleich?
Eine Software namens Zattoo hat den Kampf gegen die gute, alte Glotze aufgenommen.
Seit einiger Zeit wird im Internet eine freizugängliche Software angeboten, die es jedem Nutzer ermöglicht, einen Live-Stream zahlreicher TV-Kanäle auf dem Computer zu empfangen. Das Produkt, das dahinter steckt, nennt sich Zattoo und kann hier herunter geladen werden. Die Macher werben auf ihrer Internetseite damit, dass Zattoo "echtes TV auf deinem PC" sei. Doch stimmt das wirklich?
Um die Dienste von Zattoo nutzen zu können, muss man sich nach der Installierung registrieren und ein Benutzerkonto einrichten. Auch dies ist kostenlos. Allerdings wird man aufgefordert, seine E-Mail-Adresse, Namen, Geburtsjahr und Geschlecht anzugeben. Freiwillig kann man noch Angaben über seine Sehgewohnheiten im TV machen sowie über Einkommen, Bildungsstand etc. Anschließend erklärt man sich bereit, dass die Daten, die man von sich angegeben hat, und die, die im Laufe der Nutzung von Zattoo gesammelt werden, ins Ausland übermittelt werden dürfen. Dabei sollte man bedenken, dass z. B. in den USA, wo Zattoo auch aktiv ist, die deutschen und europäischen Datenschutzgesetze nicht gelten.
Beim Aktivieren von Zattoo macht sich erst mal große Enttäuschung breit: ProSieben, SAT.1, RTL – ja, fast alle privaten Sender fehlen. Lediglich MTV, VIVA, Comedy Central und ähnliche private Spartenkanäle kann man anklicken. Der Grund dafür sind komplizierte Lizenzrechte, die Zattoo im Weg stehen. Dafür gibt es das volle öffentlich-rechtliche Programm. Wirklich alles – und mehr als man brauch! Allein elf verschiedne WDR-Kanäle mit Regionalfenster stehen zur Verfügung. Von WDR Aachen bis WDR Wuppertal ist alles dabei.
Etwas Geduld und hin und wieder gute Nerven sollte man auch einplanen. Vom Anklicken des Zattoo-Symbols auf dem Desktop bis zum Glotzen können gerne mal fünf bis sechs Minuten verstreichen – in denen der Computer auch nur ungern etwas anderes macht. Das Umschalten von einem Kanal zum anderen nimmt grundsätzlich fünf bis sieben Sekunden in Anspruch, was wildes Zappen unmöglich macht. – Aber, sei’s drum! Zattoo befindet sich noch in der Beta-Version.
Die eigentliche Frage ist, wer soll Zattoo nutzen? In den meisten Haushalten stehen schon mehrere Fernseher. Soll man also beim Surfen Zattoo laufen lassen, während der Fernseher ohnehin im Hintergrund plärrt? Die Antwort bietet vielleicht W-LAN. Im Zug oder im Café schnell mal die Tagesschau geguckt oder eine Soap im Wartezimmer. Aber dafür müsste das W-LAN-Netz in Deutschland wesentlich besser ausgebaut sein. Vielleicht wird Zattoo auch zum nächsten Aufreger für Firmenchefs, weil bald alle Mitarbeiter heimlich am PC die Live Sportübertragungen gucken. Kann sein, aber solange das Problem mit den privaten Sendern nicht geklärt ist, dürfte es eher unwahrscheinlich sein, dass der Counter-Strike-Zocker im Hintergrund Zatttoo laufen lässt, damit er gleichzeitig auf Arte den Themenabend verfolgen kann. Aber wenn doch, ist Zattoo genau die richtige Software dafür.
Bildquelle: flickr.com, rickremington
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