![]() |
Autor: ahah(at)zeitjung.de |
| INTERNETsurfer | 22.06.2009 | |
|
|
Buchmonster AmazonAmazons Rolle im BuchmarktAmazons Macht als Buchhandel wächst immer weiter. Wie der Gigant den Markt beherrscht.Angefangen als kleines Online-Buchhäuschen, hat sich Amazon seit Gründung vor 15 Jahren zum größten Internet-Warenhaus der Welt aufgeschwungen. Doch nur die wenigsten wissen, wie mächtig der Gigant wirklich ist. Vor allem in seiner Tradition als Bücherhändler beherrscht er jede noch so kleine Nische. Welche Rolle Amazon im Büchermarkt wirklich spielt. Jeder, der schon einmal ein Buch bei Amazon bestellt hat, weiß, wie leicht der Online-Händler eine traditionelle Buchhandlung ersetzen kann. Die Auswahl ist beachtlich, reicht von Fachbüchern über Zeitschriften bis hin zu englischen, spanischen, italienischen und französischen Büchern. Keine Versandkosten, kurze Lieferzeit und restlicher Service sind kaum zu überbieten. Hinzu kommen Kundenrezensionen und Empfehlungen anderer passender Artikel.
Vor allem das Novum solcher Empfehlungen war es, das Amazon ab 1997 zu großem Wachstum verhalf. Und das ist auch heute noch ein wichtiger Vorteil gegenüber analogen Buchhandlungen. Wo letztere nur bis zu einem gewissen Maße auf Kaufverhalten reagieren können, kennt Amazon die Vorgehensweise der Kunden bis ins Detail. Die Analyse nicht nur von gekauften, auch von nur angeschauten Artikeln und deren Verknüpfungen wird wiederum in die Empfehlungen eingebunden.
Aber nicht nur gedruckte Bücher sind bei Amazon zu haben. Auch E-Books gibt es zum Sofort-Download. In Deutschland vor allem auf wissenschaftliche Arbeiten beschränkt, beherrscht Amazon in Amerika praktisch den ganzen Markt der elektronischen Bücher. So gut wie alle gedruckten Bücher sind dann auch gleich vom hauseigenen Lesegerät Kindle, mittlerweile in dritter Generation, abrufbar. Verlockend ist für Kunden vor allem der niedrige Preis, der deutlich unter den Printausgaben angesiedelt ist. Die Konkurrenz wird es hier schwer haben. Immerhin bezahlt Amazon die Überschüsse aus eigener Tasche, um die Plattform zu etablieren.
Doch irgendwann müssen die Zusatzausgaben wieder eingespart werden. Was ist also, wenn Amazon – und das ist abzusehen – die Einsparungen auf die Verlage überträgt? Ablehnen können sie nicht: Ein Verkauf ohne den Online-Riesen bedeutet früher oder später das Aus. Doch schon jetzt spielen Bücher nicht viel mehr als die Produktionskosten ein.
Der Gigant selbst könnte wohl auch ohne Verlage auskommen. Indem er Bücher einfach selbst herstellt: In Amerika gibt es dafür den hauseigenen Service „CreateSpace“, mit dem jeder sein eigenes Buch (auch Musik und Filme) praktisch kostenfrei veröffentlichen und vertreiben kann. Das gleiche Prinzip bietet auch die Tochter „BookSurge“. Und „AmazonEncore“ veröffentlicht nicht beachtete, aber wertvolle Bücher anderer Verlage einfach noch mal. Aber was ist, wenn Autoren den Zwischenschritt über Verlage künftig für überflüssig halten und direkt zu Amazon wechseln?
Nicht einmal fernab von Verlagen und Druckereien gibt es gute Aussichten für Konkurrenten. Allein 2008 holte sich Amazon den führenden Hörbuch-Händler „Audible“, das erfolgreiche soziale Netzwerk für Bücherliebhaber „Shelfari“ und den Gebrauchtbuch-Händler„AbeBooks“ ins Haus. Zu dem übrigens noch große Anteile an „LibraryThing“ und „Bookfinder“ mitgeliefert wurden. Und seit April dieses Jahres untersteht dem Riesen auch „Lexcycle“, das die überaus erfolgreiche App „Stanza“ für das iPhone vertreibt. Die Macht, die Amazon besitzt, ist immens. Und sie wird größer. Der klassische Buchmarkt über traditionelle Verlage wird so schnell zwar nicht aussterben, aber den Vorgaben des Buchmonsters Amazon muss er sich wohl oder übel beugen. Und das kann Folgen haben. Bildquelle: zeitjung.de, ah
Weitere Artikel:
Kommentar schreibenJojo schrieb am 23.06.2009 um 09:00:56 Uhr:
Wow! Gut geschrieben und gut recherchiert. Weiter so! ;–)
|
Dein Name
Dein Kommentar: