Don`t believe the Buzz
Mit Buzz versucht sich
Google am sozialen Internet
Google will Facebook fressen. Mit Buzz präsentiert Google seine Version vom sozialen Netzwerk. Zu spät?
Vergleichen wir Google mit dem großen römischen Imperator Cäsar. In den Asterix-Comics schäumt der vor Wut. Ganz Gallien hat er erobert, nur ein Dorf leistet erbitterten Widerstand. Google, so könnte man sagen, hat das ganze Internet erobert, nur das mit den sozialen Netzwerken will nicht so recht klappen. Zu mächtig ist das Kraftstrotzende Facebook, zu weit der Vorsprung des Zaubertrank mischenden Druiden Mark Zuckerberg. Das soll sich jetzt ändern. Am Dienstag stellte Google seine Version des sozialen Netzwerks vor: Google Buzz.
Google Mail wird sozial
Dabei startet Google mit einem cleveren Schachzug. Jeder, der einen Google Mail-Account hat, ist nun automatisch auch bei Buzz und ist dort mit den Kontakten aus seinem E-Mail Adressbuch verbunden. So umgeht Google erstmal die Hemmschwelle des Anmeldeprozesses. Was Buzz dann ermöglicht entspricht der großen Social Media-Erkenntnis, die Google auf dem Konzerneigenen Blog so formuliert: "Weil immer mehr Kommunikation Online stattfindet, ist das social web explodiert als bevorzugtes Mittel um interessante Dinge zu teilen, der Welt mitzuteilen was man im realen Leben vor hat und mit mehr Menschen besser in Verbindung zu bleiben."
Das bedeutet: Bei Google Buzz können Links, Fotos und Videos gepostet und kommentiert werden. Dazu können etablierte Anwendungen wie Twitter oder Flickr integriert werden. Zusätzlich soll mit einfachen Mitteln unterschieden werden können, zwischen Inhalten, die man mit der ganzen Welt teilen kann und solchen, die nur einem kleinen privaten Kreis zugänglich seien sollen. So weit, so gut, das kennt man ja vom großen Rivalen Facebook.
Aber warum?
Die erste Frage, die man sich da nun stellt: Warum? Haben wir tatsächlich auf ein neues Social Network gewartet?
Traut es Google den Internet-Usern zu, auf ein neues Social Network auszuweichen, nachdem eh die meisten schon vom StudiVZ zu Facebook migriert sind? Wirkliche Vorteile hat Buzz nicht. Denn Google hat wohl vor, E-Mail und Social Network aus einer Hand zu bieten, anders gesagt will man ein "One Stop, get all"-Ort im Internet werden. Mit Google Maps, YouTube, Google Chrome und GMail hat der Suchgigant schon schwere Waffen in seinem Geschütz. Aber Google unterschätzt wohl die Tatsache, dass mittlerweile auch Facebook die E-Mail Sparte zumindest im privaten Bereich weitgehend ersetzt. Denn seinen Freunden schickt man mittlerweile keine Mails mehr, sondern Nachrichten über Facebook.
Anders herum kommt man zur zweiten Frage: Google betrachtet die Kontakte in den GMail-Accounts automatisch als Freunde. Doch sind die Leute, denen man E-Mails sendet, mit denen man eben gerade nicht über Facebook kommuniziert wirklich Freunde? Gehört da auch der Prof. dazu, dem man Fragen zu einer Seminararbeit stellt oder der Chef am Arbeitsplatz? In vielen Fällen dürfte der Kreis, dem man innerhalb von Facebook schreibt und der Kreis, dem man E-Mails sendet, unterschiedlich sein.
Google Buzz auf dem Bildschirm erfindet das Rad also nicht neu. Innovativ ist schon eher, wie Google Buzz auf dem Smartphone funktioniert.
Der Buzz ist Mobile
Die Google Buzz Application für Smartphones setzt auf dem Gebiet des Geo-Tagging neue Maßstäbe. Was bedeutet das? Zur Erläuterung ein Beispiel. Es gibt da diese wunderbare Szene-Kneipe, leckeres billiges Bier, gute Musik und schöne Menschen. Google Buzz-Nutzer können die Kneipe auf der Google-Map einzeichnen, kommentieren und bewerten. Ein ahnungsloser Buzz-Nutzer, der in die Gegend kommt, kann all diese Bewertungen auf dem Handy anzeigen lassen und so den weg ins abendliche Kneipen-Glück finden. Datenschützer und Verteidiger der Privatsphäre schreien zwar auf, dennoch wird diese Funktion ihre Liebhaber finden.
Der Cäsar Google hat also gar nicht so schlechte Karten, dem gallischen Dorf Facebook diesmal einen schmerzhaften Schlag zu verpassen. Für mehr wird aber wohl auch dieser social web-Anlauf des Großkonzerns nicht ausreichen. Google hätte Facebook nicht zum Gegner erklären, sondern die Möglichkeit schaffen sollen, den Netzwerk-Riesen in Buzz zu integrieren. Denn: den wirkungsvollsten Social Network-Zaubertarank braut immer noch Mark Zuckerberg.
Bildquelle: Flickr.com, unhindered by talent