Kultur

12.03.2009
Kaner Autor: Kaner
ke(at)zeitjung.de
Alles wegen den pösen Computerspielen!!

Alles wegen den pösen
Computerspielen!!

Killerspiele schuld an
Amoklauf?

Kommt es zu einem Amoklauf, seufzen sämtliche Gamer auf: Jetzt wird schon wieder auf Computerspiele rumgehackt.

„Och nö, jetzt geht das schon wieder los“ - ein genervter Foren-User in einer Counterstrike-Community. „Jetzt dürfen wir uns die nächsten Wochen wieder denselben Mist reinziehen.“ Denn es ist ganz klar: An so einem Verhalten können nur und müssen Computerspiele schuld sein. Allen voran die damals von Günter Beckstein getauften „Killerspiele“ - für viele Erwachsene keine Spiele, sondern reine Tötungssimulationen.

Die Diskussionen sind mindestens so alt wie das Genre Ego-Shooter selbst. Man läuft mit einer Knarre - oder einem Maschinengewehr oder einem Raketenwerfer - durch die Gegend, Mission ist es anscheinend, die gesamte Menschheit zu vernichten. Möglichst blutrünstig mit möglichst viel Gehirnmasse an den Wänden. In Spielen wie GTA geht es nur darum, möglichst viele Passanten zu töten und Autos zu klauen. So das Vorurteil.

Zugegeben, der erste Eindruck ist schnell gemacht: Man schaut auf den Bildschirmen der Kinder und sieht nur Schießeren mit viel Blut. Im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich hirnrissig. Denn werden Menschen nicht einfach als einen Haufen Pixel dargestellt, die man möglichst schnell und effizient umlegen muss?

Doch, genau das ist es eben: Es sind Pixel. Nicht reale Figuren. Sie können noch so realistisch sein wie in Filmen. Gamer betrachten die Figuren auf den Bildschirmen nicht als Menschen, sondern als Hindernisse, die man zur Missionserfüllung überwinden muss. Auch wenn die Grafik und die Sterbensschreie noch so realistisch sein mögen. Höchstens in den ersten Momenten gibt es einen „Wow“-Effekt und es reagiert der Reiz des Verbotenen - aber der verfliegt so schnell, dass das Töten von Computerpixeln in den Hintergrund gedrängt wird. Letztendlich geht es um Taktieren, schnelles Handeln zur richtigen Zeit, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen. Nach einer Zeit nimmt man das Blut nicht mehr wahr.

Werden denn die Zocker genau dadurch nicht abgestumpft? Nun, um das Geschehen im Spiel auf die Realität zu übertragen, bedarf es schon weit mehr als einem Abstumpfen. Viele Studien haben ergeben, dass während des Spielens im Gehirn der Gamer die Aggressionsareale aktiviert sind, doch beim Beenden des Spiels wieder ruhen. Anders ausgedrückt: Ist der Rechner aus, sind die Spieler genauso aggressiv wie vor dem Spielen oder sogar weniger, weil währenddessen Energie verbraucht wurde.

Es gehört weit mehr dazu, Menschen im echten Leben zu töten, als das bloße Betrachten von „Killerspielen.“ Dazu gehören Gefühle des Verlassenseins, Einsamkeit, Wut, Rachegefühle und das Gefühl, nicht geliebt zu werden - das sind Gefühle, die kein GTA oder Killzone hervorrufen können. Und so tragisch es auch immer ist: Amokläufe hat es schon lange vor Computerspielen gegeben. Und in jeder Generation werden neue Sündenböcke gefunden, weil man mit dem Finger nicht auf das zeigen will, worauf es wirklich ankommt: Was im Leben des Amokläufers gefehlt hat, um so einen Menschenhass zu entwickeln.


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Foto: www.flickr.com, Marco Kontze

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