Kultur

29.04.2009
Benjamin Rosendahl Autor: Benjamin Rosendahl
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Jud Süß – Harlan sauer
Erfolgreich bei den Nazis und danach: Veit Harlan

Jud Süß – Harlan sauer

Dokumentarfilm über Veit Harlan

Im Kino: Ein neuer Dokumentarfilm über den Regisseur des wohl erfolgreichsten Nazi-Propaganda-films.

Die Geschichte des jüdischen Bänkers und Hofjuden Joseph Süß Oppenheimer (1698-1738), der nach einem von Antisemitismus nur so strotzenden Schauprozess gehängt wurde, hat die Menschen auch noch hunderte Jahre später fasziniert: Sein Leben war der Stoff zweier Bücher, eines Theaterstückes, dreier Spiefilme und einer Dokumentation von 2001. Die Adaptionen sind ein Spiegelbild der deutsch-jüdischen Geschichte sowie der Geschichte des Antisemitismus.

 
Von all diesen Adaptionen kennt man aber hauptsächlich den Nazi-Propaganda-Film „Jud Süß“ (1940) des Regisseurs Veit Harlan, der auch das Drehbuch schrieb. Der Film hat wenig mit dem Leben des echten Süß Oppenheimer zu tun denn mit den antisemitischen Vorwürfen gegen ihn während des Schauprozesses, die hier, 300 Jahre später, wiederholt werden: Finanzjudentum, sexuelle Unmoral und Gier paaren sich in diesem Film mit visuellen Elementen, die jedem Vorurteil über Juden Folge leisten (Hakennase, Vollbart, Buckel etc.). Kurzum: Ein Meisterwerk antisemitischer Propaganda. Diese Woche kommt ein Dokumentarfilm über Veit Harlan in die deutschen Kinos.  
 
Untertitel des Doumentarfilms ist „im Schatten von Jud Süß“, was einer gewissen Ironie nicht entbahrt. Denn „Jud Süß“ war keineswegs etwas Negatives für Harlan. Im Gegenteil: Der Film wurde von 20 Millionen Zuschauern gesehen, wurde SS-Einheiten und KZ-Aufsehern zu Propaganda-Zwecken gezeigt und bescherte Veit Harlan Ruhm, Anerkennung und Preise, wie z.B. den UFA-Filmpreis. „Jud Süß“ machte ihn zum Star.
 
Und auch die Entnazifizierung bereitete Harlan keine Probleme: In zwei Prozessen gegen Harlan mit Anklagepunkt „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ wurde er freigesprochen. Im Gegensatz zum „Stürmer“-Herausgeber Julius Streicher (der zum Tode verurteilt wurde) vergab man Harlan seine antijüdische Volkshetze. Er arbeitete noch viele Jahre als Filmemacher weiter, bis zu seinem Tod 1964.
 
Veit Harlan hat, ähnlich wie Hitlers andere Propaganda-Regisseurin, Leni Riefenstahl („Triumph des Willens“) niemals seine Filmtätigkeit für die Nazis bereut und musste dafür auch nie einen Preis zahlen. Immerhin haben sich seine Kinder, vor allem sein Sohn Thomas Harlan, der auch Filmregisseur ist, von ihm klar distanziert. Und Harlans Nichte Christiane heiratete Starregisseur Stanley Kubrick – einen Juden. Süß.
 
Nachbemerkung: Wer einmal in Berlin ist, dem empfehle ich, sich im Jüdischen Museum die Ausstellung über „Jud Süß“ anzuschauen. Sehr interessant!
 

 
Bildquelle: www.kino.de
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