Kultur

25.06.2009
ah Autor: ah
ah(at)zeitjung.de
Wenn Goethe und Schiller bloggen

Wenn Goethe und Schiller
bloggen

Briefwechsel von Goethe und
Schiller im Echtzeitblog

Literarischer Langzeitblog: Der Briefwechsel der beiden Klassiker in Echtzeit gestartet – bis 2020.

Am 13. Juni 1794 schrieb Friedrich Schiller seinen ersten Brief an Goethe. Stocksteif begann er mit der Anrede „Hochwohlgeborner Herr, Hochzuverehrender Herr Geheimer Rath!“. An den Schluss setzte er in gleicher Manier „Euer Hochwohlgeboren gehorsamster Diener und aufrichtigster Verehrer F. Schiller“. Und dazwischen entfaltete er den Wunsch, den mittlerweile 44-jährigen Goethe für die neue Zeitschrift „Die Horen“ ins Boot zu holen. Der lange Briefwechsel, der sich aus diesem förmlichen Anliegen entwickelte, sollte nicht nur Zeuge einer intensiven Freundschaft werden, sondern auch die zentralen Gedanken der Weimarer Klassik hervorbringen.

Grund genug, die weitreichende Korrespondenz der beiden Literaturikonen heute, 215 Jahre später, in etwas angepasster Form zu veröffentlichen. Giesbert Damaschke, studierter Germanist und Doktor philosophiae, bringt die Gespräche in Echtzeit im Blog briefwechsel-schiller-goethe.de. Echtzeit, das heißt hier: Die Briefe werden in der Reihenfolge und mit dem zeitlichen Abstand gebloggt, in dem sie ursprünglich geschrieben wurden. Das heißt auch 999 Briefe oder Blogeinträge in elf Jahren. Sein Ende wird das Projekt also, wenn es durchhält, im Jahre 2020 finden. Pünktlich zum 215. Todestag von Schiller.
 
Dabei wurde nicht die bewährte „Münchner Ausgabe“ herangezogen, sondern eine frei zugängliche Online-Version. Grund: Mit der ersteren komme man „in urheberrechtlich unsichere Gewässer“. Denn trotz Gemeinfreiheit des Originalwerks sind neu herausgegebene Werke 25 Jahre geschützt.
 
Der Briefwechsel der beiden Genies ist nicht das erste literarische Langzeitprojekte Damaschkes. Der Publizist aus München, der sich sonst vor allem mit Computer und Technik beschäftigt, betreibt Mailinglisten zu Karl Kraus und Karl May. Seine erfolgreichste, die Arno-Schmidt-Mailingliste mit knapp 600 Mitgliedern, organisiert er mittlerweile seit elf Jahren.
 
Mit dem Brief vom 24. Juni sagte Goethe dem Zeitschriftenprojekt zu. „Die Horen“, deren Herausgeber Schiller war, sollten im kommenden Jahr ein wissenschaftliches Literaturjournal im Geiste der Aufklärung werden. Ein Dauerbrenner war es aber nicht: Innerhalb von zwei Jahren war Schluss. Wer dagegen sehen will, wie Damaschke bis ins Jahr 2020 dranbleibt, kann sich per RSS-Feed rechtzeitig an die neuen Briefe erinnern lassen.
 
Bild: zeitjung.de, ah
 
 
 

 

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