Kultur

09.07.2009
Elias Kreuzmair Autor: Elias Kreuzmair
ekr(at)zeitjung.de
Daniel Mahrer

Wie schmeckt eigentlich
Pop?

Der Autor Daniel Mahrer im
Interview

Der Autor Daniel Mahrer über Pop Art, das Internet und die Wahrheit unter der Oberfläche.
Daniel Mahrer, 24 Jahre alt, studiert Kunst im Lehramt in Basel, wo er aufgewachsen ist. Gerade macht er ein Auslandssemester in München an der Akademie der Bildenden Künste. Dieser Mann isst Pop – nur logisch, dass sein bevorzugtes Verfahren für seine Bilder (http://www.flachware.de/daniel-mahrer), Andy Warhol nachfolgend, der Siebdruck ist. Am 16. Juli liest er auf einer multimedialen Lesung in der Münchener Bar Niederlassung.
 
Dani L., dein Blog-Alter-Ego ist ja schon ein kaputter Typ, der trinkt und sich viel in Kneipen und Clubs aufhält. Wie viel Daniel steckt in Dani?
Dani trinkt schon mehr als ich. Lacht. Aber zu schauen, ob da jetzt 5 oder 95% von mir drinstecken, das ist nicht der Punkt. Es geht nicht darum zu schildern, was mir passiert ist, wie bei manch anderen Bloggern. Was mich interessiert, ist, den Blick des Lesers auf Alltagsdinge zu verändern, einen neuen Blickwinkel hinzuzufügen. Wenn Dani L. Kaffee trinkt, trinkt er eben nicht nur Kaffee.
 
Du sprichst ein wenig schweizer Dialekt. Wie ist dein Verhältnis zum Hochdeutschen, vor allem auch in Bezug zum Schreiben?
Ich versuche schon immer schweizer Formulierung einzubauen, Wörter, die es im Hochdeutschen nicht gibt. Andererseits schreibe ich natürlich grundsätzlich hochdeutsch.
 
Neben deiner künstlerischen Arbeit ist auch dein Schreiben an Pop Art, an Pop-Literatur orientiert. Was heißt das für dich?
Dani L. ist Pop. Es geht bei meinem Blog – wie überhaupt in vielen Bereichen des Internets – darum, sich eine Identität zu erschaffen, sich auf eine gewisse Art zu präsentieren und damit eine Art Personenkult zu kreieren. Dani L. ist ein Anlass, sich bewusst zu machen, was da überhaupt passiert, beispielsweise wenn man sich ein Profil bei Facebook anlegt. Man hat eben die Möglichkeit, seine Person zu präsentieren, wie man will.
 
Wie funktioniert der Personenkult bei Dani L.?
Es geht darum, ein beliebtes Pop-Prinzip, die Hülle zum Inhalt zu machen. Die Präsentation, die Oberfläche zählt. Dadurch entsteht dann der andere Blick auf den Alltag. Insofern ist mein Schreiben ein zynischer Kommentar. Zunächst ist da die Beschreibung der Hülle – und dann kommt die Blickveränderung, die Wahrheit dahinter.
 
Auch deine Bilder sind an die Pop Art angelehnt. Welche Rolle spielt Pop insgesamt für deine künstlerische Arbeit?
Pop Art ist sozusagen meine Antike. Dort bediene ich mich, entwickle Formen weiter und lasse mich inspirieren. Natürlich steht Warhol Pate, wenn ich mit der Siebdruck-Technik arbeite und meine Bilder als Serien mache. Andererseits, und das ist dann die Weiterentwicklung, ist das Erstellen von Serien auch eine Reaktion auf die Bilder- und Informationsflut des Internets, das Warhol noch nicht kannte. Auch die Maxime, dass jedem 15 Minuten Ruhm zustehen, kommt aus der Pop-Art-Ecke und passt wunderbar auf das Internet, wo man mit einem youtube-Video Erfolg haben kann – und dann wieder verschwindet. Positiv gesehen heißt das: Jeder kann sich im Internet seinen eigenen Starkult schaffen.
 
Ist es wichtig für dich, dass die Themen deiner Texte und Bilder aktuelle Relevanz haben?
Ja, auf jeden Fall. Ich nehme alles um mich herum auf, ob es Werbung oder das Leben in der Stadt oder ob es eben die Entwicklung des Internets ist.
 
Zum Abschlus die entscheidende Frage, an den Mann, der Pop isst: Wie schmeckt eigentlich Pop?
Pop schmeckt verdammt süß, aber es hat einen bitteren Nachgeschmack.
 

Bildquelle: privat 

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