Peinliche Aktion gegen
Killerspiele
Aktionsbündnis Winnenden versagt
bei Aktion gegen Killerspiele
Ein Riesencontainer wurde angeschafft, damit die Leute demonstrativ ihre Killerspiele wegwerfen. Doch ganz voll wurde der nicht.
Manchmal fragt man sich erstens, wie kommen Leute auf solche Ideen und zweitens, wieso werden sie auch noch allen Ernstes umgesetzt. Die Idee des „Aktionsbündnis“ Winnenden stellt genau das dar.
Und so lautete der glorreiche Plan: Damit in Zukunft nie nie wieder Amokläufe passieren, sollte in Stuttgart ein Riesencontainer aufgestellt werden und die Leute sollten Hand in Hand demonstrativ ihre bösen Killerspiele in die Tonne werfen. Denn natürlich ist die Kausalität für jeden Erwachsenen klar: Killerspiele verursachen Amokläufer. Punkt.
Und so stellte man am letzten Samstag einen Riesencontainer hin und wartete. Und wartete. Nur irgendwie wollten keine geläuterten Killerspiele-Anbeter kommen und ihre Spiele wegwerfen.
Die Ausbeute am Ende der Aktion: Zwei PS2-Spiele (GTA San Andreas), eine CD und ein GameBoy-Spiel (Small Soldiers). Wer sich die Größenordnung anschauen mag, so sei
dieses Video hier empfohlen, das die Ausbeute gefilmt hat.
Als wär das nicht peinlich genug, setzt das ZDF noch einen drauf: Natürlich hatten die Fernsehteams mit einem Ansturm von Eltern und Kindern gerechnet, die mit Tränen in den Augen ihre Spiele in die Tonne schmeißen. Doch da keiner kam, hat ein ZDF-Fernsehteam kleinen Kindern ein paar Spiele in die Hand gedrückt, damit sie publikumswirksam die Spiele in den Container werfen. Und diese Szene wurde auch noch wieder und wieder gefilmt, damit sie auch bloß richtig im Kasten ist. Die Inszenierung hat ein zufälliger Beobachter
ebenso auf YouTube gestellt. Da könnte man sich schon fast fremdschämen.
Natürlich hatte diese Aktion keine Aussicht auf Erfolg. Was wurde denn erwartet? Ein Spiel kostet 40-70 Euro, sollte da einen wirklich die Lust packen, raus zu gehen und für so eine Aktion, die fünf Minuten in der Tagesschau kriegt, sein Geld quasi zum Fenster hinauswerfen? Sollte man am besten gleich noch Konsole, Fernseher, Rechner und Monitor mitbringen?
Doch klar: Es ist einfacher, den Spielen die Schuld in die Schuhe zu schieben, als die Ursache im sozialen Umfeld zu suchen und Wege gegen Mobbing, Leistungsdruck und Versagensangst zu finden.
Bild: Wikimedia Commons, Stefan