Matthias Sternkopf Autor: Matthias Sternkopf
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INTERNETsurfer | 07.02.2010 |
Wie Apple das Web kastriert
Meinung

Wie Apple das Web
kastriert

App-Store im Apple iPad schafft
Kontrolle und Macht.

Apple schafft es mit dem iPad, das freie Internet und seine User zu kontrollieren.
Als 1997 das Internet erstmal kommerziell genutzt werden konnte, war einigen sofort klar: Das Web wird unsere Zukunft bedeutend prägen. Schon am Anfang zeigte sich der große Unterschied zu bisherigen Medien wie Radio, Zeitung und TV: Das Internet ist kein reiner Distributionskanal. Es funktioniert in alle Richtungen, es ist anarchisch aufgebaut, kann dank seiner dezentralen Struktur kaum kontrolliert werden und jeder Empfänger kann im WWW mit wenigen Klicks zum Sender werden.
 
Der Internet-User ist mündig. Mit dem Werkzeug Internet kann er selbst entscheiden, welche Inhalte er konsumieren oder produzieren will, er ist dank des Webs in der Lage, die Gatekeeper-Funktion des klassischen Journalisten zu übernehmen. Das Internet ist die Erfüllung der Brechtschen Radiotheorie.
 
Das Problem mit dem freien Web
 
Allerdings gibt es Parteien die mit den freien Charakter des Internets ein gehöriges Problem haben. Dazu gehören neben totalitären und meinungsunterdrückenden Staaten auch jede Menge Unternehmen, die sich auf einmal einer übermächtigen Konkurrenz ausgesetzt sehen. Zum Beispiel klassische Verlage, die seit über einer Dekade eher erfolglos versuchen, eine sinnvolle Wertschöpfungskette im Internet aufzubauen. Als reiner Distributionskanal hat das Web bisher mit wenigen Ausnahmen versagt. Kaum ein Nutzer gibt im Internet Geld für immaterielle Güter aus, die ein paar Clicks weiter auch umsonst haben kann.
 
Genau an diesem Punkt setzt Apple an. Damit im Internet Geld verdient werden kann, muss es kontrolliert werden. Es darf keine kostenlosen Alternativen mehr geben, die dem Kaufprodukt ebenbürtig oder gar überlegen sind. Apple, allen voran Steve Jobs, glaubt nicht an Web 2.0, Cloud-Computing (Zeitjung berichtete) oder Open Source. Damit entwickelt sich Apple immer mehr zum direkten Gegenspieler von Google, welches mit fast schon religiösem Eifer diese Ideen fördert.
 
Ipad: Herzlich Willkommen im Web 1.0!
 
Ein großer Schritt ins geschlossenen Internet ist das iPad. Es basierend nicht etwa auf dem noch relativ freien MacOS, nein, hier kommt ein iPhoneOS (Zeitjung berichtete) zum Einsatz - mit allen Vor- und Nachteilen. Der größte Vorteil für Apple ist hier klar die einfache Überwachung des Systems. Der Jubel der angeschlagenen Medienunternehmen wird noch lange nachhallen. Denn das Konzept des iPads macht das Internet zu einem Distributionskanal, mit dem endlich wieder Geld verdient werden kann.
 
Hier verdient besonders der App-Store gesteigerte Aufmerksamkeit. Nach Abgabe der Kreditkartennummer können hier kleine Programme für das iPad herunter geladen werden.  Programme für das iPad gibt es nur im App-Store, nirgends sonst. Was in den App-Store kommt, wird von Apple mit Argusaugen kontrolliert und bei Nichtgefallen sofort wieder aus dem App-Store und von den Geräten entfernt. Der Springer-Verlag hat vorgemacht wie es funktioniert. Die Online-Version der Bild-Zeitung gibt es auch als kostenpflichtige App. Die Bezahlung ist dabei kein Problem, die Kreditkartennummer ist schließlich bereits hinterlegt. Aber auch die Bild-App musste am Torwächter Apple vorbei und wurde von ihm um die freizügigen „Seite-1-Mädchen“ gestützt.
 
Nackte Haut geht im prüden Amerika nun wirklich nicht und der App-Store ist das perfekte Werkzeug der ultimativen Supervision. Es schließt unangenehme Inhalte aus und garantiert den im App-Store vertretenen Unternehmen Umsätze. Apples restriktive Macht über den App-Store hat nichts mehr mit freier Marktwirtschaft zu tun.
 
Der App-Store spaltet die Gesellschaft
 
Das iPad ist schick, modern und einfach zu bedienen. Das Konzept ist perfekt um seiner Oma das Surfen näher zu bringen. Doch Apples klare Monopolstellung kann zu einer ernsthaften Gefahr für das freie Wissen der iPad-Nutzer werden. Es nimmt dem Web seinen „Two-Way“-Charakter, macht es wieder zu einer kontrollierten, mautpfichtigen Einbahnstraße. Der User darf sich zwar noch aussuchen, was er konsumieren will, eine aktive Mitgestaltung ist jedoch ausgeschlossen. Bleibt hier nur zu Hoffen, dass das iPad den digitalen Graben, der sich durch unsere Gesellschaft zieht, nicht weiter aufreißt.
 
Das Internet kann sich Glücklich schätzen, nicht schon in den Neunzigern mit App-Stores konfrontiert worden zu sein. Denn keiner weiß, ob etablierte Produkte wie Facebook, Google, Youtube oder Firefox an Apples Pfortenwächter vorbei gekommen wären. Das Internet währe wohl kaum, was es heute ist, wenn sich neue Idee nicht ohne vorheriger Kontrolle auf unabhängigen Plattformen manifestieren dürften. Der Gedanke der unreglementierten Entwicklung von Ideen ist ein Grundpfeiler der Kreativität im Internet an dem keiner sägen sollte.
 
Bildquelle: flickr.com, StephenMitchell

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pump schrieb am 08.02.2010 um 11:31:10 Uhr:

Wer sich kastrieren lässt ist selber schuld :)