Robert Iwanetz Autor: Robert Iwanetz
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INTERNETsurfer | 08.02.2010 |
Hier geht's um:
Free Art & Technology F.A.T. Google Street View Ilse Aigner Google Youporn
Meinung

"Fuck Google!"

Free Art & Technology (F.A.T.):
Kritik an Google Street View

Die Gruppe "Free Art & Technology" geht gegen Google vor - und hat dazu ein Street View-Auto verwanzt.

Die viel zitierte Firmenphilosophie von Google lautet schlicht: „Don’t be evil“ – sei nicht böse. Seit rund sechs Jahren steht dieser Slogan für den kalifornischen Suchmaschinengiganten. In dieser Zeit hat sich viel verändert: Zwar nicht am Marktanteil von Google, dafür aber umso mehr an der öffentlichen Wahrnehmung des Weltkonzerns.

Insbesondere in unseren teutonischen Breiten gilt Google schon länger nicht mehr als handzahm – speziell durch den Dienst „Street View“, der es Benutzern ermöglicht 360°-Panoramabilder aus beliebigen Straßenzügen anzuschauen. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner nannte die Technologie „eine millionenfache Verletzung der Privatsphäre“ und obendrein ein Hilfsmittel für Kriminelle, die damit mögliche Einbruchobjekte auskundschaften können.

„Fuck Google!“

Doch nicht nur von ministerialer Seite regt sich Widerstand, auch der Pöbel zeigt seinen Unmut über Google. So nutzte die Künstlergruppe „Free Art & Technology“ (F.A.T.) den Umstand, dass derzeit ein Street View-Auto durch Berlin tuckert, um an dem schwarzen VW-Golf mit Google-Logo einen GPS-Sender anzubringen. Dessen Route wird nun ins Internet übertragen, wodurch F.A.T.-Aktivisten der fahrenden Kamera auflauerten, um mit heruntergelassener Hose und „Fuck Google“-Rufen (siehe Video) ihr Missbehagen über die Praktiken des Konzerns zu äußern.

Stellt sich die Frage gegen was da eigentlich protestiert wird. Gegen die Verletzung der Privatsphäre? Um dann mit nacktem Hintern durch Berlin zu laufen. Oder gegen die Monopol-Stellung von Google? Obwohl man auf der eigenen Website Google Maps benutzt und weiterhin bereitwillig die Google-Bots hereinlässt, um in den Suchergebnissen aufzutauchen.

Der heilige Gral der Privatsphäre

Die Aktion wirkt substanzlos und wie ein Anbiedern an aktuelle Meinungsmacherei. Dabei hatte Google letztes Jahr die Einhaltung der Forderungen deutscher Datenschützer garantiert – inklusive unkenntlich gemachte Gesichter von Passanten und Widerspruchsrecht für die Löschung von Häuseransichten – und damit den Start von Street View in Deutschland überhaupt erst ermöglicht.

Es scheint als würde die Phantomdebatte um den stilisierten Begriff der „Privatsphäre“ – die man zu schützen hat, obwohl man eigentlich gar nicht will – ungeahnte Maße annehmen. Dabei braucht es gar nicht Google um sich seiner Privatsphäre zu berauben, dies erledigt allein der Hang zur Selbstdarstellung auf Plattformen wie Facebook, YouTube oder gar YouPorn. Soweit nicht anders eingestellt, allesamt öffentlich zugänglich – wie übrigens Straßenzüge auch.

Bildquelle: Stuart Brown

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