Kultur

19.02.2010
Robert Iwanetz Autor: Robert Iwanetz
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Ökologisch unkorrekt!
Platte der Woche

Ökologisch unkorrekt!

Samavayo - One Million Things
Kritik

Die ZEITjUNG Platte der Woche: Das neue Album der Berliner Samavayo - One Million Things.

Auch wenn es gedauert hat: Der Umweltschutz, als ehemals leidlich beachtete Randgruppen-Thematik, hat die Mitte der deutschen Gesellschaft erreicht. Selbst Parteien, die früher glatt als vergrößerte Interessenverbände für Atomenergie und Gentechnik durchgegangen wären, faseln von der Bedeutung der Nachhaltigkeit und des ökologischen Bewusstseins. Kann man in diesen Zeiten ernsthaft für ein Plattencover im Rennoverall posieren? Seine Musik Fuel, also Benzin nennen und von dessen belebender Wirkung singen?

Die Berliner Band Samavayo kann. Und gleitet trotz akuter Motorsport-Affinität nicht, wie leicht anzunehmen wäre, in peinlichen Poser-Metal oder x-beliebigen Stoner Rock ab. Wobei letzteres nicht ganz der Wahrheit entspricht, denn auf Stoner-Anleihen stößt man auf ihrer der neuen Platte „One Million Things“ schon hin und wieder. Kein Wunder: Schließlich frönten Samavayo noch vor einigen Jahren auf ihrem Debütalbum „Death.March.Melodies“  lupenreinem Wüstenrock der amerikanischen Machart.

Jetzt spielen sie laut eigener Aussage eine Mischung aus Rock, Disco, Heavy Dub, Electro und Pop. Samavayo nennen das Fuel, man könnte aber auch einfach von Alternative Rock sprechen. Denn der kraftvolle Opener „Go“ oder die Vorab-Single „Wait“ sind nichts anderes, als clever arrangierte Rocksongs mit so viel Pop-Appeal, dass sie den Gehörgang so schnell nicht mehr verlassen. Das liegt an der Eingängigkeit der Melodien, vor allem aber an der einprägsamen Stimme des Sängers Behrang Alavi. Dieser singt mit leichtem Akzent, der seine iranischen Wurzeln offenbart.

Die haben Samavayo in dem orientalisch angehauchten Stück „Teheran Girl“ verarbeitet. Obwohl der Song lange vor den Ereignissen im Sommer 2009 entstand, heißt es dort zu Zitherklängen: „My Teheran Girl tell me / when will we be ever free / My Teheran Girl tell me / will they let you and me breathe. Diesen Freiheitsdrang spürt man auch in anderen Songs, wie im testosterongeladenen „Rollin‘“, das zu den härteren Stücken der Platte gehört. Doch selbst in seinen aggressivsten Momenten merkt man „One Million Things“ an, dass es ein nachdenkliches Album geworden ist.

Denn obwohl das Auftreten der Band klischeehaft wirkt, die Musik ist es nicht. Ob wegen des lässigen Grooves im Titeltrack oder dem epischen Refrain in „Control“ – man möchte keinen Song missen. Zwar erfinden Samavayo das Rad nicht neu, aber sie schaffen es, die Aufmerksamkeit des Zuhörers über die gesamte Spieldauer aufrechtzuerhalten. Deswegen ist es auch egal, ob die Band mit „One Million Things“ möglicherweise Pferdestärken oder Höchstgeschwindigkeiten assoziiert – Nachhaltigkeit ist, zumindest musikalisch, in jedem Fall garantiert. (8/10)

Samavayo – One Million Things
VÖ: 19.02.2010
Sector B. Records

Bildquelle: Backstage

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