Kultur

24.02.2010
Simon Emmerlich Autor: Simon Emmerlich
semmerlich(at)yahoo.de
Der böse Cop oder doch
Der böse Cop oder doch  Der böse Cop oder doch
Kino

Der böse Cop oder
"McSchnarchnase"?

Bad Lieutenant ist Werner
Herzogs Ausflug nach Hollywood

Ab 25. Februar ist Nicolas Cage der neue "Bad Lieutenant".

New Orleans während des Hurrikans Katrina. Der Sergeant Terrence McDonagh (Nicolas Cage) rettet einen Gefangenen vor dem Ertrinken. Diese Heldentat bringt ihm eine Beförderung ein, doch der Rettungssprung bricht ihm physisch wie metaphorisch das Rückgrat. Anfangs versucht er die Schmerzen noch mit Medikamenten zu bekämpfen, doch schnell wird daraus eine ausgewachsene Drogensucht.

 

Die 45er Magnum lässig im Hosenbund, missbraucht er seine Polizeimarke, um auf seine Kosten zu kommen. Da wird schon mal ein Yuppie-Pärchen auf dem Clubparkplatz gefilzt und eine Pfeife Crack durchgezogen (mitsamt Quickie auf der Motorhaube)

 

Trost findet der labile Charakter bei der Edelhure Frankie (Eva Mendez). McDonagh wird mit dem brutalen Mord an einer afrikanischen Einwanderfamilie betraut, dessen Drahtzieher  der Gangsterboss „Big Fate“ (Xzibit) zu sein scheint.

 

Die Handlung nimmt dabei jede sich bietende Abzweigung, ohne große Erklärungen für die Entwicklung des immer tiefer fallenden Polizisten zu liefern. Wie es dann kommen muss, wenn einer seinen Drogenkonsum nicht unter Kontrolle hat, stolpert er von einem Missgeschick ins nächste und steckt schon bald bis zum Hals in der Klemme.

 

Im Jahr 1992 war Harvey Keitel schon einmal ein Bad Lieutenant. Regisseur Abel Ferrara schickte ihn durch einen New Yorker Alptraum  aus Korruption, Drogen und Vergewaltigung. Werner Herzogs Film hat aber nur wenig mehr als den Titel mit diesem Original gemeinsam.

 

Wo sich bei Abel Ferrara tiefe Abgründe auftun, bleibt Herzog mit seinem Film dicht unter der Oberfläche. Das liegt auch am Drehbuch von William H. Finkelstein, der bisher nur für Cop-Serien wie "NYPD Blue" verantwortlich war. Herzog dachte beim Lesen des Skripts, "Bad Lieutenant" sei eine Komödie. Lacher gibt es genügend im Film, manche gewollt, manche eher unfreiwillig.

 

Was das Kino-Erlebnis auf jeden Fall schmälert, ist die deutsche Synchronisation. Dabei geht sehr viel von Nicolas Cages Performance verloren, den man lange nicht mehr so glaubhaft in einer Rolle gesehen hat. Mit zugekniffenem Auge und verspannter Schulter kauft man ihm seinen Rücken- und Seelenschmerz ab.

 

Wenn aber der Cop McDonagh in einer kreativ gemeinten Übersetzung zur zugedröhnten „McSchnarchnase“ wird, erinnert das eher an einen Film von Bud Spencer und Terrence Hill und sorgt für besagte unfreiwillige Komik (Nichts gegen die Synchro von Bud Spencer Filmen, die ist nämlich großartig).

 

Spaß kann der Film aber sowieso nur machen, wenn man ihn nicht ernst nimmt (denn das tut der Film selbst zu keiner Zeit), sondern wenn man ihn zunächst als das nimmt, was er ist: Ein Zwischenspiel eines meisterhaften Regisseurs Werner Herzog - ein Meisterwerk ist "Bad Lieutenant" nicht.

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