Aus für Tankenbier im
Schwabenland
Nächtlicher Alkoholverkauf an
Tankstellen verboten
Am Montag hat die Landesregierung Baden Württembergs beschlossen, nachts den Verkauf von Alkohol an Tankstellen zu verbieten.
Schnell machte die Schreckensnachricht die Runde bei den Brauereien: Ab 2010 soll zwischen 22 und 5 Uhr kein Alkohol mehr an Baden Württembergs Tankstellen verkauft werden. Die Rechnung scheint einfach: Können Teenager sich Lambrusco, Bier und Konsorten nicht mehr an der Tanke um die Ecke besorgen, bleiben auch die Alkoholexzesse aus. Tatsächlich ist jugendlicher Alkoholismus ein großes Problem, im letzten Jahr wurden in ganz Deutschland mehr als 23 000 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Deshalb hatte man zuvor versucht, die Partykultur in und um die Tanke einzudämmen. Mit Flutlicht und Lärm an der Zapfsäule wollte man es den jugendlichen Trinkern möglichst ungemütlich machen, außerdem erklärten sich Tankstellenbesitzer dazu bereit, verstärkt das Alter der jungen Konsumenten zu kontrollieren. Genutzt hat das wenig, deshalb versucht man dem Problem jetzt mit einem Verbot beizukommen. Die Brauereien sind derweil auf Krawall gebürstet, sie befürchten durch das Verbot hohe finanzielle Einbußen, sprechen sogar von prohibitionsähnlichen Zuständen. Andere Bundesländer überlegen sich bereits dem Gesetz zu folgen.
Die Einwände seitens der Getränkeproduzenten und Tankstelleninhaber sind nachzuvollziehen. Zum einen verkaufen sie ihre Drinks nicht nur an Jugendliche – auch Erwachsene zählen zur Kundschaft. Außerdem kann mit einem Verbot auch nicht die Wurzel des Problems beseitigt werden, das ganz klar nicht damit verbunden ist, wann und wie ein Jugendlicher sich Alkohol beschaffen kann. An dieser Stelle fehlt es an Konsequenz: Im Zweifel besorgen sich die Minderjährigen ihren Alkohol eben schon am Nachmittag im Supermarkt um die Ecke.
Trotz aller Einwände ist es gut, ein Zeichen gegen den Alkoholkonsum Jugendlicher zu setzen. Jeder kennt die betrunkenen Meuten, die sich pöbelnderweise an Tankstellen, Bushaltestellen oder anderen öffentlichen Plätzen zusammenrotten, und man fragt sich, wo diese Kinder in einigen Jahren enden werden. Um diese Frage positiv zu beantworten, braucht es aber nicht nur Verbote, sondern Prävention in Form von Aufklärung und wirklich ansprechenden alternativen Freizeitangeboten. Ein offener Umgang mit Alkohol als ernst zu nehmende Droge ist weitaus wichtiger als bloße Verbote. Sonst sitzen wir Erwachsene bald mit einer braunen Papiertüte um unseren Maßkrug hinter verschlossenen Fenstern, und Deutschlands Jugend säuft weiter – dann vielleicht hinter der Tankstellenmauer statt davor, und mit dem Sixpack aus Papas geheimen Biervorrat.
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