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Autor: thefell
fg(at)zeitjung.de
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| NACHRICHTENsprecher | 14.07.2009 |
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Obama der Prophet
US-Präsident erklärt Merkel zur Wahlsiegerin
YES SHE CAN! Barack ist Angela-Fan und Steinmeier ist sauer.
Was ist bloß mit Barack los? Da munkelte man noch die letzten Monate, dass es zwischen ihm und unserer Angela niemals so werden würdewie zwischen seinem Vorgänger Bush und der Bundeskanzlerin – und jetzt ist Obama plötzlich zum Merkel-Fan geworden? Der Grund zur Annahme: Der US-Präsident hat Kanzlerin Merkel bei ihrem Washington-Besuch spontan zur Wahlsiegerin erklärt.
Es passierte zwischen Tür und Angel: Als Obama und Merkel gemütlich durch die Gänge des Weißen Haus schlenderten, ihre Sprecher Robert Gibbs und Ulrich Wilhelm im Schlepptau, konnte eine Kamera glücklicherweise einen kurzen Gesprächsfetzen auffangen. Gerade als die beiden Politikerkollegen an der Kamera vorbeigingen, sagte die Kanzlerin zum US-Präsidenten: "Wir müssen unsere Wahlkampagne vorbereiten“, worauf Obama mit einem breiten Grinsen mit einer wegwerfenden Handbewegung antwortete: "Ach, Sie haben schon gewonnen. Ich weiß nicht, worüber Sie sich immer Sorgen machen." Dieser Satz des Präsidenten sorgt nun für Aufruhr. Es ist nicht die feine englische (vielleicht amerikanische) Art, dass sich verbündete Regierungen mit gegenseitigen Wahlprognosen ins Vorteil rücken. „Dieses Verhalten ist nicht sonderlich diplomatisch“, äußert sich ein Professor für Politikwissenschaften.
Entsprechend sauer ist natürlich das Team von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Zunächst versuchten Steinmeier und sein Presseteam noch klarzustellen, dass man bei der Aufnahme des kurzen Dialoges zwischen der Kanzlerin und Obama gar nicht genau wisse, worüber die beiden sprechen. Nach mehrmaligem Vorspielen der „Szene“ reagierte Steinmeier dann aber doch scharf und sogar ein wenig verletzt. Ein Sprecher des Außenministers erklärt: "Steinmeier schätzt Obama sehr, aber auch ein amerikanischer Präsident ist kein Prophet. Wer Bundeskanzler wird, entscheiden immer noch die deutschen Wähler."
Die Washington-Reise des SPD-Kanzlerkandidaten ist nun auch endgültig auf Eis gelegt. Ursprünglich sollte Steinmeier im Juli nach Washington reisen, doch den Termin lies das Weiße Haus platzen. Nach der Äußerung Obamas hat nun auch das Team des Außenministers weitere Bemühungen für die Planung eines Besuchs im Weißen Haus eingestellt. "Zum Beweis seiner außenpolitischen Kompetenz hat Frank-Walter Steinmeier eine Visite in Washington nicht mehr nötig“, heißt es aus den Kreisen des Außenministeriums. Für die SPD wird es unterdessen immer schwerer die Sympathien für einen Wahlsieg einzuholen – diese hat Merkel nämlich bereits, zumindest vom US-Präsidenten.
Bildquelle: www.wikimedia.com, theprest
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