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Indien: Homosexualität jetzt legal.
Verbot gleichgeschlechtlicher Liebe abgeschafft.
Neu Delhi hat das über hundert Jahre alte Verbot von Homosexualität abgeschafft.
Aufatmen für Schwule und Lesben in einem der bevölkerungsreichsten Länder dieser Welt: Das Verbot verstoße gegen das Gesetz der Gleichheit, so die Begründung für die Abschaffung des Paragraphen. Der Artikel über Homosexualität, in dem verankert war, dass diese mit zehn Jahren Gefängnis bestraft werden konnte, sei deshalb nicht verfassungskonform.
Seit vielen Jahren hatten Schwule und Lesben gegen dieses Gesetz gekämpft, zu Recht deuteten sie das Gesetz als Verletzung ihrer Grundrechte. In der Praxis wurde der berüchtigte Paragraph zwar selten angewandt, dennoch ist diese Grundsatzentscheidung für indische Homosexuelle ein Grund zum Feiern und gleichzeitig ein Meilenstein in der Geschichte der indischen Unabhängigkeit.
Das Interessante an diesem Gesetz war nämlich, dass es erst die britischen Kolonialherren 1861 einführten. Zuvor gab es in Indien keinerlei Gesetz, das Homosexualität verbot. So hatte Indien 150 Jahre lang, auch nach der Unabhängigkeit diese britische Altlast mit sich herumgeschleppt. In der postkolonialen Theorie sind „Rasse“ und „Sexualität“ ähnlichen Unterdrückungsmechanismen unterworfen. Beides war bisher im Homosexuellengesetz von Indien vereint. Der Kern dabei ist, Macht über jemanden auszuüben, dem aufgrund seiner Andersartigkeit, gleichzeitig der Stempel „minderwertig“ aufgedrückt wurde. Die Crux dabei ist, dass, nachdem die Inder also jahrelang gegen die britische Unterdrückung kämpften, sie sich selbst zu Unterdrückern aufschwangen. Und zwar indem sie das britische Homosexuellengesetz übernahmen. Mit der Abschaffung des Verbots kann Indien sich jetzt endlich wirklich unabhängig nennen.
Trotzdem bleibt Indien ein Land voller Gegensätze in Kultur und Religion, konservative Muslime und Hindus kritisieren die Abschaffung des Verbots deshalb vehement.
Rund 2,5 Millionen der insgesamt 1,1 Milliarden Inder ist laut Medieneinschätzung homosexuell. Die Feierlaune bleibt trotzdem getrübt, denn laut der Nachrichtenagentur AP gilt das Gesetz erst nur in der Hauptstadt. Die UNO und andere Menschenrechtsorganisationen begrüßen die Neuerung und werten sie als Wiederherstellung der Würde und Menschenrechte.
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