Politik

04.08.2009
cicero Autor: cicero
ciceroorecic(at)hotmail.de
Bücher für den Kommunismus

Bücher für den
Kommunismus

“Revolutionärer Leseplan” soll
Menschen den Sozialismus lehren

Chavez monopolisiert gewieft die Medien in seinem Land. Presse, TV und Hörfunk hat er schon unter Kontrolle - , jetzt sind die Bücher dran.

Bei einem internationalen Treffen hatte Hugo Chavez alle Beteiligten in Erstaunen versetzt, als er Präsident Obama ein Buch schenkte. Das Buch des linksgerichteten lateinamerikanischen Intellektuellen Eduardo Galeano (Die offenen Adern Lateinamerikas) sollte Obama für den Sozialismus erwärmen. Kurz nach dieser Aktion stürmte Galeanos Buch die Bestsellerlisten in den USA.

 
Doch Chavez begnügt sich nicht damit, die Bibel der lateinamerikanischen Linken wieder aktuell gemacht zu haben. Im April verkündete der rote Hugo seinen “Revolutionären Leseplan” für Venezuela, der jetzt immer mehr an Fahrt gewinnt.
 
“Lesen, lesen, lesen, lesen. Das soll unser Motto für jeden Tag sein”, so der rote Präsident. Chavez “Revolutionärer Leseplan” ist ein von ihm und seiner sozialistischen Partei handverlesener Bücherkanon. Was Chavez mit “lesen” meint, ist linksgerichtete Bücher lesen, die seine sozialistische Diktatur rechtfertigen und legitimieren sollen. Zwar sind im linken Bücherkanon Klassiker wie Don Quijote von Cervantes und Les Misérables von Victor Hugo vertreten. Doch die Liste beinhaltet nur Werke die der “revolutionären” Ideologie von Chavez genehm sind. Enthalten in der Liste sind, unter anderem, Das Kommunistische Manifest von Marx (wen wundert’s), ausgewählte Reden von Hugo Chavez (was für eine Überraschung) und Bücher die die marxistischen Terroristen im benachbarten Kolumbien verherrlichen (welche wesentliche Teile der weltweiten Drogenproduktion kontrollieren und ungezählte Menschenleben auf dem Gewissen haben).
 
“Ist doch nicht so schlimm, wenn die Regierung in einem armen Land das Lesen fördern will, auch wenn sie dabei bestimmte Titel stärker fördert als andere” mögen manche vielleicht denken. Doch der “Revolutionäre Leseplan” ist keine harmlose Bildungsoffensive, sondern Teil einer massiven Propaganda und staatlich zwangsverordneter Kulturrevolution. Das Regime treibt die Indoktrination des Volkes (“Volksaufklärung zur Verbreitung sozialistischer und humanitärer Werte”, wie es offiziell heisst) mit aller Kraft voran. Im Land werden tausende “Leseschwadronen” ausgesandt, welche systematisch die staatlich verordneten Bücher verbreiten sollen. Jede “Schwadron” ist in Teams aufgeteilt, die eine bestimmte Bücherkategorie promoten sollen. Beispielsweise kümmern sich rote Teams um Autobiographien, während schwarze Teams Bücher über “militanten Widerstand” ans Volk bringen.
 
Doch es ist nicht etwa so, dass die Regierung zwar “ihre Sicht der Dinge “ ans Volk bringen will, regierungskritische Literatur aber trotzdem zulässt. Ein Kritiker bezeichnet die Bücher in Venezuela als die teuersten der Welt. Die Regierung hat in der Wirtschaftsplanung des Landes Bücher in der Kategorie “nicht prioritärer Sektor” eingestuft, was bedeutet, dass die Herstellung und der Import von Büchern für private Verlage extrem teuer geworden ist. Nur regierungseigene Staatsverlage sind in der Lage billig Bücher zu produzieren.
 
Chavez hat ausserdem für die Schliessung von hunderten von (nicht regimetreuen) Radiosendern gesorgt, ein Gesetz durchgebracht das Journalisten für die Verbreitung “schädlicher” Informationen bestraft und die Wahlgesetzgebung so geändert, dass es seine Sozialisten stärkt. Diese “Reformen” verkaufte das Regime als Maßnahmen zur Demokratisierung. Der Linkspopulist hat immer eine “gute” Rechtfertigung für seine Politik parat. Seine Gegner sind immer, ganz einfach, Lakaien des internationalen Kapitalismus und “des Teufels” USA.
 
Der Leiter des Propagandafeldzuges, Carlos Duque, gibt an, dass das Projekt von Fidel Castros “Bildungsoffensive” aus den 60’ern inspiriert sei. Das glauben wir ihm aufs Wort. Das Motto der kubanischen Kommunisten damals lautete ‘Wir schreiben den Menschen nicht vor was sie glauben sollen, wir sagen nur, dass sie lesen sollen’. Doch natürlich sagte Fidel den Menschen auch was sie lesen sollten und was ihm nicht passte wurde auch nicht im Lande verbreitet.
 
Kritiker des Massengehirnwäscheprojektes werden als demokratie- und volksfeindlich hingestellt. “Sie behandeln das venezuelanische Volk so als wären sie schlichte Gemüter, als ob sie nicht mündig genug wären selber zu entscheiden was sie lesen und denken”, so Duque. An demokratischen Argumenten für demokratiefeindliches Handeln hat es tyrannischen Regimen noch nie gemangelt.
 

Für das Buch, das Chavez Obama geschenkt hat und das er danach weiter fleissig drucken und verteilen ließ, hat Chavez übrigens keine Drucklizenz. Doch als guter Sozialist hält Chavez natürlich nicht viel von Eigentumsrechten ...

 

 

Bild: arteyfotografia;  http://www.arteyfotografia.com.ar/5074/fotos/167836/  ;   von antonio santos
 

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