Das Wort
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München zensiert jüdischen Israelkritiker
Ilan Pappe wurde das Recht auf freie Meinung nicht gewährt.
In einem Brief an Christian Ude zeigt sich Israelkritiker besorgt um deutsche Meinungsfreiheit.
Ende Oktober sollte im Rahmen des palästinensisch-israelischen Dialogs eine dreitägige Veranstaltung mit Herrn Professor Ilan Pappe im Pädagogischen Institut des Schul- und Kultusreferats der Landeshauptstadt München stattfinden. Pappe ist ein renommierter Wissenschaftler auf seinem Gebiet und momentan im Zentrum für ethnisch-politische Studien an der Universität Exeter (UK) tätig. Im Zuge der Veranstaltung sollte die Politik des Staates Israel kritisch beleuchtet und Raum für Diskussionen geschaffen werden. Pappe war als Hauptredner zu dieser Veranstaltung geladen.
Zensur einer jüdischen Meinung
Organisiert wurde das Ganze vom Arbeitskreis „Palästina/Israel Salam Shalom“, der sich zur Aufgabe gesetzt hat, den palästinensisch-israelischen Dialog in München zu fördern. Kurzfristig abgesagt wurde die Veranstaltung dann aber von der Stadt München selbst. Die längere Zeit zuvor angemieteten Räume wurden dem Arbeitskreis kurzfristig entzogen und die Veranstaltung für Verboten erklärt. Als Auslöser für diese Maßnahme diente ein Brief der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG an die Mitglieder des Münchner Stadtrates und den Oberbürgermeister Christian Ude, in dem sich die Gesellschaft deutlich gegen eine Veranstaltung aussprach, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, Israel aus einem kritischeren Blickwinkel zu betrachten. Die Stadt München gab nach und die Veranstaltung war somit zu Ende, bevor sie jemals angefangen hatte.
Das Hauptaugenmerk liegt jedoch weniger auf der Veranstaltung an sich, sondern auf Ilan Pappe, der seinen Vortrag nicht halten durfte. Denn obwohl Pappe zweifellos Israelkritiker ist, so stellt eine kleine aber nicht unwesentliche Tatsache die ganzen Geschehnisse auf den Kopf. Denn Ilan Pappe ist selbst jüdischer Herkunft. Sein Vater lebte kurz vor dem zweiten Weltkrieg sogar in Deutschland und erfuhr am eigenen Leib, wie den jüdischen Deutschen anfangs nur die Meinungsfreiheit entzogen wurde.
Die Bereitschaft zur Unterwerfung
Als Antwort auf die Entscheidung der Stadt München schrieb Pappe wenige Tage nach dem Veranstaltungsverbot einen Brief an Oberbürgermeister Ude, der uns seit kurzem als email vorliegt. Unter anderem steht darin: „Ich bin schockiert und fühle mich persönlich beleidigt (…) Mein Vater wurde als deutscher Jude in den frühen dreißiger Jahren auf eine ähnliche Art und Weise die freie Meinung entzogen und es macht mich traurig ein Augenzeuge bei der Widerkehr einer solchen Zensur im Jahr 2009 zu sein- (...)“. Desweiteren zeigt sich Pappe besorgt um den Zustand der Meinungsfreiheit in Deutschland. So werde ihm die freie Meinung in jedem anderen Land Europas mit einem hohen Grad an Selbstverständlichkeit gewährt, nur in Deutschland nicht. „Nirgendwo sonst in Europa, nirgendwo auf der ganzen Welt, habe ich eine derart repressive Haltung und eine solche Bereitschaft zur Unterwerfung angesichts der Einschüchterung durch einige wenige Leute erlebt, die sich anmaßen, Repräsentanten der jüdischen Erfahrung und Katastrophe zu sein.“ holt Pappe weiter aus, bis er in den letzten Zeilen in gemäßigterem Ton eine Wiedergutmachung fordert, indem man ihn erneut in die Stadt München einladen solle und sich Christian Ude und der Stadtrat ihre Fehler eingestehen würden.
Mit „Hochachtungsvoll, Ihr Professor Pappe“ schließt das Schreiben ab. Nur bleibt hier fast offen, ob die Verabschiedung nun aus Gründen des guten Tons oder fast schon ironisch gemeint ist. Denn unter dem braunen „Veranstaltung Verboten“ - Schild, an der Tür des einst gemieteten Raumes, stand mit Sicherheit „Die Stadt München“, aber ein „Hochachtungsvoll“ hatte sich der Stadtrat bestimmt gespart.
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