Menschen27.11.2009 |
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Der Führer-BenzHitlers Mercedes geht an RussenEin russischer Milliardär will für den Mercedes Adolf Hitlers einen Millionenbetrag zahlen.Reliquien waren schon immer eine seltsame Angelegenheit: Als materielle Überreste menschlicher Ikonen aus Kirche und Showgeschäft dienen die kleinen Knöchelchen, Haarbüschel und Gitarrensaiten treuen Verehrern als Objekt der Verehrung. Wenn es sich dabei um die sterblichen Überreste von Heiligen, Popstars oder anderer Personen handelt, die sich um die Wohlfahrt der Allgemeinheit verdient gemacht haben, ist es immer noch befremdlich, ein lebloses Objekt zu verehren. Handelt es sich dabei aber um die Hinterlassenschaft von Menschen, die sich zu Lebzeiten nicht durch Heldentaten, sondern durch ungeheuerliche Grausamkeiten und Wahnsinn hervorgetan haben, gerät man, statt interesselos mit den Achseln zu zucken, in Ekel und Abscheu.
Ein solches düsteres Deppengespann im Umfeld der Reliquienfreunde sind ein Düsseldorfer Oldtimehändler und einer seiner Kunden, ein russischer Milliardär. Der Autoverkäufer, denn nichts anderes soll er hier sein, will im Auftrag des Russen den originalen Mercedes 770 K, Kennzeichen "1A 148 461" von Adolf Hitler aufgespürt haben. Sonst als Statistik der übrigen filmischen und fotografischen Überreste aus dem Dritten Reich eher eine zwar tragende, aber unbedeutende Rolle einnehmend, gerät das Automobil jetzt ins Fadenkreuz von Presse und Öffentlichkeit. Zugegeben, bereits angesichts der ohnehin verschwindend gering produzierten Stückzahl des Wagens ist er bereits ein Sammlerstück. Aber wer, bitte, möchte das Auto von Adolf Hitler in seiner Garage stehen haben?
Depp Nummer eins, der Autohändler Manfred Fröhlich, hat den Führerschlitten doch aufgespürt. Dessen Irrwege führten es nach dem Krieg über Österreich in die USA, wo es als Ausstellungsstück in Las Vegas landete. Von da aus gelangte es über Umwege in den Besitz eines Münchener Brauerei-Magnaten, nach dessen Tod in die Hände eines Bielefelders, wo es Fröhlich schließlich fand. Der Russe ist also der letzte Depp in der Deppenkette – oder wie könnte man sich anders diese lustige Sammlerpolonaise reicher Herrschaften von Kontinent zu Kontinent erklären?
Ist es Besitzgier, die Menschen dazu antreibt, einen Gebrauchsgegenstand aus dem Besitz eines Massenmördes in seinen Händen zu wissen? Eines Menschen, vor dem einst die Welt zitterte, heute Schulbücher dicht beschrieben seine Greueltaten aufzeichnen? Ist es ein Machtgefühl, den anderen die Geschichtsbücher zu lassen, aber selbst dem Monster so nah wie kein anderer kommen zu können? Oder ist es doch nur ein vierrädriges, blechernes Auto, das zufällig in geringer Stückzahl hergestellt wurde und deshalb eine finanziell lohnenswerte Investition darstellt?
Dabei ist noch nicht einmal sichergestellt, ob es sich um den Mercedes Hitler handelte. Den gibt es nämlich eigentlich gar nicht, denn Hitler besaß weder einen Führerschein, noch war er überhaupt dazu in der Lage, ein Auto zu fahren. Seine repräsentative Automobilflotte stellte ihm in jeder größeren Stadt ein Exemplar zur Verfügung, mit dem er sich stehenderweise von Auftritt zu Auftritt fahren ließ – zur Demonstration von Macht und Größe. Dies ist vielleicht auch bei den Sammlern der eigentliche Zweck hinter dem Wunsch, einen der Führerschlitten zu besitzen. Denn „echt“ ist eigentlich keiner von ihnen. Ein Depp, der für so etwas Millionen zahlt. Ein Depp der, der ihn sucht und damit an die Presse geht.
Bildquelle: www.flickr.com, aj82
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