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Antilopen Gang: „Diese Strophe passt perfekt zu den Pegida-Leuten!“

Wir haben die Antilopen Gang auf einen Pfeffi getroffen und sprachen über Homophobie im Hip Hop, ihre neueste Platte „Aversion“ und Ken Jebsen.

Dass die Antilopen Gang mehr kann als „Fick die Uni“, beweist die dreiköpfige Hip Hop Crew mit ihrem Album „Aversion“. Die Platte bietet einen guten Mix aus kritischen und witzigen Texten, mit denen die Band auch gerne mal aneckt. Wir haben mit ihnen Pfeffi getrunken und uns über Homophobie in der Szene und über die Klage des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen unterhalten.

 

Zeitjung: Was ist die Ursprungsidee hinter dem Song „Beate Zschäpe Hört U2“? 

Koljah: Ich erinnere mich, wie wir irgendwann in einer alkoholgeschwängerten Nacht am Tresen hingen und darüber geredet haben und gemeint haben wir müssen ein Lied über die NSU machen. Das war die Ursprungsidee. Dann ist diese Thematik immer weiter abgedriftet. Es wurde eher ein allgemeines Lied über verschiedene rassistische, völkische und antisemitische Entwicklungen, die man so in der deutschen Gesellschaft sehen kann. Und NSU ist nur noch geblieben als Klammer im Refrain in Form von Beate Zschäpe, die U2 hört. Es ist also dann doch kein eindeutiger Themensong über die NSU geworden, auch kein klassischer Anti-Nazi Song, sondern ein Song der verschiedenen Thematiken in drei verschiedenen Strophen bespricht.

Danger Dan: Wobei keine davon weniger aktuell ist als die andere. Als wir das Lied rausgebracht haben, gab es gerade diese HoGeSa-Demonstrationen. Und die erste Strophe passt eigentlich perfekt zu diesen Pegida-Leuten, die, nachdem sie sich konkretisieren mussten, auf einmal was von „Volksentscheid“ und „direkte Demokratie machen“ erzählten. Und zufällig kam das auch alles in dieser Strophe vor – also echt abgefahren. Auch die dritte Strophe orientiert sich stark an diesen Friedensdemos.

Bleiben wir gleich bei Ken Jebsen, der die Demos mitorganisiert hat. Ihr habt ja gegen ihn vor Gericht gewonnen. Was ist euer Fazit zu diesem Urteil?

Anmerkung der Redaktion: Der Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen hatte im November 2014 gegen den Song Beate Zschäpe Hört U2 einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt. Unter besonderer Berücksichtigung der Freiheit der Kunst, lehnte das Kölner Landesgericht den Antrag ab. 

Danger Dan:  Für uns ist es jetzt gut ausgegangen. Ich fühl mich bestätigt darin, dass wir Kontra und Gas geben gegen so einen Typen. Ich find es jetzt eher schade – an der Stelle möchte ich Jutta Ditfurth grüßen -, die hatte nämlich große Probleme im Verfahren gegen Jürgen Elsässer. Und bei der sieht es nicht so gut aus. Das hätte uns auch passieren können. Wer weiß, … wären die Dinge anders gelaufen, hätten wir jetzt vielleicht auch einen Haufen Schulden. In diesem Fall haben wir eben Glück gehabt.

Nun aber zurück zur Platte „Aversion“. Die habt ihr beim Label der Toten Hosen JKP released. Wie ist da der Kontakt entstanden?

Panik Panzer: Die waren die einzigen, die die Gang gepeilt haben. Jahrelange hat sich keiner für uns interessiert. Sie waren die ersten, die wir cool fanden und dachten, das ist geil, dass die auf uns zu kommen und mit uns zusammenarbeiten wollen. So ein bisschen der Anstoß dafür, dass der Kontakt zustande gekommen ist, war natürlich der Song von Koljah über die Toten Hosen, den er vor Jahren geschrieben hat. Dann hatten sie uns wohl auf dem Schirm und eins kam zum anderen.

Auch bei diesem Album habt ihr alles in Eigenregie produziert?

Danger Dan: Ja, wir haben alles selbst produziert. Wir haben uns ein paar Gedanken gemacht: Wie wollen wir eigentlich klingen? Vorher war das oft so, dass Panik Panzer produziert hat oder dass ich teile produziert habe.  Auf jeder Platte gab es ein anderen Sound. Bei „Dinkelbrot & Ölsardinen“ habe ich produziert und Panik Panzer hat sie fein geschliffen. Bei „Aschenbecher“ hab ich die Beats gemacht und das Produzententeam PitLab hat sie fein geschliffen. Wir waren uns am Ende nicht so richtig sicher, was nun unser Sound ist: Sample basierter Sound oder so Synthie-Geballer? Wir hatten beides und haben versucht, uns die Zeit zu nehmen und unseren Sound zu finden. Ich glaube, da haben wir nun mit der dritten Platte eine gute Richtung eingeschlagen.

Die Produktion ist auch wesentlich poppiger als zuvor. 

Panik Panzer: Ja, wobei das jetzt nicht so krass am Reißbrett konstruiert ist und wir jetzt nicht gesagt haben, dass muss so und so klingen, damit es radiotauglich ist. Das hat sich eher so ergeben.

Koljah: Ich glaub aber auch, dass wir jetzt irgendwie mehr im Mainstream angekommen sind. Aber es ist nie so, dass wir uns jetzt krass dem versperrt hätten, dass mehr Leute unsere Musik hören. Wir hatten überhaupt nicht die Möglichkeit und die Aufmerksamkeit. Und wenn jetzt Leute kommen und sagen, ihr verratet euch selbst, weil jetzt auf einmal unsere Songs da und da gespielt werden, dann verstehen die einfach nicht, dass das früher nicht der Fall war. Das ging wegen fehlender Strukturen und Möglichkeiten einfach nicht. Wir hatten schon immer ein Interesse, dass viele Leute unsere Musik hören, solange wir genau das machen, worauf wir Bock haben. Und das ist auf jeden Fall der Fall.

Spaß an der Musik ist das eine – aber wie sieht es finanziell aus? Macht ihr das inzwischen hauptberuflich?

Koljah: Ja wir versuchen das jetzt seit ein paar Monaten, dass keiner mehr etwas anderes macht. Bei mir war das auch bitter nötig. Ich hab nach meinem Studium zwei Jahre von Hartz IV gelebt und langsam hatte das Jobcenter angefangen, Druck zu machen. Da war das eine ganz glückliche Fügung, dass es nun geklappt hat. Sonst würde ich nun notgedrungen in irgendeinem Scheißjob hocken, worauf ich natürlich nicht so viel Bock hätte, wie Rap Musik zu machen.

Danger Dan: Die deutsche Hip Hop Szene findet ja nicht im luftleeren Raum statt, sondern einfach in einer Gesellschaft, die nach wie vor homophob und schwulenfeindlich ist. Ob jetzt bei Bass Sultan Hengzt oder bei uns so ein Foto gehated wird, ist egal. Beides ist nur ein Zeichen, dass Homosexualität nach wie vor keine Normalität ist. Wobei ich sagen muss, dass ich nicht glaube, dass Bass Sultan Hengzt ein Zeichen gegen Homophobie raushauen wollte. Für mich sieht das sehr danach aus, als mache er sich auch über Schwule lustig und sich gerade daran hochzieht.

Panik Panzer: Nichtsdestotrotz ist es egal, ob er es jetzt progressiv gemeint hat oder nicht. Dadurch hat er eine Diskussion angeregt. Gerade reden alle darüber und das ist nicht das Schlechteste.

Danger Dan: Wobei man sagen muss, dass die Diskussion durch diesen Shitstorm entstanden ist – und das ist einfach eine große Blamage. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das auf der FC Bayern Homepage besser ausfallen würde, als auf einer Hip Hop Seite.

Reden wir mal über die amerikanische Szene. Was hört ihr da gerade so?

Panik Panzer: Ich bin nicht so krass im Bild, aber ich schnapp‘ hier und da Dinger auf. Run The Jewels hab ich angehört, weils natürlich überall gefeiert wurde. Find‘ ich auch ganz cool, aber läuft bei mir jetzt nicht rauf und runter. Was eher so in den letzten Jahren hängen geblieben ist, war ASAP Ferg oder Kendrick Lamar. Ich bin da eher, was deutschsprachigen Rap angeht, so nerdmäßig unterwegs.

 

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Bildquelle: Privat

Kommentare

  1. Zum Artikel über die Antilopengang und über Ken Jebsen:
    Der deutsch-britische Philosoph Karl Popper machte den Begriff Verschwörungstheorie populär.In seinem Werk Die offene Gesellschaft und ihre Feinde spricht er 1945 von einer „Verschwörungstheorie der Gesellschaft“. Damit meint er Versuche, soziale Phänomene und historische Ereignisse durch den Nachweis zu erklären, „daß gewisse Menschen oder Gruppen an dem Eintreten dieses interessiert waren und daß sie konspiriert haben, um es herbeizuführen. Man könnte auch von guten Journalismus sprechen wenn man Verschwörungstheoretiker ist. Dr. Daniele Ganser wird auch als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Was hat er getan? Er untersucht den Einsturz von WTC7 in New York. Dafür wir als Verschwörungstheoretiker bezeichnet. Man sollte Begriffe also nur dann verwenden wenn man deren tatsächliche Bedeutung kennt und man sollte vor allem dem Mainstream nicht alles nachplappern. Das könnte dann auch guter Journalismus sein.
    Mit freundlichen Grüßen
    Johannes

    Johannes / Antworten

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