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Mit Chasing Clouds geht Sepalot auf Tour - wir verlosen Tickets

"Als Musiker bist du kein Schreiner"

20.09.2011

Sepalot über sein Solo-Album "Chasing Clouds", die Macht der Worte und Rückbesinnung.

Am 30. September 2011 erscheint das neue Solo-Album "Chasing Clouds" von Sepalot, dem DJ von Blumentopf. Im Interview mit ZEITjUNG spricht er darüber, warum zu viele Worte manchmal nervig sind und ein Künstler bei seinem Schaffen durchaus egoistisch sein sollte. 

 

Chasing Clouds  

 
ZEITjUNG: Wie geht´s Dir eine Woche vor der Albumveröffentlichung? 
 
Sepalot: Man ist gespannt. Es gibt viel Feedback, viele Interviewtermine. Aber der Termin der Albumveröffentlichung ist wahrscheinlich eher für das Publikum der wichtige Termin. Bei mir war es eher der Zeitpunkt, als der kreative Schaffensprozess beendet wurde, man die Sache so stehen lässt, wie sie ist und sich verabschiedet. 
 
Beschreib mal mit fünf Worten das neue Album? 
 
Oh, seine eigene Musik zu beschreiben, ist immer schwer. Und jetzt darf man nicht mal rumlabern: Egoistisch, irrational, Rückbesinnung, Weiterentwicklung, emotional! 
 
Was sagt uns das Album über deinen bisherigen musikalischen Werdegang? 
 
Bei Chasing Clouds habe ich versucht, mich zurückzubesinnen. Die Essenz herauszuarbeiten, also das für mich Bewegendste und Einflussreichste meines bisherigen Werdegangs heraus zu filtern. Das heißt, ich habe Platten und Samples, die mich schon vor ganz langer Zeit bewegt haben, wieder herausgekramt. Wie Mosaiksteine entstand dann Chasing Clouds aus Altem, schon Bekanntem, das in seiner Zusammensetzung dann aber etwas ganz Neues darstellt. Letztlich ist das ja die Kunst: Schon Bekanntes neu umzusetzen, neu zusammenzusetzen. Kein Mensch kann von sich behaupten, dass er, mit dem, was er macht, etwas komplett Neues, Revolutionäres geschaffen hat.  
 
Und warum irrational? 
 
Im Endeffekt sollte der Künstler sich bei seinem Schaffen ja loslösen von allen äußeren Einflüssen. Er sollte sich hinsetzen, sich nur auf sich und seine Ideen konzentrieren, fern von dem, was gerade angesagt ist, fern von dem, was andere machen. Du bist ja als Musiker kein Schreiner, der da einen Tisch für diese oder jene Person schreinert, die das genau so und so haben will. Du musst dich auf dich und deine Idee konzentrieren.

Ich glaube, nur dann kannst du am Ende was Gutes erreichen. Wenn du dich permanent auf äußere Einflüsse beziehst, kommst du durcheinander, findest nicht mehr so recht den Zugang zum Eigenen und am Ende ist das Entstandene charakterlos... Von daher ist Chasing Clouds irrational, losgelöst und auch egoistisch, ich-bezogen. 
 
Kann man das Äußere und das Innere denn so voneinander trennen? 
 
Nein, natürlich nicht, das meinte ich vorhin, dass Musik und überhaupt Kunst ja von Rückbesinnung leben: die äußere Welt und der eigenen Schaffensprozess kann man nicht strikt voneinander trennen, du bist immer von außen beeinflusst und inspiriert. Am Anfang solltest du völlig open-minded sein, alle Einflüsse und Inspirationen von allen Seiten zulassen und erfahren, aber wenn du dich dann an deine eigene Sache machst, sollten diese Inspirationen und Eindrücke nicht deinen eigenen Schaffensprozess blockieren, du solltest dich mit deinem Werk davon loslösen. 
 
Du willst Sepalots Chasing Clouds live erleben?
 
Sei dabei und gewinne Tickets für die anstehende Tour: 
23.09.11 Bochum - Untergrund
24.09.11 Stuttgart - Ton Studio
29.09.11 Mainz - Audiotreats Red Cat
01.10.11 Krefeld - Bosi Club
07.10.11 Bayreuth - Kolping Haus
08.10.11 Lüneburg - Salon Hansen
15.10.11 Erfurt - Centrum Club
20.10.11 München - Bob Beaman Club 
22.10.11 Augsburg - Schwarzer Scharf
31.10.11 Münster – grey
 
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Musik ohne Worte
  
Wie wichtig sind denn Liedtexte? 
 
Liedtexte sind natürlich im ersten Moment einschlägiger und auch leichter greifbar als reine Instrumentals. Du hörst einen Text, wie es ja im HipHop sehr oft der Fall ist, und du weißt sofort, was dir jemand sagen will, weil er’s dir ja direkt sagt. Worte und Lyrics sind eindeutiger und daher wahrscheinlich im ersten Moment leichter verständlich. 

Wie schwer ist es ohne Worte mitten ins Herz zu treffen? 
 
Vielleicht fordert ein Instrumental-Album mehr, es dauert etwas länger, bis der Hörer den Zugang dazu findet. Aber wenn er ihn dann hat, bleibt am Ende vielleicht mehr hängen als bei total textüberladenen Songs. 
Bei Chasing-Clouds und den Feature-Tracks, die darauf zu finden sind, hatte ich ganz klar schon die zwei Rapper im Sinn, die ich dafür haben wollte. Aber für mich war auch klar, dass ihr Part reduziert sein soll, er sollte den eigentlich Song nicht übertönen mit Sprache. Und das hat sehr gut funktioniert. 
 
Ist es eigentlich schwer, für die einzelnen Instrumental-Songs dann Titel zu finden? 
 
Ja, das ist immer etwas schwierig. Aber im Endeffekt ist es auch nicht so wichtig, wie du die Musik dann betitelst. Ich war mal an einem ziemlich schönen Ort in Australien, dann hatte ich eine Idee im Kopf und am Ende hieß der Song so wie der Ort, an dem ich eben damals war. 
 
Was erzählt uns Chasing Clouds für eine Geschichte mit wenig Worten? 
 
Ich glaube, das Album erzählt jedem Menschen eine andere Geschichte. Bei jedem Menschen, der es hört, löst die Musik etwas anderes aus. Von daher steht das offen, man kann das nicht so festmachen. Meine Aufgabe ist, Songs schlüssig auf einem Album zusammenzusetzen, die richtige Reihenfolge zu bestimmen, eine passende Komposition zu finden. 
 

Futurismus und Rückbesinnung
 
Irgendwie ist ja alles im Moment retro. Wolltest du mit schwimmen? 
 
Nein, das wollte ich eigentlich nicht mit dem Album. 
 
Apropos Rückbesinnung: Wie siehts aus mit dem Topf? 
 
Im November geht´s an das neue Album, wir haben viele Ideen, mal sehen, was sich am Ende ergibt. 
 
Apropos Weiterentwicklung: Was können wir von dir in Zukunft erwarten? 
 
Ich arbeite viel mit anderen Künstlern zusammen. Meine Musik wird für ein paar Filme verwendet, da ist auch immer viel zu tun. Dann, wie gesagt, geht´s jetzt nach der Tour erstmal an das neue Blumentopf-Album, und danach gibt´s bestimmt wieder ein Sepalot-Solo-Album. 
 
 
Fotocredit: Brecheis