Spencer Tunick veranstaltete in München eine Nackinstallation. ZEITjUNG war dabei.
Nackte Nacht
25.06.2012
1.700 Nackte in München. Eine von ihnen war unsere Autorin.
Zugegeben, als mir mein Mitbewohner erzählte, dass er sich im Rahmen einer Kunstaktion mitten in der Münchner Innenstadt mit ganz vielen anderen Menschen ausziehen würde und mich fragte, ob ich mitmachen würde, wollte ich zunächst nicht. Nackt in der Öffentlichkeit? Ich bin nicht prüde. Ich gehe mit männlichen Freunden in die Sauna und ich sonne mich auch schon mal oben ohne. Aber nackt sein in einer urbanen Umgebung, wo Nacktheit normalerweise nicht hingehört, kam mir doch komisch vor.
Trotzdem die Vorstellung hatte was und ich begann zu recherchieren. Ich fand heraus, dass der amerikanische und in Künstlerkreisen berühmte Aktionskünstler Spencer Tunick im Rahmen der Opernfestspiele von Staatsopernintendant Nikolaus Bachler beauftragt wurde, eine Kunstinstallation zum Ring des Nibelungen zu entwerfen, welcher gerade in der Staatsoper zusehen ist. Weiter las ich, dass die Teilnehmer für die Installation fotografiert werden würden, und zwar nicht nur nackt sondern auch farbig angemalt. Das mit der Farbe hat dann wohl irgendwie den Ausschlag gegeben und ich wollte auch mitmachen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit nackt und angemalt in München über die Straße zu laufen und nicht verhaftet zu werden.
Kunst sein ist anstrengend
Gesagt getan. Ich drucke mir das benötigte Formular aus, auf dem ich versichere, über achtzehn zu sein und dass ich jegliche widerrechtliche Tötung nicht der Staatsoper ankreiden werde. Okay, das hört sich schon mal ziemlich gruselig an und ich beginne mich zu fragen, was wir während der Aktion eigentlich alles machen sollen. Um drei Uhr nachts machen mein Mitbewohner und ich uns auf den Weg, denn die Installation muss aufgrund logistischer Schwierigkeiten, wie dem Absperren von Plätzen, nachts stattfinden. Ich habe versucht, am Nachmittag auf Vorrat zu schlafen, was natürlich nicht geklappt hat und dementsprechend müde und grantig fühle ich mich. Vom vielen Kaffee habe ich Magenschmerzen und mich beschleicht das Gefühl, dass Kunst sein vielleicht doch nicht so ein Spaß ist.
Angekommen bin ich allerdings einigermaßen fit und die in der Luft liegende Spannung steckt mich an. Wir bekommen Pöttchen mit Farbe ausgeteilt, es gibt Rote oder Goldene, und da wir spät dran sind, gibt es nur noch rot. Menno! Gold ist viel schöner. Wir schaffen es irgendwie noch zu tauschen und gehen glücklich ins Lager der Goldenen.
Man sollte sich Snacks und Getränke selber mitbringen, was ich natürlich vergessen habe, aber wenigstens bekommt man vor Ort umsonst Tee und Kaffee. Ich habe auf Anraten meines Mitbewohners eine fette Winterjacke dabei, über die ich sehr froh bin, denn es ist saukalt. Mir graut vor dem Moment, in dem ich mich von ihr trennen muss. Und zwar nicht wegen der Nacktheit.
Seite 2: "Man schmiert fremden, nackten Menschen um fünf Uhr morgens Goldfarbe an den Hintern"
Trotzdem die Vorstellung hatte was und ich begann zu recherchieren. Ich fand heraus, dass der amerikanische und in Künstlerkreisen berühmte Aktionskünstler Spencer Tunick im Rahmen der Opernfestspiele von Staatsopernintendant Nikolaus Bachler beauftragt wurde, eine Kunstinstallation zum Ring des Nibelungen zu entwerfen, welcher gerade in der Staatsoper zusehen ist. Weiter las ich, dass die Teilnehmer für die Installation fotografiert werden würden, und zwar nicht nur nackt sondern auch farbig angemalt. Das mit der Farbe hat dann wohl irgendwie den Ausschlag gegeben und ich wollte auch mitmachen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit nackt und angemalt in München über die Straße zu laufen und nicht verhaftet zu werden.
Kunst sein ist anstrengend
Gesagt getan. Ich drucke mir das benötigte Formular aus, auf dem ich versichere, über achtzehn zu sein und dass ich jegliche widerrechtliche Tötung nicht der Staatsoper ankreiden werde. Okay, das hört sich schon mal ziemlich gruselig an und ich beginne mich zu fragen, was wir während der Aktion eigentlich alles machen sollen. Um drei Uhr nachts machen mein Mitbewohner und ich uns auf den Weg, denn die Installation muss aufgrund logistischer Schwierigkeiten, wie dem Absperren von Plätzen, nachts stattfinden. Ich habe versucht, am Nachmittag auf Vorrat zu schlafen, was natürlich nicht geklappt hat und dementsprechend müde und grantig fühle ich mich. Vom vielen Kaffee habe ich Magenschmerzen und mich beschleicht das Gefühl, dass Kunst sein vielleicht doch nicht so ein Spaß ist.
Angekommen bin ich allerdings einigermaßen fit und die in der Luft liegende Spannung steckt mich an. Wir bekommen Pöttchen mit Farbe ausgeteilt, es gibt Rote oder Goldene, und da wir spät dran sind, gibt es nur noch rot. Menno! Gold ist viel schöner. Wir schaffen es irgendwie noch zu tauschen und gehen glücklich ins Lager der Goldenen.
Man sollte sich Snacks und Getränke selber mitbringen, was ich natürlich vergessen habe, aber wenigstens bekommt man vor Ort umsonst Tee und Kaffee. Ich habe auf Anraten meines Mitbewohners eine fette Winterjacke dabei, über die ich sehr froh bin, denn es ist saukalt. Mir graut vor dem Moment, in dem ich mich von ihr trennen muss. Und zwar nicht wegen der Nacktheit.
Seite 2: "Man schmiert fremden, nackten Menschen um fünf Uhr morgens Goldfarbe an den Hintern"















