ZEITjUNG trifft Julie Delpy auf dem Münchner Filmfest
„Eigentlich bin ich eine Kuh...“
06.07.2012
Eine erfrischend unbefangene Begegnung mit Julie Delpy auf dem Münchner Filmfest, wo sie „Two Days in New York" vorstellt.
Die erstaunliche sowie schlichte Erkenntnis bei dem Treffen mit Julie Delpy ist ihre erfrischende Normalität. Sie verheddert sich in prekären Aussagen, benutzt ein paar Mal zu oft Füllwörter wie „you know...“, lacht über ihre eigenen Witze, bevor sie sie erzählt und ihr Kleid sitzt nicht ganz so gut, wie man das von einem Hollywood-Star erwarten würde. Bodenständig. Herzallerliebst. Echt.
Dabei hätte man sich das Multitalent Delpy, die gerade in aller Munde ist, auch anderes vorstellen können. „Two Days in New York“ ist nach „Two Days in Paris“, „Die Gräfin“ und „Familientreffen mit Hindernissen“ ihr vierter Film, in dem sie als Drehbuchautorin, Regisseurin und Schauspielerin beteilig ist. In vielen anderen Filmen hat sie mindestens zwei der drei Aufgaben übernommen. Sie beschreibt das Ganze als „Braintwist": „Es ist schon manchmal sehr kompliziert und verwirrend, gleichzeitig Regisseurin und Schauspielerin in einem Film zu sein. Aber ich hab das jetzt ein paar Mal gemacht und ich bin, glaube ich, jetzt ganz gut darin, verwirrt zu sein. Ich rufe dann immer für mich selbst „Action, Julie!“. Die meisten am Set hassen das irgendwie“.
Independentfilme sind wie Bio-Essen
Auch wenn ihre Filme kommerziell erfolgreich sind, würde die gebürtige Französin sie als Independentfilme einordnen. Ein Vergleich mit Bio-Essen scheint hier passend: „Der Produktionsprozess bei Organic Food ist direkter. Von der gemolkenen Kuh, zum Behälter, zu dir. Keine zugefügten Sachen, kein Verfeinerungs-Blabla. Also so gesehen bin ich eine Kuh. Ich melke mich selbst, ohne irgendwelche Chemikalien hinzuzufügen.“ Sie lacht, merkt selbst, was sie uns da gerade verzapft hat, und beginnt noch mal: „In Mainstream Filmen ist normalerweise ein Studio beteiligt, welches das Endprodukt kontrolliert und Einfluss darauf nimmt. Da sind mehr Chemikalien drin. Und es ist gut für einen, wenn man von dieser Sorte nicht so viel konsumiert, sonst bekommt man Krebs und solche Sachen.“
In „Two Days in New York“ geht es, wie auch schon in dem Pariser Vorgängerfilm, um das Zusammenprallen verschiedener Sitten und Kulturen. Unbefangen und knallhart erzählt Delpy hier Anekdoten, die von ihrem eigenen Leben inspiriert sind. Sie ist in Paris aufgewachsen, als Tochter der Bühnenschauspieler Mari Pillet und Albert Delpy, der in ihren Filmen gerne mal die Rolle des verrückten Alten abbekommt, aus Rache, wie sie sagt. Mit 14 wird sie von Jean-Luc Godards entdeckt, der beeindruckt war, dass sie all seine Filme kannte. Anschließend spielte sie in seinem Film „Détective“ mit.
Männer als interkulturelles Forschungsgebiet
Dann kommt New York, ein Studium an der Filmhochschule, später die Rolle als bezaubernde Sabeth in "Homo Faber", die Indiefilm-Erfolge "Before Sunrise" und "Before Sunset". Dabei sah sie viel von der Welt. Und von den Männern dort. „Da ich in den USA lebe und Beziehungen mit ungefähr 25 Männern aus verschiedenen Nationen hatte, ein Deutscher hier, ein Schwede da... Nein, eigentlich kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern. Was ich sagen will: Ich habe sehr unterschiedliche Kulturen in meinem Leben kennengelernt und die Kleinigkeiten aus diesen Begegnungen für meine Filme genutzt.“
Was deutlich wird an diesem Abend, sowie in ihren Filmen: Julie Delpy will uns nicht irgendetwas verkaufen. Weder dem Publikum PR-Antworten aufzwängen, noch der Welt Filme andrehen, von denen sie selbst nicht überzeugt ist. Und so glaubt man ihr, wenn sie sagt: „Ich war noch nie wirklich gut darin, meine Seele zu verkaufen. Du kannst zu etwas werden, was du nie sein wolltest, für Geld oder für Erfolg. Ich war aber einfach nie an dem interessiert, was ich als Tausch bekommen hätte.“
Dabei hätte man sich das Multitalent Delpy, die gerade in aller Munde ist, auch anderes vorstellen können. „Two Days in New York“ ist nach „Two Days in Paris“, „Die Gräfin“ und „Familientreffen mit Hindernissen“ ihr vierter Film, in dem sie als Drehbuchautorin, Regisseurin und Schauspielerin beteilig ist. In vielen anderen Filmen hat sie mindestens zwei der drei Aufgaben übernommen. Sie beschreibt das Ganze als „Braintwist": „Es ist schon manchmal sehr kompliziert und verwirrend, gleichzeitig Regisseurin und Schauspielerin in einem Film zu sein. Aber ich hab das jetzt ein paar Mal gemacht und ich bin, glaube ich, jetzt ganz gut darin, verwirrt zu sein. Ich rufe dann immer für mich selbst „Action, Julie!“. Die meisten am Set hassen das irgendwie“.
Independentfilme sind wie Bio-Essen
Auch wenn ihre Filme kommerziell erfolgreich sind, würde die gebürtige Französin sie als Independentfilme einordnen. Ein Vergleich mit Bio-Essen scheint hier passend: „Der Produktionsprozess bei Organic Food ist direkter. Von der gemolkenen Kuh, zum Behälter, zu dir. Keine zugefügten Sachen, kein Verfeinerungs-Blabla. Also so gesehen bin ich eine Kuh. Ich melke mich selbst, ohne irgendwelche Chemikalien hinzuzufügen.“ Sie lacht, merkt selbst, was sie uns da gerade verzapft hat, und beginnt noch mal: „In Mainstream Filmen ist normalerweise ein Studio beteiligt, welches das Endprodukt kontrolliert und Einfluss darauf nimmt. Da sind mehr Chemikalien drin. Und es ist gut für einen, wenn man von dieser Sorte nicht so viel konsumiert, sonst bekommt man Krebs und solche Sachen.“
In „Two Days in New York“ geht es, wie auch schon in dem Pariser Vorgängerfilm, um das Zusammenprallen verschiedener Sitten und Kulturen. Unbefangen und knallhart erzählt Delpy hier Anekdoten, die von ihrem eigenen Leben inspiriert sind. Sie ist in Paris aufgewachsen, als Tochter der Bühnenschauspieler Mari Pillet und Albert Delpy, der in ihren Filmen gerne mal die Rolle des verrückten Alten abbekommt, aus Rache, wie sie sagt. Mit 14 wird sie von Jean-Luc Godards entdeckt, der beeindruckt war, dass sie all seine Filme kannte. Anschließend spielte sie in seinem Film „Détective“ mit.
Männer als interkulturelles Forschungsgebiet
Dann kommt New York, ein Studium an der Filmhochschule, später die Rolle als bezaubernde Sabeth in "Homo Faber", die Indiefilm-Erfolge "Before Sunrise" und "Before Sunset". Dabei sah sie viel von der Welt. Und von den Männern dort. „Da ich in den USA lebe und Beziehungen mit ungefähr 25 Männern aus verschiedenen Nationen hatte, ein Deutscher hier, ein Schwede da... Nein, eigentlich kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern. Was ich sagen will: Ich habe sehr unterschiedliche Kulturen in meinem Leben kennengelernt und die Kleinigkeiten aus diesen Begegnungen für meine Filme genutzt.“
Was deutlich wird an diesem Abend, sowie in ihren Filmen: Julie Delpy will uns nicht irgendetwas verkaufen. Weder dem Publikum PR-Antworten aufzwängen, noch der Welt Filme andrehen, von denen sie selbst nicht überzeugt ist. Und so glaubt man ihr, wenn sie sagt: „Ich war noch nie wirklich gut darin, meine Seele zu verkaufen. Du kannst zu etwas werden, was du nie sein wolltest, für Geld oder für Erfolg. Ich war aber einfach nie an dem interessiert, was ich als Tausch bekommen hätte.“
Bildquelle: Filmfest München, Charlotte Borquet, Magnolia Pictures













