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Otfried Preußlers "Räuber Hotzenplotz" zum 50. Geburtstag

Lotzenpotz, Plotzenhotz, Potzenlotz

01.08.2012

Ein schwieriger Name für ein unbeschwertes Märchen: Hotzenplotz wird 50.

„Oh du lieber Augustin, alles ist hin, ...hin!“ Das kann man von der Abenteuergeschichte Otfried Preußlers (Krabat, Der kleine Wassermann) nun nicht behaupten. Die unerhörte Begebenheit, dass am 1. August 1962 der grimmige Räuber in Großmutters Garten gestiefelt ist, alle Würstel und Sauerkraut – neben Pflaumenkuchen mit Schlagsahne, Kasperl und Seppels Lieblingsessen! – gemampft und dann auch noch ihre singende Kaffeemühle in seine Höhle entführt hat, scheuchte nicht nur Wachtmeister Dimpfelmoser auf, sondern hat bis heute Generationen von Kindern in ihren Bann gezogen.

Mit Tricks und Herz

Wer hat denn nicht mit den Schlitzohren Kasperl und Seppel mitgefiebert, wie sie unermüdlich versuchen, den schwerfälligen, mit Schlapphut, Pfefferpistole und sieben Messern bewaffneten Grobian zu fangen? Doch im Grunde seines Herzens ist auch der Räuber gutmütig: Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass hier der wahre Feind der böse, kartoffelsüchtige Zauberer Petrosilius Zwackelmann ist, der zuletzt auch noch die Fee Amaryllis gefangen hält.

In inzwischen 34 Sprachen lassen Kinder aus aller Welt ihren Eltern keine Ruhe, bis sie die Streiche der lustigen Freunde vorgelesen bekommen; die Bücher haben sich über sechs Millionen Mal verkauft. Otfried Preußler erhielt 1963 den Deutschen Kinderbuchpreis für die Räubergeschichte, weitere Auszeichnungen folgten. Hotzenplotz wurde eine internationale Berühmtheit und die 50 Jahre merkt man ihm nicht an. "Weiter!" steht am Ende eines jeden Kapitels, "weiter" heißt es auch für das Buch. Denn wie das so ist: Das Gute lacht zuletzt.

Ein rein Gewissen als Ruhekissen

Das ist der klassische pädagogische Ansatz des Buches, der damals in den 60er Jahren allerdings überraschend unkonventionell herüberkam. Denn brav sind Kasperl und Seppel nun wirklich nicht, und Wachtmeister Dimpfelmoser, die Verkörperung der gestrengen polizeilichen Obrigkeit, ist eine bornierte Witzfigur. Gegen alle Widerstände beißen sich Kasperl und Seppel durch die Abenteuer und finden schließlich den richtigen Weg – mit einer gehörigen Portion Witz, Selbstvertrauen, Freundschaft und, ja, Güte. Die Figuren haben trotz, oder gerade wegen ihrer Kanten das Herz am rechten Fleck, und das ist es wohl, was bis heute ihren Zauber ausmacht.

Wir gratulieren also Räuber wie Kasperl und Seppel zum 50. und wünschen Pflaumenkuchen, Schlagsahne, Würstel und Sauerkraut so viel man essen kann!

Bildquelle: Illustration von Franz Josef Tripp, Thienemann Verlag.