Street-Art aus Mailand: Künstler IVAN in der Galerie
Angreifen mit Poesie
07.08.2012
Galerie und Interview: Street Artist IVAN will provozieren
"Wer Samen in den Wind wirft, bringt den Himmel zum Blühen", heißt es auf einem der Bilder des Mailänder Künstlers IVAN. Der 31-Jährige macht Kunst über Kunst; er dichtet und schreibt, auf Stoff, Wände und Papier, bestückt damit die Stadt und malt schließlich Gemälde davon. Momentaufnahmen, die verewigen, was von Wind, Regen und städtischen Baubehörden beseitigt werden wird. Provokation ist dabei sein Hauptwerkzeug, seine Poesie soll die Menschen "angreifen", wie er sagt. Mit Bannern, Flugblättern und Graffiti thematisiert er Italiens nostalgisch angehauchte Protestkultur. ZEITjUNG.de sprach mit ihm über seine Kunst und ihre Stadt.
ZEITjUNG.de: Ivan, was treibt dich um als Künstler?
IVAN: Meine Poesie der Straße und mein 'poetischer Angriff' entstehen aus einem mehr sozialkritischen als einem literarischen Ansuchen. Es ist ein Hinabstoßen von Wörtern zwischen die Straßen mit der Überzeugung, die in den dunklen Ecken unseres Lebens abgestellte Poesie zu kennen. Mit der Wahrnehmung, immer stärker die Brandung der Welle des Unsichtbaren zu fühlen.
Wie sieht sie dann aus, deine Kunst?
Ich habe vor vielen Jahren begonnen, einige meiner Splittersätze auf Mauern und Geländer zu schreiben. Kurze Aphorismen. Nachdem ich dann dazu übergegangen war, große Plakate mit meinen Gedichten auf italienisch, arabisch, spanisch und französisch aufzuhängen, habe ich auch auf die Lamellen von Rolläden meine Verse gemalt. Der 'poetische Angriff' ist eine Art Mischung aus meinen mit dem Stift beschrifteten Blättern und der Straße, überfallen von Lack, Pinseln und Klebstoff.
Du nutzt die Stadt als Unterlage für deine Gedichte?
Meine Kunst auf der Straße ist mehr als nur eine Bühne für meine Poesie. Ich lebe von der Interpretation des Wortes, seines Sinnes. Von der Vorstellungswelt, die tiefer beeindruckt als seine malerische Darstellung. In Wahrheit meine ich, einen Zustand der Mitte zu leben.
Wo findest du Inspiration?
Jeder ist Dichter. Und der 'Zustand von Gnade' der Dichtung steckt überall aufgelöst in uns.
Was willst du im Betrachter wecken?
Für mich ist Provokation der Schwerpunkt von allem. Die blanken Nerven zu treffen erlaubt, andere und sich selbst zu verbrühen. Damit will ich sagen, dass die Poesie nicht mehr höflich sein darf.
Du bist Mailänder. Wirkt sich das aus auf deine Kunst?
Ich denke, dass jeder die Verantwortung hat, sich auf die eigene kulturelle Umgebung zu beziehen, seine eigene und die kollektive Identität zu definieren und konstruieren, um handeln zu können. Um das verändern zu können, was nicht funktioniert, zuallererst bei sich zuhause als anderswo. Ich bin in Mailand geboren und lebe hier, ich weiß nicht, ob für immer. Aber, sicherlich, so lange Mailand meine Stadt sein wird und ich von ihr Schatten und scharfe Kanten sehen werde, so lange glaube ich, mich an ihr beteiligen zu müssen – für ihre Bevölkerung ebenso wie für ihre Räume. Mailand ist eine Stadt, die immer gewusst hat, große Avantgarden und kulturelle Bewegungen auszudrücken. Heute hat sie das verzweifelte Bedürfnis, seine Hauptrolle auf europäischer Ebene wiederzufinden, seine Einzigartigkeit und Außergewöhnlichkeit im Vergleich zum Rest der italienischen Kunstlandschaft.
Was bedeutet dir dein Künstlertum?
Für mich heißt das, zu veröffentlichen in einem weiteren Sinne, das heißt, sich öffentlich zu machen und sich auszusetzen – dem Urteil oder der Gunst einer heterogenen Menschenmenge.
Bildrechte und weitere Infos zu Ivan bei der Mailänder Galerie Prospettive d'arte unter http://prospettivedarte.com/.
ZEITjUNG.de: Ivan, was treibt dich um als Künstler?
IVAN: Meine Poesie der Straße und mein 'poetischer Angriff' entstehen aus einem mehr sozialkritischen als einem literarischen Ansuchen. Es ist ein Hinabstoßen von Wörtern zwischen die Straßen mit der Überzeugung, die in den dunklen Ecken unseres Lebens abgestellte Poesie zu kennen. Mit der Wahrnehmung, immer stärker die Brandung der Welle des Unsichtbaren zu fühlen.
Wie sieht sie dann aus, deine Kunst?
Ich habe vor vielen Jahren begonnen, einige meiner Splittersätze auf Mauern und Geländer zu schreiben. Kurze Aphorismen. Nachdem ich dann dazu übergegangen war, große Plakate mit meinen Gedichten auf italienisch, arabisch, spanisch und französisch aufzuhängen, habe ich auch auf die Lamellen von Rolläden meine Verse gemalt. Der 'poetische Angriff' ist eine Art Mischung aus meinen mit dem Stift beschrifteten Blättern und der Straße, überfallen von Lack, Pinseln und Klebstoff.
Du nutzt die Stadt als Unterlage für deine Gedichte?
Meine Kunst auf der Straße ist mehr als nur eine Bühne für meine Poesie. Ich lebe von der Interpretation des Wortes, seines Sinnes. Von der Vorstellungswelt, die tiefer beeindruckt als seine malerische Darstellung. In Wahrheit meine ich, einen Zustand der Mitte zu leben.
Wo findest du Inspiration?
Jeder ist Dichter. Und der 'Zustand von Gnade' der Dichtung steckt überall aufgelöst in uns.
Was willst du im Betrachter wecken?
Für mich ist Provokation der Schwerpunkt von allem. Die blanken Nerven zu treffen erlaubt, andere und sich selbst zu verbrühen. Damit will ich sagen, dass die Poesie nicht mehr höflich sein darf.
Du bist Mailänder. Wirkt sich das aus auf deine Kunst?
Ich denke, dass jeder die Verantwortung hat, sich auf die eigene kulturelle Umgebung zu beziehen, seine eigene und die kollektive Identität zu definieren und konstruieren, um handeln zu können. Um das verändern zu können, was nicht funktioniert, zuallererst bei sich zuhause als anderswo. Ich bin in Mailand geboren und lebe hier, ich weiß nicht, ob für immer. Aber, sicherlich, so lange Mailand meine Stadt sein wird und ich von ihr Schatten und scharfe Kanten sehen werde, so lange glaube ich, mich an ihr beteiligen zu müssen – für ihre Bevölkerung ebenso wie für ihre Räume. Mailand ist eine Stadt, die immer gewusst hat, große Avantgarden und kulturelle Bewegungen auszudrücken. Heute hat sie das verzweifelte Bedürfnis, seine Hauptrolle auf europäischer Ebene wiederzufinden, seine Einzigartigkeit und Außergewöhnlichkeit im Vergleich zum Rest der italienischen Kunstlandschaft.
Was bedeutet dir dein Künstlertum?
Für mich heißt das, zu veröffentlichen in einem weiteren Sinne, das heißt, sich öffentlich zu machen und sich auszusetzen – dem Urteil oder der Gunst einer heterogenen Menschenmenge.
Bildrechte und weitere Infos zu Ivan bei der Mailänder Galerie Prospettive d'arte unter http://prospettivedarte.com/.

























