Skyfall von Sam Mendes - James Bond wird zum Biertrinker
Nie mehr Martini
17.08.2012
Da hat sich's ausgeschüttelt: 007 wechselt ungerührt seine Trinkgewohnheiten.
Wenn der Mensch merkt, dass er nicht unsterblich ist, ist es meistens schon zu spät. Wenn für James Bond jedoch alles zu spät scheint, bestellt er sich gelassen einen Wodka Martini: "Geschüttelt, nicht gerührt". Millionen von Fans warten Film für Film auf diese Worte und lehnen sich mit einem Lächeln zurück, wenn sie endlich fallen; da ist er also wieder, der gute alte Held in seiner lässigen, elitären Arroganz. Bond, James Bond: Das Synonym für den Unverwundbaren, den immer Überlegenen, dem das blütenweiße Hemd auch dann noch perfekt sitzt, wenn er durch Feuer und Asche geht.
Bond scheint unsterblich – auch 50 Jahre nach dem ersten Film mit Sean Connery in der Hauptrolle erfreut sich der von dem britischen Krimi-Autor Ian Fleming erdachte Agent ungebrochener Beliebtheit. Nicht nur, dass die einfach gestrickte Story mit schnellen Autos, Girls und wilden Schießereien schon immer zog, war es letztendlich auch Bonds weltrettendes Heldentum, das in einer Zeit voll von Wettrüsten, Drohgebaren und Ängsten für eineinhalb Stunden die Wirklichkeit vergessen ließ. Bond lebte hedonistisch und ballerte die politischen Probleme samt ihren Bösewichtern beinahe spielerisch zu Staub. Und blieb dabei auch noch selbstironisch.
Von der Maske zum Mensch
Doch eben an der glänzenden Politur des unantastbaren Playboys wird nun heftig gekratzt und geschabt. In den letzten Jahren erlebte die Figur einen Wandel. Mit dem Film "Casino Royale" fing alles an und es ist vielleicht eine Ironie des Schicksals, dass gerade "Casino Royale" der erste Doppelnull-Roman Jan Flemings war: denn der James Bond des 21. Jahrhunderts ist plötzlich verletzlich, und das nicht nur körperlich.
James Bond sollte menschlich werden. Aber unter diesem Wandel litt nicht nur der arme Kerl im Film, sondern auch der Spaßfaktor für die Zuschauer. Kein Bond-Fan amüsiert sich dabei, seinen Helden schwitzen, bluten und schreien zu sehen. Und erst, dass der neue James Bond gar seine eigenen Rituale verleugnet. In "Casino Royale" wird Bond von einem Kellner gefragt: „Geschüttelt oder gerührt?“, worauf er gereizt erwidert: „Sehe ich aus, als ob ich 'nen Scheiß draufgeb'?“ Ian Fleming hat sich im Grab umgedreht.
Vom Martini zur Maß
Die Erdung von 007 ist schon länger ein sich stetig steigernder Prozess. Der königlich britische Edelagent, der immer die angesagteste Marke von Luxus-Produkten kannte, gab zuerst die handgemachten Zigaretten auf, wechselte von Aston Martin auf BMW auf Ford Mondeo, von Rolex auf Omega. Die Regel ist einfach, die Höchstbietenden für Productplacement bestimmen nämlich die Vorlieben von Bond. Im aktuellen Film "Skyfall", der im November in den deutschen Kinos erscheint, wird nun aber Bonds Abstieg in die Durchschnittlichkeit offenbar die Krone aufgesetzt. Bond wird Bier ordern. Heineken, 80 Cent die Flasche. Eiskalt, ohne Glas. Geöffnet, nicht geschüttelt. Die Fans sind entsetzt: Kriegen sie in der nächsten Folge schlußendlich Feinripp statt Smoking zu sehen? Adiletten statt der Maßgeschusterten?
Mit dem Traditionsbruch des 23. Abenteuers der Bond-Reihe lassen sich jedenfalls himmlische Summen erzielen. Vorerst. Insgesamt 45 Millionen Dollar sollen bereits im Mai 2011, sechs Monate vor Drehbeginn von "Skyfall", nur an Lizenzeinnahmen für die Produktion des Films eingenommen worden sein. Doch es ist ein riskantes Unterfangen, das mit der Flexibilität der Bond-Fans pokert. Daniel Craig, der Blonde mit den stechenden Augen, verkörpert zwar perfekt den kernigen Knochen, der zur Flasche greift statt zum Glas mit dem langem Stiel.
Aber ist es das, was die Leute sehen wollen? Ihren eigenen Kühlschrankinhalt? Ihr Partybier in den Händen von Bond? Die niederländische Großbrauerei Heineken hat jedenfalls bereits weitere Werbefilme mit dem Bond-Darsteller angekündigt. So weicht die britische Coolness dem amerikanischen Pragmatismus, der Dandy dem Prolet. Das kann man nun gut finden oder nicht; auf jeden Fall ist es zeitgemäß. Und zu guter Letzt bleibt er in gewisser Weise auch eine romantische Illusion, der Mann von unten, der Aufsteiger, der die Mächtigen aufmischt. Mit Heineken als dem neuen Zaubertrank: Na, dann Prost. Auf die Normalsterblichen dieser Welt.
007 Skyfall - US Trailer from Cinema Mundial on Vimeo.
Bildquelle: (Pierre Scokaert) / CC BY 3.0
Bond scheint unsterblich – auch 50 Jahre nach dem ersten Film mit Sean Connery in der Hauptrolle erfreut sich der von dem britischen Krimi-Autor Ian Fleming erdachte Agent ungebrochener Beliebtheit. Nicht nur, dass die einfach gestrickte Story mit schnellen Autos, Girls und wilden Schießereien schon immer zog, war es letztendlich auch Bonds weltrettendes Heldentum, das in einer Zeit voll von Wettrüsten, Drohgebaren und Ängsten für eineinhalb Stunden die Wirklichkeit vergessen ließ. Bond lebte hedonistisch und ballerte die politischen Probleme samt ihren Bösewichtern beinahe spielerisch zu Staub. Und blieb dabei auch noch selbstironisch.
Von der Maske zum Mensch
Doch eben an der glänzenden Politur des unantastbaren Playboys wird nun heftig gekratzt und geschabt. In den letzten Jahren erlebte die Figur einen Wandel. Mit dem Film "Casino Royale" fing alles an und es ist vielleicht eine Ironie des Schicksals, dass gerade "Casino Royale" der erste Doppelnull-Roman Jan Flemings war: denn der James Bond des 21. Jahrhunderts ist plötzlich verletzlich, und das nicht nur körperlich.
James Bond sollte menschlich werden. Aber unter diesem Wandel litt nicht nur der arme Kerl im Film, sondern auch der Spaßfaktor für die Zuschauer. Kein Bond-Fan amüsiert sich dabei, seinen Helden schwitzen, bluten und schreien zu sehen. Und erst, dass der neue James Bond gar seine eigenen Rituale verleugnet. In "Casino Royale" wird Bond von einem Kellner gefragt: „Geschüttelt oder gerührt?“, worauf er gereizt erwidert: „Sehe ich aus, als ob ich 'nen Scheiß draufgeb'?“ Ian Fleming hat sich im Grab umgedreht.
Vom Martini zur Maß
Die Erdung von 007 ist schon länger ein sich stetig steigernder Prozess. Der königlich britische Edelagent, der immer die angesagteste Marke von Luxus-Produkten kannte, gab zuerst die handgemachten Zigaretten auf, wechselte von Aston Martin auf BMW auf Ford Mondeo, von Rolex auf Omega. Die Regel ist einfach, die Höchstbietenden für Productplacement bestimmen nämlich die Vorlieben von Bond. Im aktuellen Film "Skyfall", der im November in den deutschen Kinos erscheint, wird nun aber Bonds Abstieg in die Durchschnittlichkeit offenbar die Krone aufgesetzt. Bond wird Bier ordern. Heineken, 80 Cent die Flasche. Eiskalt, ohne Glas. Geöffnet, nicht geschüttelt. Die Fans sind entsetzt: Kriegen sie in der nächsten Folge schlußendlich Feinripp statt Smoking zu sehen? Adiletten statt der Maßgeschusterten?
Mit dem Traditionsbruch des 23. Abenteuers der Bond-Reihe lassen sich jedenfalls himmlische Summen erzielen. Vorerst. Insgesamt 45 Millionen Dollar sollen bereits im Mai 2011, sechs Monate vor Drehbeginn von "Skyfall", nur an Lizenzeinnahmen für die Produktion des Films eingenommen worden sein. Doch es ist ein riskantes Unterfangen, das mit der Flexibilität der Bond-Fans pokert. Daniel Craig, der Blonde mit den stechenden Augen, verkörpert zwar perfekt den kernigen Knochen, der zur Flasche greift statt zum Glas mit dem langem Stiel.
Aber ist es das, was die Leute sehen wollen? Ihren eigenen Kühlschrankinhalt? Ihr Partybier in den Händen von Bond? Die niederländische Großbrauerei Heineken hat jedenfalls bereits weitere Werbefilme mit dem Bond-Darsteller angekündigt. So weicht die britische Coolness dem amerikanischen Pragmatismus, der Dandy dem Prolet. Das kann man nun gut finden oder nicht; auf jeden Fall ist es zeitgemäß. Und zu guter Letzt bleibt er in gewisser Weise auch eine romantische Illusion, der Mann von unten, der Aufsteiger, der die Mächtigen aufmischt. Mit Heineken als dem neuen Zaubertrank: Na, dann Prost. Auf die Normalsterblichen dieser Welt.
007 Skyfall - US Trailer from Cinema Mundial on Vimeo.
Bildquelle: (Pierre Scokaert) / CC BY 3.0





