Zeitjung Online Zeitung - MSN Nachrichten

Das Fest der Farben, der bunte Regen – Holi!

"Meine Spucke ist pink und mein Husten blau"

10.09.2012
Holi-Festival München

Rund 10 000 Menschen strömten am gestrigen Sonntag in München auf Europas größtes Holi-Festival

Punkt 15 Uhr: Der Countdown erklingt. „Ich will jetzt alle Hände sehen, Hände oben lassen“, schreit der DJ von der Bühne in sein Mikro und zählt den Countdown. 10 Sekunden später ist der Münchner Himmel über der Galopprennbahn getränkt von blau, rosa, orange, gelb und grün, bevor er die Masse mit Farbe bedeckt. Das Fest der Farben ist eingeläutet, die Masse bebt.

Was ist das Holi-Festival?

Ursprünglich handelt es sich bei dem Holi-Festival um ein traditionelles, indisches Frühlingsfest, das „Fest der Farben“, das als das älteste Fest überhaupt gilt. In einem Land, in dem das Kastensystem die Gesellschaft klassifiziert und Frauen einen weitaus niedrigeren Status einnehmen als Männer, werden eben diese Schranken für wenige Tage im Jahr aufgehoben. Jeder Mensch soll gleichgestellt sein, man feiert ausgelassen und bestreut sich gegenseitig mit bunt gefärbtem Maismehl, dem Gulal. Dieser Trend ist nun auch in Deutschland angekommen, wenn auch hier der Spaß an erster Stelle steht. Am 29. Juli feierte Deutschland das erste Holi-Festival in Berlin, die Bilder gingen durch die Medien. Es folgten Veranstaltungen in Dresden und Hannover.

Das größte Holi-Festival Europas


So ging das Holi-Festival gestern in München in die vierte und vor allem größte Runde. Die rund 10.000 Tickets waren innerhalb einer Stunde ausverkauft, wie uns Veranstalter Maxim Derenko erzählt. „Die Server waren vollkommen überlastet, deswegen haben wir eine Art Warteschlange eingerichtet, um die Tickets bestmöglich und fair zu verkaufen.“ Doch am Ende konnte nicht jeder eins der wertvollen Tickets ergattern, letzte Chance: Schwarzmarkt.

Aus 15 mach 100 - der Schwarzmarkt

Bei ebay wurden schon wenige Minuten, nachdem das letzte Ticket über die virtuelle Ladentheke ging, eben diese für bis zu 100 Euro weiterverkauft. Auf der Holi Facebook-Seite reichen die Meinungen der Gäste von: „Mal im Ernst, wenn man die Preise auf eBay so sieht, dann sollten sich manche Leute aber mal ganz dezent für ihre elende Geldgier schämen!“ bis „Warum sollte man sich schämen? Das ist ein super Geschäft - wenn die Leute so dumm sind und das zahlen!“ Derenko kann bei solch einer Aussage nur den Kopf schütteln: „Das finden wir nicht schön. Es ist schade und bringt auch Unmut unter die Leute, die kein Ticket mehr bekommen haben. Wir sind darüber einfach nur traurig, denn so ein Verhalten entspricht nicht dem Holi-Gedanken.“

Faszination Holi

Doch was ist es, was die Menschen so an diesem Festival fasziniert, was sie in den Holi-Bann zieht. Derenko begründet den Erfolg mit der Neuartigkeit: „So etwas gab es noch niemals in Deutschland. Die Farben, das friedliche Beisammensein, das macht das Holi aus. Friedliche, glückliche Gesichter zu sehen, das ist das schönste daran, man kann es kaum in Worte fassen.“

Die Besucher sehen das ähnlich: „Für einen Tag fühlen wie ein Hippie, ausgelassen mit Fremden zu indischer Musik tanzen, deswegen bin ich hier“, sagt Paul (27). Anastacia (24) spuckt auf den Boden. „Meine Spucke ist pink, mein Husten blau und mein Atem gelb, wo gibt es sonst so etwas?“ und lacht. Auch Alex (27) hat große Freude an dem Farbpulver: „Davon lebt dieses Fest, sich wie ein Kind schmutzig machen, als ob man mit vielen erwachsenen Kindern im Sandkasten sitzt, nur eben mit dem Unterschied, dass der Sand bunt und die Milch Bier ist.“

„Lass und das hier versuchen!“

Doch wie kommt man auf die Idee, ein traditionelles indisches Fest nach Deutschland zu bringen? „Einer unserer Partner war in Indien, kam wieder und sagte zu uns: Lasst und das hier versuchen!“ Seitdem arbeitet Derenko in einem Team von fünf Leuten an den Events, insgesamt wirken 20 bis 30 Leute an den Vorbereitungen, dem Aufbau und der Technik mit.

Schwerwiegende Vorfälle gab es keine, auch in München nicht. „Bisher verlief alles friedlich, unsere Sanitäter waren unterfordert“, scherzt Derenko.

Für diejenigen, die dieses Jahr nicht teilnehmen konnten ein Trost: Für 2013 wird schon eifrig geplant. „Das Festival soll es von nun an jedes Jahr geben. Die Resonanz ist so groß und gut, da wäre es eine Dummheit, es bei diesen wenigen Events zu belassen.“

Foto: Antonia Schöberl