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Soulsängerin Y'akoto im Interview

"Was willst du von mir? Du bist doch tot!"

10.09.2012

Eine große Stimme will hoch hinaus: Soulsängerin Y'akoto verrät im Interview, wovon sie träumt.

Y’akoto, ein Name, den man sich definitv merken sollte. Die 24-jährige Sängerin gilt als die neue Stimme des Soul. Mit ihrem Debütalbum „Babyblues“ begeisterte sie durch ihren klaren Sound und ihre Mischung aus Soul, Funk, Folk und afrikanischen Einflüssen. Y’akoto ist eine mutige Künstlerin, die ihr Ding macht. Dazu gehört auch entgegen gut gemeinter Ratschläge „Tamba“, einen Song über einen Kindersoldaten, als erste Single zu veröffentlichen. Y’akoto nennt sich selbst „Afrohanseatin“. Doch warum sie nicht gerne auf ihre deutsch-ghanaische Herkunft angesprochen wird, erzählte sie Zeitjung im Interview.


ZEITjUNG: Wie fühlt es sich an, als so junge Künstlerin schon in einem Atemzug mit den großen Soulsängerinnen Erykah Badu und Nina Simone genannt zu werden?

Y'akoto: Es haut mich nicht aus den Socken, aber es bewegt und ehrt mich. Das ist eigentlich auch genug. Das liegt wahrscheinlich an meinem Charakter. Ich bin mein eigener Maßstab. Ich vergleiche mich mit niemand anderem als mit mir selbst. Die Messlatte setze ich immer höher bei mir. Für mich gibt es kein Stopp. Es reicht mir auch nicht, was ich bisher geschafft habe.

Wohin soll die musikalische Reise gehen?

Auf jeden Fall möchte ich mit meiner Musik noch mehr Leute erreichen. Dafür, dass meine Platte erst ein halbes Jahr draußen ist, kennen mich schon viele Menschen, zum Beispiel auch in Frankreich. Aber ich möchte auch in Amerika und England bekannt werden. Ich reise gerne und würde es schön finden, wenn ich nach Möglichkeit mit meiner Musik weit reise.

Du bist in deinem Leben ja schon ziemlich rumgekommen. Nervt dich eigentlich die Frage nach deiner Heimat und nationalen Identität?

Auf jeden Fall nervt mich das. Gestern habe ich das Vorbereitungsgespräch für eine TV Show boykottiert, indem ich gesagt habe: „Wenn Sie mir diese beschissenen Fragen stellen, dann komme ich nicht in Ihre Sendung!“ Ich habe wirklich eine Drohung ausgesprochen. Ich habe das Gefühl, Leute, die mich sehen, würden mich viel besser kennenlernen, wenn sie mich fragen: „Was siehst du für Filme? Welche Bücher liest du?“ oder „Was macht dich traurig?“ Fragen, die sich wirklich mit der Person als Künstler und als Individuum beschäftigen. Anstatt einfach Eckdaten, die man sowieso bei Wikipedia abklappern kann. Ich finde, dass bei mir ein Satz genügt: Sie ist viel herumgekommen und ihre Identität besteht aus zwei nationalen Polen. Aber darauf reduziert zu werden, ist total nervig und dass diese Tatsache immer als Aufhänger für meine Musik benutzt wird. Aber meine Musik geht darüber hinaus, dass ich mehrere Identitäten habe. Wenn man genauer hinschaut, haben wir das doch alle. Niemand ist nur das Eine oder Andere.

Wie haben die Zuständigen der Fernsehsendung reagiert?

Erstaunt. Wenn mich etwas nervt, berührt oder beschäftigt, möchte ich das auch kundgeben. Es kommt ja auch darauf an, wie man das macht. Ich habe jetzt nicht rumgepöbelt, sondern freundlich gesagt: „Nö, das sind bescheuerte Fragen und ob meine Eltern noch zusammen sind oder nicht, das geht Sie einen feuchten Dreck an.“ Man kann sich verständlich machen, ohne dass sich die Leute in ihrer Person angegriffen fühlen, sondern man das Konzept anprangert und kritisiert. Die Dame an der Leitung war dann auch sehr professionell. Sie hat mich verstanden und mich schnell gefragt, was für Filme und Bücher ich gerne mag. Ich würde mir von jungen Journalisten und Moderatoren wünschen, dass solche Interviews nicht mechanisch ablaufen. Wozu machen wir denn Kunst? Wir machen Kunst, damit man einen Eindruck bekommt in unsere Innenwelt und unsere Außenwelt. Und nicht, damit einfach Eckdaten abgeklappert werden.

Das merkt man auch an deinen Songs. Du willst nicht an der Oberfläche kratzen, sondern von Menschen und Geschichten erzählen.

Ja, ich finde auch das ist das Einzige, das uns bleibt. Die Welt wird besonders im Westen immer mehr darauf ausgerichtet, dass wir nicht mehr in Kontakt zu treten brauchen. In die Welt rausgehen, ist eine Entscheidung, die wir treffen müssen. Max Herre, einer meiner Produzenten, hat das Album „Hallo Welt“ herausgebracht. Er hat die Platte so genannt, weil er mit uns redet. Ich finde das total klasse. Das ist das, was ich lebe und auch weiterhin machen will. Auf meinen Konzerten achte ich nicht darauf, eine Haltung zu bewahren. Deswegen ist jedes meiner Konzerte anders.

"Du bist doch tot!" Y'akotos Traum auf Seite 2
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