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Der Berliner Künstler Florian Weiß in der Bildergalerie

Der Papiertätowierer

07.01.2013

Der Berliner Künstler Florian Weiß im Interview über seine Arbeit mit Papier, Holz und Haut.

Es sind beeindruckende Wimmelbilder, mit Fischen, Seepferdchen, Korallen und auch mal einer versteckten Flaschenpost. In akribischer Feinstarbeit fertigt der Berliner Künstler Florian Weiß die Zeichnungen an. Das Besondere ist der Aufbau der Bilder aus tausenden winzigen Punkten, für die der 35-Jährige aus einem alten Fönmotor eigens eine „Punktiermaschine“ gebaut hat. Doch Weiß benutzt nicht nur Papier als Unterlage, sondern auch Holz und demnächst seine eigene Haut...

Florian, wieso zeichnest du Unterwasserwelten?

Weil ich mich immer schon für das Meer interessiert habe, das kommt wohl auch ein bisschen von meinem Geburtsort Kiel. Ich finde, das ist die faszinierendste und abgefahrendste Daseinsform von Lebewesen. Alles ist so schräg da, alles, was es dort gibt, ist irgendwie nicht von dieser Welt. Alles ist so ganz anders. Deswegen finde ich es spannend.

Bist du Taucher?


Ich habe mal getaucht, inzwischen finde ich es aber ganz schrecklich, weil es eine bescheuerte Form ist, sich im Wasser aufzuhalten.

Warum?


Weil es zum Einen nicht dem Menschen entspricht. Und weil es zum Anderen in Gegenden stattfindet, wo Menschen wenig Geld haben, und dann ein Tourist einmal 60 Dollar für eine Stunde Vergnügen hinlegt. Das finde ich arrogant. Außerdem geht es gar nicht mehr darum, etwas Kleines zu sehen, sondern es geht – wie bei vielen Dingen heutzutage – nur noch um das Highlight. Viel wird da kaputtgemacht. Schnorcheln ist da die Ausnahme.

Du selbst achtest sehr auf die kleinen Dinge, auch in deiner Kunst.


Alle Dinge bestehen aus mehr als nur der Oberfläche, man kann in alles hineintauchen. Dabei ist das Winzige genauso wahrzunehmen wie das Große, das finde ich so spannend. Je mehr man in die Dinge hineinzoomen kann, desto interessanter wird es. Irgendwann stoße ich natürlich an meine Grenzen, irgendwann tun die Augen auch einfach weh, aber die winzigen Feinheiten sind es wert. Es wäre schön, wenn man noch weitergehen könnte. Wie bei einer Zwiebel: ein Level nach dem anderen nehmen.

Viele Figuren auf deinen Werken sind absolut naturgetreu gezeichnet, andere dagegen überraschen mittendrin mit comichaften Kulleraugen. Warum?


Man hat so viel Fläche auf dem Papier, dass man auch viel darin verstecken kann. Deshalb habe ich auf den Wimmelbildern auch Sachen versteckt, die mit einer normalen Unterwasserwelt gar nichts zu tun haben. Es lohnt sich zu suchen, das ist die Idee dahinter.

Wie funktioniert deine selbstgebaute Papiertätowiermaschine?


Im Prinzip wie eine Nähmaschine. Nur statt Stichen macht meine Punkte.

Du zeichnest ja nicht nur Unterwasserwelten sondern belichtest auch Holzplatten.


An den Holzplatten hat mich vor allem deren Struktur fasziniert, dass da etwas ist, das ich nicht beeinflussen kann, nach dem ich mich richten muss. Anfangs habe ich Papierfotografien gemacht. Aber da hat man immer den gleichen Untergrund, immer sind alle Faktoren gleich. Da geht es ja auch um Reproduzierbarkeit. Mit Holz ist das viel spannender, weil das alles nicht vorhersehbar ist. Mal wird ein Abzug total dunkel, mal total hell. Dann ist da ein Astloch oder eine besondere Maserung.

Demnächst willst du auch Tätowieren.


Ja, alles, was du auf Papier zeichnen kannst, kannst du auch tätowieren. Das ist wahnsinnig cool. Ich würde alle möglichen Tiere tätowieren, Schmetterlinge, Adler, Gottesanbeterinnen. Was für Effekte die Tatoo-Maschine letztendlich hat, weiß ich aber noch nicht. Jetzt ist erstmal mein Oberschenkel dran. Später hoffe ich, davon auch leben zu können.

Info und Kontakt unter http://www.florian-weiss.de/.