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Ein Interview mit form anlässlich seines Untapes "Ordnung ist das halbe Leben …"

"Lieber Gutmensch als Arschloch"

15.10.2012

Kritisch und sprachbegabt: Der Rapper form im Interview über Seehofer, Sarrazin und Helge Schneider.

Bildquelle: Alexandre Kurek

Als die Old School-Götter erklärt haben, wie Hip Hop funktioniert, war form wohl gerade nicht da oder hat heimlich unter der Bank Ernst Jandl gelesen. Das führte dazu, dass der Rapper, der auch die Pseudonyme Musik für Menschen und O gringo doido führt, sich mit abseitigen Wortspielen und teilweise ohne Reime über Beats navigieren muss, die mit klappernden und quietschenden Samples vollgestopft sind. Sein aktuelles Untape "Ordnung ist das halbe Leben, Unordnung das ganze", auf dem Tracks wie "Die Entdeppung der Welt", "14-49 sonnengereifte Haselnüsse mit Omega3-Fettsäuren" oder "Kotzen-Nutzen-Rechnung" zu finden sind, könnt ihr hier herunterladen. Mit ZEITjUNG.de hat er sich über seine Definition von Hip Hop, Retro-Sentimentaliät und Thilo Sarrazin unterhalten. Außerdem erklärt noch einmal, wie man eigentlich in Zeiten der Keinfickgebung einen Fick gibt.

Fangen wir mit den großen Fragen an: Du bist jemand, der die Szene sehr kritisch begleitet  und gleichzeitig selbst sehr experimentell arbeitet. Was ist deine Definition von Hip Hop?

Form: Ich will keine zu genaue Definition haben, weil ich der Meinung bin, dass andere genauso gelten. Ich sage deswegen immer, was mir an Hip Hop Spaß macht: Was für mich Hip Hop ausmacht, ist dieses ständig Sich-Wandeln und das Einbeziehen von allem Möglichen – Sampeln als Kernbestandteil der Kultur. Und was ich noch mag, ist diese Battle-Rap-Attitüde. Dieses "Ey, ich scheiß auf alle, nicht weil es mir egal ist, sondern weil ich cool bin und ich zeige, dass ich cool bin". Viele machen das natürlich nicht so geil, aber ich mag diese Attitüde.

Und was für eine Rolle spielt dabei ein Begriff wie "Realness"?

Ich mag Realness. Ich mag das, wenn Leute nicht so krass darauf bedacht sind, wie etwas wirkt, ob das zu dem passt, wie sie gern gesehen werden möchten. Da entsteht so viel Scheiß und so viel unnötiger Stress, wenn Leute ihren Wesenskern leugnen. Das heißt nicht, dass man in der Kunst nicht irgendetwas Blödsinniges erzählen kann. Ich finde das aber sehr angenehm, wenn Menschen sich nicht verstellen. Man checkt in der Regel sowieso sofort, ob die sich härter machen als sie sind. Wenn du aus einem reichen Elternhaus kommst, erzählt das halt!

Im Track "Nix Back in the Days" und mit dem gleichnamigen Festival hast du dich gegen Rap-Nostalgie positioniert. Wie passt das denn mit dem Authentisch-Sein zusammen?

Realness geht oft mit so einem "Früher, früher früher, da war alles so geil" einher. Das finde ich total lächerlich, das ist einfach grotesk falsch. Ich feiere Hip Hop, aber nicht diese Rückwärtsgewandheit. Durch diese "Back in the days"-Einstellung machen sie Hip Hop erst kaputt. Dadurch dass sie sagen, dass es damals geil war, sagen sie auch, dass es heute scheiße ist. Statt zu jammern und zu heulen, könnten sie auch jetzt Konzerte veranstalten und geilen Rap rausbringen.

Das ist aber nicht gegen Samples von früher gerichtet?

Nein, das nicht. Wenn das cool ist, kann man das machen. Es geht nur darum, dass man das nicht aus dieser Haltung heraus macht. Es gibt sicher Sachen, die damals cooler waren. Aber dafür gibt es auch welche, die sind heute einfach besser. Gerade was Männlichkeitsbilder anbelangt, ist heute viel mehr als dieses dumm-männliche "Du musst Bierflaschen essen"-Bild möglich. Das ist doch besser als früher.


Seite 2: form über seine Vorbilder, das Ficko-Magazin und seinen Lieblingsfeind …
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