Alles, was man über das Phänomen Hipster wissen muss
Hipstory
21.11.2012
Wer ist eigentlich dieser ominöse Hipster?
Wer heute von anderen als Hipster bezeichnet wird, der hat es geschafft. Denn das ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass man vorne dran ist. Wobei… Vorne dran und retro in Einem eigentlich. Diese Kombination ist grade der Shit. Warum? Na, weil das extrem on-offline ist, weil das konzeptionell-kreativ und wissend rüberkommt, weil das anders ist. Ja, das ist es: der offensichtliche Individualismus dieser Kombination. Beispiele gefällig? Okay. Du produzierst mit analogen Synthies und einem Sampler von 1986 Indie-Singer-Songwriter-Dance-Sound? Willkommen im Club! Deine auf Facebook geposteten Fotos rauschen, weil du sie mit einer PocketCam von 1972 geschossen und dann gescannt hast? You‘ve got it! Du weißt tiefsinnige Dinge über Proust und Sartre zu sagen, ohne dabei fahrig deinen Fair-Trade-Tee über die Skinny Jeans zu kippen? Champions League!
Aber keine Angst. Selbst wenn man nicht fotografieren, schreiben, lesen, musizieren oder malen kann und das politische Engagement nicht weiter reicht als bis zu Punkt 9, gibt es immer noch eine Chance. Die Accessoires, die – zumindest äußerlich – untrüglich zum Hipster machen: ein kurzer Ausflug in die schöne Welt des Hipstertums und wie sie entstand.
Von drei Hipstern
Kurz zum Begriff „Hipster“. (1) Hipster sind Hosen. Hüfthosen, um genau zu sein (die sitzen auf den Hips), vorzugsweise getragen von Mädels um 2000 rum – damals war der Bauchfrei-Effekt gewünscht. Das hilft uns hier aber nicht weiter. (2) Weiter kommen wir da schon mit den, unseren heutigen Hipstern nahestehenden, Ur-Hipstern von 1930 ff. Wobei, was heißt Ur-Hipster? Deren Vorläufer waren wiederum die Bohemiens des späten 19. Jahrhunderts. Deshalb von vorn. Der Bohemien des ausgehenden 19. Jahrhunderts bewegte sich in intellektuellen und Künstlerkreisen und schrieb, komponierte oder malte. Er ist der Prototyp dessen, was wir heute einen Künstlertyp nennen würden. Der Hipster um 1950 entsprach dem. Er spielte Jazz und Bebop oder dichtete. Heute assoziiert man mit der ersten Hipster-Generation vor allem schwarze Jazz-Musiker: Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Harry Gibson (der übrigens den Spitznamen „The Hipster“ hatte)… Im Gegensatz zum Bohemien trug der Hipster nicht Anzug oder Gehrock, sondern Baskenmütze, Unterlippenbart und Sonnebrille – die restliche Kleidung war damals eher noch egal.
Das ist heute, beim (3) Hipster 2.0, anders. Aber auch hier von vorn: Grundsätzlich zeichnet er sich nämlich dadurch aus, dass er auf den Mainstream scheißt (der Rest ergibt sich daraus). Er schließt also an den Bohemien und den Ur-Hipster an, indem er sich über Subkultur und Avantgarde definiert. Denn nur was keiner kennen soll (Subkultur) oder noch keiner kennt (Avantgarde) bewegt sich abseits des Mainstreams. Deshalb verwundert es erstens nicht, dass der Hipster von heute auf all das anspielt, was es an (intellektualistischer) Subkultur in der, um aus dem Wortschatz des Kalten Krieges zu schöpfen, westlichen Hemisphäre seit 1940 gab und dabei zweitens trotzdem weit vorne dran sein will. Progressiv und retro zugleich. Wie ein iPhone aus Schellack.
Der Hipster „an sich“ kommt, woher sonst, aus New York. Im Gegensatz zum Hipster von 1950 ist er aber weiß. Vor allem deshalb, weil die afroamerikanische Szene zu dieser Zeit noch zwischen Underground-Rap und ersten kommerziellen Hip-Hop-Projekten feststeckte. Genau in dieser Phase Ende der 80er haben in Brooklyn und Williamsburg irgendwelche Nerds damit angefangen, Hipness rekursiv neu zu definieren. Sie kombinierten die bis oben zugeknöpften Hemden von 1940 mit Brillen des 50er-Jahre Kassengestells „Horkheimer/Adorno“, den knallengen Jeans der Rocklegenden der späten 60er, den Parkas von 1970 und den Sneakers der 80er und den Jutebeuteln der 90er. Seitdem sind Apple mit iPhone und MacBook – als Avantgarde-Phänomen der 2000er – und das Single-Speed-Bike – der sich gerade etablierende Shit der 10er Jahre – dazugekommen.
Auf Seite zwei lest ihr, wie die Geschichte der Hipster weitergehen könnte und was das für unser Streben nach Hipness bedeutet …
Aber keine Angst. Selbst wenn man nicht fotografieren, schreiben, lesen, musizieren oder malen kann und das politische Engagement nicht weiter reicht als bis zu Punkt 9, gibt es immer noch eine Chance. Die Accessoires, die – zumindest äußerlich – untrüglich zum Hipster machen: ein kurzer Ausflug in die schöne Welt des Hipstertums und wie sie entstand.
Von drei Hipstern
Kurz zum Begriff „Hipster“. (1) Hipster sind Hosen. Hüfthosen, um genau zu sein (die sitzen auf den Hips), vorzugsweise getragen von Mädels um 2000 rum – damals war der Bauchfrei-Effekt gewünscht. Das hilft uns hier aber nicht weiter. (2) Weiter kommen wir da schon mit den, unseren heutigen Hipstern nahestehenden, Ur-Hipstern von 1930 ff. Wobei, was heißt Ur-Hipster? Deren Vorläufer waren wiederum die Bohemiens des späten 19. Jahrhunderts. Deshalb von vorn. Der Bohemien des ausgehenden 19. Jahrhunderts bewegte sich in intellektuellen und Künstlerkreisen und schrieb, komponierte oder malte. Er ist der Prototyp dessen, was wir heute einen Künstlertyp nennen würden. Der Hipster um 1950 entsprach dem. Er spielte Jazz und Bebop oder dichtete. Heute assoziiert man mit der ersten Hipster-Generation vor allem schwarze Jazz-Musiker: Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Harry Gibson (der übrigens den Spitznamen „The Hipster“ hatte)… Im Gegensatz zum Bohemien trug der Hipster nicht Anzug oder Gehrock, sondern Baskenmütze, Unterlippenbart und Sonnebrille – die restliche Kleidung war damals eher noch egal.
Das ist heute, beim (3) Hipster 2.0, anders. Aber auch hier von vorn: Grundsätzlich zeichnet er sich nämlich dadurch aus, dass er auf den Mainstream scheißt (der Rest ergibt sich daraus). Er schließt also an den Bohemien und den Ur-Hipster an, indem er sich über Subkultur und Avantgarde definiert. Denn nur was keiner kennen soll (Subkultur) oder noch keiner kennt (Avantgarde) bewegt sich abseits des Mainstreams. Deshalb verwundert es erstens nicht, dass der Hipster von heute auf all das anspielt, was es an (intellektualistischer) Subkultur in der, um aus dem Wortschatz des Kalten Krieges zu schöpfen, westlichen Hemisphäre seit 1940 gab und dabei zweitens trotzdem weit vorne dran sein will. Progressiv und retro zugleich. Wie ein iPhone aus Schellack.
Der Hipster „an sich“ kommt, woher sonst, aus New York. Im Gegensatz zum Hipster von 1950 ist er aber weiß. Vor allem deshalb, weil die afroamerikanische Szene zu dieser Zeit noch zwischen Underground-Rap und ersten kommerziellen Hip-Hop-Projekten feststeckte. Genau in dieser Phase Ende der 80er haben in Brooklyn und Williamsburg irgendwelche Nerds damit angefangen, Hipness rekursiv neu zu definieren. Sie kombinierten die bis oben zugeknöpften Hemden von 1940 mit Brillen des 50er-Jahre Kassengestells „Horkheimer/Adorno“, den knallengen Jeans der Rocklegenden der späten 60er, den Parkas von 1970 und den Sneakers der 80er und den Jutebeuteln der 90er. Seitdem sind Apple mit iPhone und MacBook – als Avantgarde-Phänomen der 2000er – und das Single-Speed-Bike – der sich gerade etablierende Shit der 10er Jahre – dazugekommen.
Auf Seite zwei lest ihr, wie die Geschichte der Hipster weitergehen könnte und was das für unser Streben nach Hipness bedeutet …












