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Warum nicht mal ein Dating-Tabu brechen?

Kennenlernen Hardcore

16.07.2012

Ein Plädoyer für mehr Mut bei ersten Dates.

Niemand liebt erste Dates. Vielleicht die Aufregung davor und mit etwas Glück sogar die Aufregung danach, aber das Treffen an sich ist selten mehr als ein leichtes Abtasten der gegenübersitzenden Oberfläche: „Und was machst du sonst so?“ „Neben dem Studium meinst du?“ „Ja, schon, also arbeitest du oder so?“ „Klar, sonst könnte ich mir das alles hier gar nicht leisten.“ Dann erzählt sie von dem Club, in dem sie kellnert und er sagt, dass er dort auch öfter war, aber nicht mehr, seit sie den Eintrittspreis erhöht haben.

Ein Gespräch, das ungefähr so satt macht wie eine ungekochte Möhre. Leider gilt es bereits als gesellschaftlicher Standard, bei ersten Dates nur das von sich preiszugeben, was den Nährwert einer Möhre nicht übersteigt. Der Rest, die wichtigen Geschichten, werden als zu schwer verdaulich eingestuft und erst mal wieder in den Kühlschrank gelegt, oder schlimmer, in die Gefriertruhe, aus der sie nicht selten erst nach drei Monaten Beziehung hervorgeholt werden. Wenn überhaupt.

"You are not alone!"


Dabei haben die wenigsten von uns keine Krankheit in der Familie, keine Scheidung hinter sich. Schwere Unfälle, Abhängigkeiten, Misshandlungen - bei der Vielzahl psychischer Traumata, die das 21. Jahrhundert, unsere Gesellschaft, die Natur, oder meinetwegen unser Schicksal für uns bereithält, gibt es genug für jeden. Klingt geschmacklos, ist aber so. Warum reden wir also immer, als würde uns niemand verstehen? Warum verstecken wir möglichst lange die traurigen Geschichten, die doch so prägend sind? Und das ausgerechnet vor denen, in die wir uns vielleicht verlieben wollen?!

„You are not alone“ verkündete der King of Pop seinem Volk im Jahr 1995 und damit war er keineswegs der Erste. Ich glaube, inzwischen dürfte es jeder gehört haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegenüber schon bei eurem ersten Date genau so gestört ist wie du, ist ziemlich hoch und steigt dazu noch mit dem Alter. Die Wahrscheinlichkeit, dass du nach dem Beitrag einer etwas härteren Geschichte wie ein emotionaler Pflegefall dastehst, ist dementsprechend sehr niedrig. Die Angst vor Zurückweisung wird es wohl immer geben, doch ist das längst keine Rechtfertigung mehr dafür, anderen Menschen immer nur die gleiche sanfte Tour durch das eigene Leben zu geben. Im Gegenteil!

Lest auf Seite 2 warum wir die Angst den Hasen überlassen sollten...
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