Sexexpertin und Autorin Ann-Marlene Henning im Interview über ihr neues Buch Make Love
Liebe in Nahaufnahme
28.02.2013
Interview
Make Love: Interview mit einer Aufklärungsexpertin.
Sie hat ein Buch geschrieben, über das gerade sehr viele Leute eine Meinung haben. Die dänische Sexologin Ann-Marlene Henning hat seit dem Erscheinen ihres Aufklärungsbuches Make Love (Rogner & Bernhard) vor anderthalb Monaten keinen Tag vor 23:00 Uhr Feierabend und muss sich jetzt dann mal überlegen, wie lange sie das noch so machen möchte. Mit uns hat sie aber trotzdem gesprochen. Über Pornographie, ihr Buch, guten Sex und Angst.
ZEITjUNG: Frau Henning, was heißt eigentlich gut im Bett?
Ann-Marlene Henning: Das ist eine gute Frage. Es heißt sicherlich nicht einfach nur irgendwelche Techniken gut zu können und ein bestimmtes Programm abzuspulen, nach dem Motto, hier noch ein Stellungswechsel und hier noch und so weiter. Guter Sex hat etwas mit wahrnehmen, spüren und genießen zu tun. Wenn man beim Sex nur Dinge tut, weil man das Gefühl hat, man muss sie tun und das muss so und so aussehen, dann nimmt man den anderen gar nicht wahr. Und darum geht es. Guten Sex haben heißt, sich in Lust, Genuss und Geilheit fallen lassen zu können. Und vielleicht geht es dabei auch um Liebe. Darum, dass man sich traut, sich zu zeigen. Dann wird Sex richtig gut. Es geht nicht darum, irgendetwas auszuschalten, sondern voll da zu sein, als Mensch und alle Gefühle zu zeigen, Geilheit, Liebe oder auch Angst. Es geht um echte Intimität, um echtes Spüren.
Das klingt sehr gefühlsbetont, so etwas nach Blümchensex vielleicht. Empfindet das jeder so? Und Männer und Frauen gleich?
Männer haben es sicherlich ein bisschen leichter geil zu werden. Sie haben zwanzig bis dreißig Mal mehr Testosteron als Frauen. Und sie wissen, dass sie leicht einen Orgasmus bekommen. Wenn das bei mir auch so wäre, würde ich auch öfter Sex haben wollen. Das größere Problem ist eher, dass Frauen ihren Genuss und ihren Körper nicht so gut kennen. Über ein bestimmtes Niveau kommt man so nicht hinaus. Und man darf nicht denken, Männer würden weniger fühlen. Es gibt genug Untersuchungen, die zeigen, dass Männer genauso viele Gefühle haben wie Frauen, sie reden nur nicht so gerne darüber. Aber auch sie haben besseren Sex, wenn echte Gefühle im Spiel sind. Auch für Männer wird es geiler, je intensiver sie fühlen.

Welchen Stellenwert hat Sex heutzutage in unserer Gesellschaft?
Einen sehr großen. Sexuelle Befriedigung ist ein Urbedürfnis und deswegen wird sie benutzt. „Sex sells“ ist ein Grundprinzip unserer Gesellschaft. Sex ist auch ein wirtschaftliches Phänomen, sogar Affen zahlen dafür. Aber wir, oder besser gesagt die Industrie hat es damit übertrieben. Sex wird komplett überbewertet und löst eine Art von Druck aus, die uns unfähig macht, uns selbst zu spüren. Es geht häufig nur um können, müssen und das Aussehen. Wenn man über Sex redet, dann sollte man das so tun, wie wir in unserem Buch: normal, offen und ehrlich. Und nicht in den Kategorien „größer, geiler, besser“. Wir leben in einer Welt, in der immer eine Steigerung möglich ist. Das projiziert sich natürlich auch auf unser Sexleben. Aber für diese Hetzjagd nach Genüssen sind wir gar nicht geschaffen. Wir verlieren dadurch die Verbindung zu uns und zu den anderen.
Lies auf Seite Zwei, warum Pornos und Sex sich nicht vertragen.
ZEITjUNG: Frau Henning, was heißt eigentlich gut im Bett?
Ann-Marlene Henning: Das ist eine gute Frage. Es heißt sicherlich nicht einfach nur irgendwelche Techniken gut zu können und ein bestimmtes Programm abzuspulen, nach dem Motto, hier noch ein Stellungswechsel und hier noch und so weiter. Guter Sex hat etwas mit wahrnehmen, spüren und genießen zu tun. Wenn man beim Sex nur Dinge tut, weil man das Gefühl hat, man muss sie tun und das muss so und so aussehen, dann nimmt man den anderen gar nicht wahr. Und darum geht es. Guten Sex haben heißt, sich in Lust, Genuss und Geilheit fallen lassen zu können. Und vielleicht geht es dabei auch um Liebe. Darum, dass man sich traut, sich zu zeigen. Dann wird Sex richtig gut. Es geht nicht darum, irgendetwas auszuschalten, sondern voll da zu sein, als Mensch und alle Gefühle zu zeigen, Geilheit, Liebe oder auch Angst. Es geht um echte Intimität, um echtes Spüren.
Das klingt sehr gefühlsbetont, so etwas nach Blümchensex vielleicht. Empfindet das jeder so? Und Männer und Frauen gleich?
Männer haben es sicherlich ein bisschen leichter geil zu werden. Sie haben zwanzig bis dreißig Mal mehr Testosteron als Frauen. Und sie wissen, dass sie leicht einen Orgasmus bekommen. Wenn das bei mir auch so wäre, würde ich auch öfter Sex haben wollen. Das größere Problem ist eher, dass Frauen ihren Genuss und ihren Körper nicht so gut kennen. Über ein bestimmtes Niveau kommt man so nicht hinaus. Und man darf nicht denken, Männer würden weniger fühlen. Es gibt genug Untersuchungen, die zeigen, dass Männer genauso viele Gefühle haben wie Frauen, sie reden nur nicht so gerne darüber. Aber auch sie haben besseren Sex, wenn echte Gefühle im Spiel sind. Auch für Männer wird es geiler, je intensiver sie fühlen.

Welchen Stellenwert hat Sex heutzutage in unserer Gesellschaft?
Einen sehr großen. Sexuelle Befriedigung ist ein Urbedürfnis und deswegen wird sie benutzt. „Sex sells“ ist ein Grundprinzip unserer Gesellschaft. Sex ist auch ein wirtschaftliches Phänomen, sogar Affen zahlen dafür. Aber wir, oder besser gesagt die Industrie hat es damit übertrieben. Sex wird komplett überbewertet und löst eine Art von Druck aus, die uns unfähig macht, uns selbst zu spüren. Es geht häufig nur um können, müssen und das Aussehen. Wenn man über Sex redet, dann sollte man das so tun, wie wir in unserem Buch: normal, offen und ehrlich. Und nicht in den Kategorien „größer, geiler, besser“. Wir leben in einer Welt, in der immer eine Steigerung möglich ist. Das projiziert sich natürlich auch auf unser Sexleben. Aber für diese Hetzjagd nach Genüssen sind wir gar nicht geschaffen. Wir verlieren dadurch die Verbindung zu uns und zu den anderen.
Lies auf Seite Zwei, warum Pornos und Sex sich nicht vertragen.













