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Die größten Liebesgeschichten mit Facebook erzählt

Facebook hätte Julia gerettet

17.08.2012

Wenn Homer und Shakespeare sich sozialer Netzwerke bedienen hätten können.

Juliet Capulet ist in einer komplizierten Beziehung. Romeo Montague gefällt das. In der Sprache von Facebook lässt sich die tragische Geschichte unglücklich Verliebter und ihrer verfeindeter Familien aus dem 16. Jahrhundert um einiges prägnanter auf den Punkt bringen. Vermutlich hätte auch niemand sterben müssen.

Das Interessante ist jedoch, dass William Shakespeares Figuren eine neue Rolle in unserer Zeit, vor allem in der Zeit sozialer Netzwerke spielen. Die Tragik gefühlt vorsintflutlicher Zeiten kann man nun in Kategorien "Single", "In einer Beziehung mit X" oder auch "Verwitwet" einteilen. Tatsächlich passt "Es ist kompliziert" erstaunlich gut zu dem unglücklichen Paar.

Rhett Butler gefällt Scarlett O'Hara

Die (angeblich) schönsten Liebesgeschichten alles Zeiten, ob fiktiv oder real, würden sicher ein ähnlich treffendes Äquivalent in Facebook finden. Paris würde ein Foto von Hera, Aphrodite und Athene posten, all seine Freunde würden kommentieren, Aphrodite sei ganz klar die hübscheste, die Entscheidung wäre in Minuten getroffen und Helena würde das "liken". Der Plot ist derselbe.

Facebook ist der Geschichtenerzähler unserer Generation. Vielleicht kauft sich sogar jemand das Reclam-Heftchen "Romeo und Julia" um nachzulesen, was bei denen eigentlich so kompliziert war. Oder wird zumindest den Live-Übertragung bei Twitter verfolgen. Die Codierung der Geschichten in Facebook-Kommunikation funktioniert dennoch einwandfrei. Die Sprache der Liebe hat sich von epischer Länge auf digitale, kryptische Botschaften reduzieren lassen.

Benutzername: Napoleon, Passwort: josephinejetaime

Doch eben deshalb kann sich die Idee des Street-Art-Künstlers, Romeo und Julias Geschichte in Facebook zu übersetzen so großer Beliebtheit erfreuen. Weltliteratur und Weltliebesgeschichten gliedern sich mit einem gewissen Bruch durch Ironie in unsere Lebenswelt ein - das ist faszinierend und irritierend zugleich. Doch vielleicht ist es auch anders herum und Facebook bricht in unsere Liebesgeschichten ein; schließlich lässt die Facebook-Nutzung angeblich sogar Scheidungsraten steigen.

Facebook ist nicht nur eine Chronik, es ist ein Archiv von Geschichten. Seien es fiktive oder echte, Lebens- oder Liebesgeschichte, Tragödien oder Komödien – das 21. Jahrhundert liebt Kategorien. Und da lassen sie Romeo und Julias Erzählung genauso wie die unklare, blöde Sache zwischen Tim und Moni von nebenan als "kompliziert" einordnen.

Bildquelle: happyhipposnacks (flickr.com), cc by sa 2.0