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Nicht ohne Kondom, sondern ohne SEX!

Heute mal ohne...

18.11.2012
(Kein) Sex zum Montag

Warum landet man mit ein und dem selben Typen immer wieder im Bett, hat aber keinen Sex?

Von Louisa Zwenger

Man spürt das Prickeln, die Begierde, es entsteht geradezu der Eindruck, diese zwei Körper wären nur dazu geschaffen, sich hemmungslos einander hinzugeben. Aber warum landet man dann immer wieder zusammen im Bett, hat aber keinen Sex?

Wie es beginnt…

Also da ist dieser Typ, nennen wir ihn mal Paul. Paul arbeitet am gleichen Ort wie man selbst, sagen wir mal ein Café. Positiv aufgefallen sind einem schon seine dunklen Augen, die wuscheligen Haare und diese unglaublich sympathischen Lachfältchen. Außerdem sitzen bei Paul die Hosen besonders gut.

Wenn man sich beim Arbeiten sieht, versteht man sich gut und lacht zusammen – Späße unter Kollegen halt. Nach Dienstschluss trinkt man dann zusammen ein Bier. Aus einem werden drei Bier und noch ein Gin Tonic. Ziemlich angeheitert werden die Blicke langsam intensiver und länger und die unauffälligen Berührungen langsam auffälliger. Und es kommt, wie es kommen muss. Nach einem letzten Schnaps nimmt man ein Taxi und entscheidet sich für eine gemeinsame Richtung.

Ehe man sich versieht liegt man schon nackt im Bett neben Paul, der einen, bei näherem Beschauen und Beschnuppern, ganz schwindelig werden lässt. Schwindel – ein schlechtes Zeichen, er deutet auf den nicht gerade maßvollen Alkoholkonsum des Abends hin. Beim Knutschen muss man die Augen offen lassen, um nicht Karussell zu fahren.

Auch Paul hat viel getrunken, aber er ist nicht unangenehm oder aufdringlich. Sehr zärtlich, aber ohne Sex verläuft die Nacht. Trotzdem oder gerade deshalb genießt man es in vollen Zügen. Es kann ziemlich erotisch sein, sich gegenseitig zu begehren, aber nicht miteinander zu schlafen. Am Nächsten Tag geht man dann beflügelt nach Hause oder in die Uni. Aber ziemlich schnell vergisst man was am letzten Abend geschehen ist. Der Alltag stellt sich wieder ein.
Das Skurrile


Die nächsten Wochen und Monate wiederholt sich dieses Spielchen in fast identischem Schema. Der Körper des Anderen ist einem mittlerweile schon vertraut, aber nie wird es langweilig. Es ist immer wieder aufregend ihn zu berühren. Dennoch ist es nach einer Weile irgendwie eigenartig so intim zu sein, aber das geheime Verhältnis nie zu einer waschechten Affäre gemacht zu haben. Dazu wäre ja durchaus Potenzial vorhanden.

Eines Abends sagt dann Paul, wir könnten keinen Sex haben, weil das mit uns als Arbeitskollegen irgendwie komisch wäre. – Ist das eine Ausrede? Oder ist vielleicht doch ein Funken Wahrheit an diesem banalen Arbeitskollegenzölibat?

Da ist schon was dran!

Sex unter Arbeitskollegen, den man sich, wie in Filmen, immer im Kopierraum eines Großraumbüros auf dem Kopierer vorstellt, ist wahrscheinlich in der Realität eine ziemlich blöde Idee. Man kann die förmlich höfliche Distanz nicht mehr wahren, die anderen Kollegen bekommen Wind von der Sache und der Zauber des Ganzen ist dahin.

Natürlich entsteht nach dieser Feuerprobe die ein oder andere Beziehung, aber die Dunkelziffer derer, die daran scheitern ist sicherlich weitaus größer. Unmöglich aber aus dem Mikrokosmos des Cafés ausbrechen, denn was würde sonst bleiben? Über was sollte man miteinander sprechen? Und vor allem wer von den beiden hätte den Mut dazu, den nächsten Schritt zu wagen? Man müsste sich tatsächlich eingestehen, dass da noch mehr ist, vielleicht sogar ernsthaftes Interesse am Anderen.

Aber weil das in nächster Zeit nicht passieren wird, können wir das, was da immer mal wieder passiert erst mal genießen. Bis es irgendwann aufhört, so wie es angefangen hat: leise, heimlich, unspektakulär.

Bildquelle: Von The blue kids - 2010 aus flickr. (CC BY-SA 2.0)