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Regendelfin - der geheimnisvolle Star aus Hamburg

Erklär doch mal das Internet, Regendelfin

04.08.2011

Sex, Wortwitze und das Aussehen eines Models - zuviel für Twitter?

In „Erklär doch mal das Internet“ lässt sich ZEITjUNG-Autor Max Fraenkel jede Woche ein neues kleines Stück World Wide Web von einem bekannten Deutschen (Micro-)Blogger erklären.


Marie kommt aus Hamburg, ist relativ jung, relativ neu bei Twitter aber schon unglaublich bekannt. Als @Regendelfin wird sie von Vielen gefeiert, von Vielen aber auch belächelt. Die Gerüchteküche um ihre Person brodelt - vom Trucker bis hin zur ganzen PR-Abteilung war sie schon alles, was intelligent genug ist um einen Tweet zu verfassen.

 
Haben Typen mit Erektiler Dysfunktion echt diesen internen Geheimcode, dass sie alle ihre Polokragen hoch stellen? - @Regendelfin
 
Das konnte ZEITjUNG nicht glauben. Also haben wir uns mit ihr über genau solche Vorwürfe, ihr Leben, Twitter als Facebook-Alternative und den Rest des Internets unterhalten. Außerdem hat Marie extra für uns Fotos gemacht, die ein für alle Mal beweisen: Sie ist echt!
 
ZEITjUNG: Wieso fängt eine junge Dame wie du an zu twittern und macht nebenbei nicht etwas prestigeträchtigeres, wie zum Beispiel Pilotin werden?
 
Marie: Also, das mit der Pilotin würde vermutlich ohnehin flach fallen, weil ich eigentlich Brillenträgerin bin. Zumindest beim Autofahren oder Fernsehen muss ich eine tragen. Ich wäre also beim Eignungstest gleich am Anfang aussortiert worden. Bei Twitter gibt es Gott sei Dank ja keine Ressentiments gegen schlecht sehende Userinnen wie mich.
 
Aber anscheinend gegen gut aussehende? Seit du vor geraumer Zeit so gut wie aus dem Nichts in die bekanntesten Kreise des deutschen Twitteruniversums kamst hat man dich von allen Seiten versucht als Mann oder PR-Gag zu "entlarven". Wie kam das?
 
Um ehrlich zu sein, würde es sich vermutlich viel zu selbstverliebt anhören, um jetzt mit "Die haben halt gedacht, eine so gut aussehende Frau kann unmöglich so gute Tweets schreiben" zu antworten. Und ich habe auch den Fehler gemacht, am Anfang kein Bild von mir als Avatar zu nehmen, weil ich dachte, ich schütze meine Privatsphäre wohl besser ohne Originalbild. 
 
Nach diversen Anfeindungen inklusive so lustiger Wortschöpfungen wie "Delfinschlampe" oder "Menstruationsdelfin" habe ich dann aber mit einigen Bildern von mir nebst "Regendelfin"-Hinweis reagiert und hoffte, das Thema wäre damit durch. Leider habe ich da die Dynamik einiger Twitter-Subkulturen wohl völlig falsch eingeschätzt. Das negative Echo aus bestimmten Kreisen wurde nur noch stärker. Ich habe aber auch schon einige wirklich großartige Menschen auf Twitter kennen gelernt, die das alles in unzählbarer Form aufwiegen. Ich könnte ja auch jeder Zeit gehen, mich zwingt ja niemand.
 
Wie bist du überhaupt zu Twitter gekommen - hat das vielleicht sogar etwas mit deinem Beruf zu tun?
 
Ich kann mich lustiger Weise noch exakt daran erinnern, wie ich zu Twitter kam, nebst Datum und Uhrzeit. Ich hatte bis April diesen Jahres für etwa drei Jahre ein Facebook-Profil. Am Anfang fand ich es ganz lustig, weil mich wirklich viele alte Freunde wieder fanden, nach einer Weile wurde es aber anstrengend, ständig auf "My best friend"-Bildern oder ähnlichem Blödsinn aufzutauchen. Ich habe dann eigentlich nur noch recht aktiv den Chat benutzt und hin und wieder ein paar Sprüche als Statusupdate raus gehauen. Das machte mir Spaß, auch das direkte Feedback darauf. Irgendwann hieß es dann mal, einer meiner Sprüche wäre auf Twitter aufgetaucht, also schaute ich mir Twitter mal an. 
 
Also als Alternative zu Facebook?
 
Ich hatte ja bis dahin nie großartig was damit zu tun gehabt und dachte immer: Nachrichtendienst, 140 Zeichen? - Warum denn öffentlich? SMS für alle á la "Ich habe gerade Pizza bestellt", das kannte ich ja schon von Facebook und hatte nicht das Gefühl, dass mich dieses Wissen über dazu noch komplett fremde Menschen irgendwie weiter bringt. Nachdem ich dann aber mal geschaut hatte, entdeckte ich recht schnell auch Favstar und sah, dass dort Menschen ihr "Unwesen" trieben, wie der Volksmund so sagt, die extrem kreative Ideen und Wortspiele in 140 Zeichen packen konnten. Ich war fasziniert. Würde ich Drogen nehmen, könnte man fast die Vokabel "angefixt" benutzen. So machte ich nach einer Partynacht im April in der Nacht vom 16. auf den 17. April meinen Account und legte einfach los. Den Rest kann man ja jetzt auf Twitter verfolgen.
 
Das läuft ja auch sehr erfolgreich ab bei dir! Was muss man denn deiner Meinung nach mögen, um zu lieben, was du schreibst?
 
Zunächst mal würde ich nicht so weit gehen, zu behaupten, dass jemand "liebt" was ich schreibe. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn manch ein User sich von meinen Beiträgen regelmäßig gut unterhalten fühlt. Die, die mich regelmäßig mit offensichtlich zumindest nicht wachsender Abneigung lesen, mögen vielleicht vor allem die Mischung aus abstrusen Wortspielen, die mir eben meist auf irgendein aufgeschnapptes Wort im Radio oder im Gespräch einfallen und denn Variationen von Mini-Stories und immer wiederkehrenden Elementen, an die ich mich bei Twitter quasi rangehängt habe. Damit meine ich Elemente wie "Hast Du mich gerade fett genannt" oder die "Klar kannst Du ..." oder "Wenn mir langweilig ist ..." - die habe ich ja alle nicht alleine kreiert, bediene sie aber regelmäßig, wann immer mir dazu etwas einfällt.
 
Kommt auch aus Hamburg und erklärt uns das Internet:
 
Abgesehen von deinen Wortspielen und "Klassikern" - was sollte man im Internet sonst so nicht verpasst haben?
 
Das Internet ist wie eine kleine Welt in Deinem Monitor, Deinem iPad, iPhone oder was man sonst zum surfen nutzen kann. Klingt nach Klischee, ist ja aber letztendlich so. Und das bedeutet dann, dass man immer und überall genau das haben kann, auf was man Lust hat. Aus Entertainment-Gründen, oder aber auch aus beruflichen. Für mich gibt es kaum etwas im Leben, das ich häufiger nutze. Am Ende bin ich häufiger im Netz als ich esse. Und darum tue ich mich auch schwer, anderen zu empfehlen, was man lesen oder machen soll. Keiner, der in irgendeiner Form Sprache mag, sollte Twitter verpassen. Das ist schon mal sicher. Ansonsten muss sich wirklich jeder seine Highlights selber suchen. Ich bin viel zu oft in der Situation, dass ich irgendwem etwas zeige, was ich großartig finde, und ich merke, der andere denkt: "Ach ja, ist ja klasse, hä?"
 
 

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Bildquelle: Regendelfin