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Facebooks neue Funktionen: Timeline und Open Graph

Dein unvergessliches Facebook-Leben

26.09.2011

Timeline und Open Graph machen das Facebook-Leben sinnlich erfahrbar und unvergesslich.

Facebook hat – wieder mal – Großes vor, größer als alles Bisherige. Die Rede ist von Timeline und Open Graph. Das nämlich sind die neuen Funktionen, die Facebook geplant hat, um uns zu noch gläserneren Wesen dieser Welt zu machen. „Das ganze Leben wird zur Online-Show“ liest man hierzu bei FAZ online. „Facebook will von jedem User alles speichern“ heißt es unter pcwelt.com. „Timeline – Wie wird Facebook unser Leben verändern“ fragt die Bild. „Interaktive Lebensläufe“ liest man beim Focus.

 
Timeline oder: Die Chronik deines Facebook-Lebens 
 
Timeline, so nennt sie sich, diese neue Funktion bei Facebook, die deine bisherige Pinnwand demnächst in eine digitale Lebenschronik umwandelt. Alles, was du auf Facebook so treibst, wird quasi eingefroren, gespeichert und zu einer Zeitleiste deines digitalen Daseins zusammengefügt. Und das am Besten von Geburt bis zum Tod. Jede Statusmeldung, die du gemacht hast, jedes Video, das du gepostet hast, jeder Link, den du geteilt hast, jede Seite, die du geliket hast, jede Veranstaltung, an der du teilgenommen hast, wird zu einem kleinen Schritt in deinem großen Leben auf Facebook.

Und dein Leben vor Facebook? Kannst du auch nachträglich skizzieren. Irgendwann dann also kannst du - ob nun stolz oder beschämt - auf dein bewegtes Leben bei Facebook zurückblicken, schmunzeln über kleine „Jugendsünden“, musikalische Geschmacksverirrungen und tobsüchtige Liebesstatus längst verflossener Liebschaften. 
 
Lies hier, was beziehungstechnisch bei Facebook so läuft: 
 
Niemals in Vergessenheit
 
Ach, wie schön, oder? Wo die Mama ja schon nach dem dritten Lebensjahr damit aufgehört hat, dein Leben in anerkennender Form im Familienalbum zu dokumentieren. Nun kümmert sich endlich ein paar Jahre später wieder jemand drum! Da geht´s dann um andere Dinge als das erste Bäuerchen, den ersten kleinen Schritt, das erste Lächeln. Facebook will die wahren „Life Events“, hält also fest, wann du umgezogen bist, von wo nach wo und am besten noch warum, wo du gearbeitet hast, wen du wann geheiratet hast, warum du ein Jahr später schon wieder neu verlobt warst und wie es kam, dass du in dieser Zeit vom kleinen Cinquechento zum schicken 3er BMW kamst.

Kurz: „Das ganze Leben wird zur Online-Show“. Ja, das trifft´s wohl ganz gut. Und noch viel besser: Nichts, was du getan hast, gerät in Vergessenheit. Denn Facebook ist nicht so schusslig wie die eigene Mutter, Facebook merkt sich alles, für immer und sortiert es sogar für dich in Kategorien wie „Musik“, „Orte“, „Photos“, „Status“. Dann kannst du am Ende deinen musikalischen Werdegang, mit deinem Photografischen und deinem Lokalen vergleichen.  
 
Open Graph macht digitales Leben nahbar
 
Aber natürlich will man nicht ständig als der ewige Nostalgiker in der Vergangenheit herumwühlen und diese Lebensleiste digital hinauf und hinunter wandern, um am Ende festzustellen, dass das ganze Leben scheinbar nur Regression, ein nicht enden wollender Kreislauf, eine Zeitleiste ohne Sinn und Verstand ist. 

Facebook kümmert sich mit Open Graph auch um das Hier und Jetzt, und das soll auch digital möglichst nahbar und erfahrbar sein. Open Graph ist eine neue Programmier-Schnittstelle bei Facebook, die alle Aktivitäten in Facebook-Apps für die Freunde in Echtzeit nachvollziehbar macht. Durch diese neue Funktion kannst du „miterleben“, was deine Leute gerade digital erleben, eine Art Echtzeit-Ticker zum Beispiel durch „Musik- und Video-Streaming“. Dadurch weißt du dann, ohne zu fragen, welche Folge Friends deine beste Freundin gerade anschaut und welches Lied dein Bruder gerade bei iTunes hört. Im Gegensatz zur Timeline, die sich noch in der Test-Phase befindet, soll die Open-Graph-Funktion umgehend frei geschaltet werden.  
 
Macht und Ohnmacht in dieser Welt 
 
Wirklich erschrecken tut einen das gar nicht mehr so richtig, was da bei Facebook läuft. Man ist Teil dieser Lebenswirklichkeit, Teil dieser Show. Sich zu entziehen ist schwer und wird immer schwerer. Nicht nur, weil man ein bisschen Facebook-süchtelt (was man sich nie eingestehen würde), sondern auch, weil es die Welt mittlerweile in bestimmten Lebensbereichen von einem abverlangt, da dabei zu sein.  
 
Und auch wenn man liest „Das ganze Leben wird zur Online-Show“ oder „Facebook will von jedem User alles speichern“: Es lässt einen verhältnismäßig kalt; Ein kurzes Gefühl des Unwohlseins, ja, aber im nächsten Moment ist in der Regel schon wieder alles vergessen. Denn sobald dann irgendwas anders ist im Netz, bei Facebook, ist man zwar einen Moment irritiert und muss sich neu einrichten, aber im Klaren darüber, was da gerade läuft, ist man sich in der Regeln nicht. Facebook schraubt und dreht da an unserem Leben herum, macht das sehr geschickt, fast unbemerkt und natürlich immer im Sinne des Nutzers und entsprechend nutzerfreundlich. Das ist die Macht von Facebook, das ist die Ohnmacht, der wir unterliegen.  
 
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Bildquelle: dkalo (flickr.com) unter cc-by-sa 2.0