Gibt es die Dalston Superstars wirklich?
Superfail
31.05.2012
Wenn Realität und Parodie nicht mehr unterscheidbar sind, macht Reality TV erst richtig Sinn.
Ich habe mir Carrie Bradshaw immer als gelangweiliten Soziopathen mit gut entwickelter Fantasie vorgestellt, die eine Kolumne über ihr nicht vorhandenes Sexleben führt und sich mit imaginären Freundinnen in den 'coolsten' Bars von New York mit Manhattans volllaufen lässt. Die Serie zeigt dann, wie Carrie sich die Welt vorstellt, wenn sie selbst nicht so ein Außenseiter wäre. Die Produzenten haben den Drehbuchautor leider missverstanden und alles wörtlich genommen - so ist Sex and the City entstanden.
Dieses Missverständnis hat nicht nur eine etwas peinlliche, aber unglaublich erfolgreiche Sendung über Frauen in der Midlifecrisis fabriziert, sondern auch das Selbstbild vieler Mädchen (und Jungs) verstört. Das Leben ist also nur 'echt' und eine Kolumne wert, wenn man reich, gut aussehend ist (wenn man Samantha und Co. als Maßstab nehmen kann), immer eine heiße Affäre nebenher hat und natürlich an der Schlange zum IN-Club von NY vorbei gewunken wird - man kennt sich. Nur in diesem Fall ist man begehrenswert. Und begehrenswert heißt in diesem Fall im präzisesten Sine: Cool.
fresh new faces
Das "Vice Magazine" präsentiert die Kurzfilmserie Dalston Superstars, die in unregelmäßigen abständen online abrufbar ist. Seit November 2011 sind fünf Folgen erschienen, davon ein Xmas Special und eine #Exposed Episode. Vom Stadtbild her ist Dalston auf dem besten Weg zu Gentrifizierung: Die sehr sympathische, aber etwas heruntergekommene Gegend im Londoner Nordosten wird zur Zeit überrannt von coolen Kids. Die Serie zeigt also die neuen Stars von Dalston. Oder wie die "Vice" selbst formuliert: "A fresh look at the lives of five young creatives from London's coolest hangout, Dalston."
Bei diesen young creatives handelt es sich meist um Internet-Künstler: Tumblr, Twitter, Facebook, Youtube sind die idealen Plattformen, auf denen sich der kreative Charakter ausdrücken lässt, ohne notwenidigerweise wirklich etwas künstlerisches zu produzieren. Die boys and girls aus den Vice-Filmchen parodieren diese ambitionierten Kreativen und eine damit verbundene Vorstellung von Coolness. Genauso wie ihre Kleidung, die lässig sein soll, aber eigentlich nur die Wiedergeburt einer sehr schlechten Phase der 90er ist. "We need myths, not only of our ideal, and our avarage, but of our fallen extreme." (Mark Greif)
Fast noch unterhaltsamer als die Serie sind die Kommentare, die unter den Videos der Dalston Superstars abgegeben werden können. Die meisten, die sich die Clips ansehen, sind sich gar nicht sicher, ob es eine Reality Show ist, also ob diese Menschen wirklich echt sind und ihrem authentischen Alltag begleitet werden, oder ob es sich tatsächlich um eine Parodie handelt. Faszinierend, dass die sarkastische Darstellung der Bewohner von Dalston auch ebenso gut eine neutrale Dokumenation sein könnte. Wenn nicht einmal Ironie helfen kann, was dann?
Bildquelle: leunix (flickr.com); cc by sa 2.0
Dieses Missverständnis hat nicht nur eine etwas peinlliche, aber unglaublich erfolgreiche Sendung über Frauen in der Midlifecrisis fabriziert, sondern auch das Selbstbild vieler Mädchen (und Jungs) verstört. Das Leben ist also nur 'echt' und eine Kolumne wert, wenn man reich, gut aussehend ist (wenn man Samantha und Co. als Maßstab nehmen kann), immer eine heiße Affäre nebenher hat und natürlich an der Schlange zum IN-Club von NY vorbei gewunken wird - man kennt sich. Nur in diesem Fall ist man begehrenswert. Und begehrenswert heißt in diesem Fall im präzisesten Sine: Cool.
fresh new faces
Das "Vice Magazine" präsentiert die Kurzfilmserie Dalston Superstars, die in unregelmäßigen abständen online abrufbar ist. Seit November 2011 sind fünf Folgen erschienen, davon ein Xmas Special und eine #Exposed Episode. Vom Stadtbild her ist Dalston auf dem besten Weg zu Gentrifizierung: Die sehr sympathische, aber etwas heruntergekommene Gegend im Londoner Nordosten wird zur Zeit überrannt von coolen Kids. Die Serie zeigt also die neuen Stars von Dalston. Oder wie die "Vice" selbst formuliert: "A fresh look at the lives of five young creatives from London's coolest hangout, Dalston."
Bei diesen young creatives handelt es sich meist um Internet-Künstler: Tumblr, Twitter, Facebook, Youtube sind die idealen Plattformen, auf denen sich der kreative Charakter ausdrücken lässt, ohne notwenidigerweise wirklich etwas künstlerisches zu produzieren. Die boys and girls aus den Vice-Filmchen parodieren diese ambitionierten Kreativen und eine damit verbundene Vorstellung von Coolness. Genauso wie ihre Kleidung, die lässig sein soll, aber eigentlich nur die Wiedergeburt einer sehr schlechten Phase der 90er ist. "We need myths, not only of our ideal, and our avarage, but of our fallen extreme." (Mark Greif)
Fast noch unterhaltsamer als die Serie sind die Kommentare, die unter den Videos der Dalston Superstars abgegeben werden können. Die meisten, die sich die Clips ansehen, sind sich gar nicht sicher, ob es eine Reality Show ist, also ob diese Menschen wirklich echt sind und ihrem authentischen Alltag begleitet werden, oder ob es sich tatsächlich um eine Parodie handelt. Faszinierend, dass die sarkastische Darstellung der Bewohner von Dalston auch ebenso gut eine neutrale Dokumenation sein könnte. Wenn nicht einmal Ironie helfen kann, was dann?
Bildquelle: leunix (flickr.com); cc by sa 2.0











