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Diaspora* wirbt mit Datenschutz und Freiheit. Eine Alternative zu Facebook?

Facebook-Konkurrent Diaspora*

21.06.2012

2010 ging das soziale Netzwerk online, doch kann es eine echte Alternative zu Facebook werden?

"Social Freedom", so lautet der Slogan des Projekts Diaspora*, das 2010 von vier Studenten der New York University gegründet wurde. Nach anhaltenden Debatten und der Kritik an Facebook und Mark Zuckerbergs Umgang mit Datenschutz, entschieden sich die Mathematik-Studenten eine sichere und freie Alternative ins Leben zu rufen. Die New York Times berichtete, dass die "geeky nerds" innerhalb von 10 Tagen Spenden in Höhe von 10.000 USD einnahmen und eine ernstzunehmende Konkurrenz für Facebook sein könnten. Selbst Zuckerberg unterstützte das Projekt mit einer unbekannten Summe.

Diaspora ist eine dezentrale Plattform, sie gehört niemandem und schlägt keinen Profit aus den Daten ihrer Nutzer. Es gibt keine Werbung und keine Datenbank, die alles speichert, was sie über eine Person finden kann. Das Netzwerk verbindet unterschiedliche pods, die von Diaspora gehostet werden, aber nach dem Open-Source Prinzip funktionieren. Das heißt, Inhalte bleiben auf dem jeweiligen Server und werden nicht vom Betreiber gespeichert.

Google+, Twitter, Facebook - nur besser? 

Als Nutzer legt man sich ein Profil an, wie bei allen anderen sozialen Netzwerken. Diaspora verbindet aber die Funktionen von Google+ und Twitter: Es gibt Hashtags (#) und Aspects, die wie die Kreise von Google funktionieren. Man kann Freunde erwähnen und Statusupdates herzen: "Show your appreciation for something you love by ♥-ing it", heißt es bei Diaspora. Außerdem kann man sich mit seinem Facebook-Account verbinden und Freunde einladen und an seinem Diaspora-Leben teilhaben lassen. Durchaus sinnvoll, da es bisher noch wenige Nutzer gibt.

Tatsächlich sieht es bei Diaspora noch etwas leer aus. Die wenigsten nutzen ihren richtigen Namen, was das "Freunde-Finden" etwas erschwert, dem soll die Verbindung mit Facebook allerdings entgegenwirken. Trotzdem, das "freie Netzwerk" wirkt puristischer und weniger aggressiv-überladen als andere Plattformen und scheint eher eine kreative Kommunikation zu ermöglichen: Auf meinem Stream finde ich immer wieder neue Inszenierungen des Diaspora-Logos vom hauseigenen Blog.

Wie geht's weiter

Das Projekt erlitt einen Rückschlag und eher traurige Aufmerksamkeit als einer der vier Initiatoren, Ilya Zhitomirskiy, im November 2011 mit 22 Jahren Selbstmord begann. Er galt als der Antreiber der Gruppe und mit seinem Tod stagnierte auch die Entwicklung des Netzwerks. Dennoch, die Gründer halten alle Interessierten bezüglich der Weiterentwicklung auf dem Laufenden und die User-Zahlen scheinen zu wachsen. Auch wenn das Wall Street Journal schon Ende 2011 den medialen Tod von Diaspora vermutete, könnte die Zukunft einer echten Facebook-Alternative doch ganz gut aussehen.

Mit dem Börsengang und der anwachsenden Unübersichtlichkeit von Rechten, Richtlinien, Funktionen, Listen und weiteren Neuerungen wird Facebook immer mehr zu einer Netzwerk-Maschinerie, die Nutzer zunehmend verschreckt. Der Schritt zur Abmeldung und Löschung des Account ist allerdings mit zu vielen Nachteilen verbunden - darum bleiben alle bei Facebook, beschweren sich über die Timeline und haben etwas Angst vor all den Informationen, die Zuckerberg über uns besitzt. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit bis Alternativ-Projekte wie Diaspora eine echte Chance bekommen und die große Auswanderung beginnt.

Bildquelle: gl4ll4is (flickr.com), cc by sa 2.0