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LiquidFeedback ist durch die Piratenpartei bekannt geworden

Die flüssige Demokratie

17.07.2012

LiquidFeedback ist ein Online-Modell zwischen repräsentativer und direkter Demokratie.

Heutzutage kann man ja inzwischen alles über das Internet machen. Einkaufen, Medikamente bestellen und so weiter. Eigentlich müsste man sich gar nicht mehr auf die Straße bewegen. Doch um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, sollte man dies doch ab und zu tun. Und wenn man sich nebenbei noch ein bisschen für Politik interessiert, muss man spätestens zur nächsten Wahl wieder vor die Tür, um seine Stimme in eine dieser grauen Boxen in einem schlecht gelüfteten Klassenzimmer einer Grundschule zu werfen.

Dass heutzutage nicht längst über das Internet abgestimmt wird, mag einem internetaffinen Menschen also merkwürdig erscheinen. Doch vielleicht ändert sich das bald. Denn spätestens seitdem die Piraten Partei immer größere Bekanntheit gewinnt, wurde auch eine digitale Abstimmungssoftware bekannt: LiquidFeedback, ganz modern ohne Leerzeichen dazwischen.

Wie funktioniert die Software?

LiquidFeedback ist eine Software, mit der demokratische Abstimmungen in Parteien, Unternehmen oder Organisationen durchgeführt werden können. Jeder kann sich über das Internet einloggen. Dabei soll die Software zwar nicht politische Entscheidungen treffen, sondern nur Anregungen geben. Die Abstimmung erfolgt bei den Piraten anonym, beziehungsweise pseudonym. Man meldet sich mit einer richtigen E-Mail-Adresse an, muss aber nicht seinen richtigen Namen wählen, sondern kann unter einem Pseudonym an den Abstimmungen teilnehmen.

Nur bei grobem Missbrauch kann ein Nutzer gelöscht oder gesperrt werden. Das Grundprinzip hinter LiquidFeedback ist das Einbringen von so genannten „Initiativen“. Das sind Vorschläge zu einem bestimmten Themengebiet. Es gibt zum Beispiel die Themengebiete Digitales, Kinder, Soziales und viele mehr. Eine Initiative muss also einem Thema zugeordnet werden. So kann beim Thema „Kinder“ eine Initiative zu einer hauseigenen Kindergrippe angeregt werden.

Platz für Gegeninitiativen

Jede Initiative durchläuft vier Phasen. In der Anfangsphase muss die sie mindestens 10% an Unterstützern finden, damit sie weitergeführt werden kann. Die anschließende Diskussionsphase dient dazu, den Text der Initiative ordentlich durchzudiskutieren. Es können Gegeninitiativen entstehen, andere Nutzer können sich einbringen oder der Gründer der Initiative kann den Text, aber nur wenn er möchte, abändern oder anpassen. Die darauf folgende „Einfrierphase“ dient dazu, dass der Text im Nachhinein nicht mehr geändert werden kann. In der letzten Phase wird dann über die Initiative abgestimmt.

Das Prinzip von LiquidFeedback ist das Zusammenspiel von repräsentativer und direkter Demokratie. Jeder angemeldete Nutzer kann sich politisch einbringen oder sich an Diskussionen beteiligen. Den Teil der repräsentativen Demokratie dabei übernehmen die so genannten „Delegationen“. Ein Nutzer kann seine Stimme jemanden abgeben, der seiner Meinung nach besonders viel Ahnung von einem Thema hat, oder gut geeignet ist, um viele Stimmen auf sich vereinigen zu können.

Es entsteht also eine Stimmenmacht innerhalb einer Abstimmung. Da jedoch die Themen sehr spezifisch sind, kann sich ein Delegierter nie sicher sein, dass er bei jeder Abstimmung wieder gleich viele Stimmen bekommt. Auch weil ein Delegierter, seine Delegation ebenfalls wieder weitergeben kann, ist es unklar, wer am meisten Stimmen auf sich vereinigen kann und somit die Abstimmung beeinflussen kann. Das System ist also stets in Bewegung, genau wie Wasser – flüssig eben. 

Lest auf Seite zwei, ob LiquidFeedback ein Zukunftsmodell ist...
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