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Jeden Sonntag auf zdf.kultur: "Roche & Böhmermann"

Sex beim Endgegner der Talkshows

15.10.2012
TV-Kritik

Die Manöver-Kritik zu "Roche & Böhmermann" - diese Woche unter anderem mit Curse, Uwe Boll und Marusha

Ab jetzt schauen wir für euch jede Woche "Roche & Böhmermann", die zdf.kultur Talkshow der alten Schule. Whisky, Zigaretten und jede Menge unbeantwortete Fragen... Fassen wir also zusammen:

Sex, Geld und Filme mit Jana B., Curse und Uwe Boll

„Also alles in allem, beruflich und privat, habe ich mit circa  50 Männern geschlafen. Insgesamt,“ plaudert Jana B, 33 Jahre alt, Pornodarstellerin, in der aktuellen Roche&Böhmermann-Folge aus. Leider ist es die vorerst letzte Folge der zweiten Staffel der TV-Talkshow mit Charlotte Roche und Jan Böhmermann. Damit die nächste Staffel gesichert ist, dreht sich in dieser Woche alles um Sex. Damit die Einschaltquote stimmt. Außerdem in dieser Sendung: Der „schönste Zuschauer“ Sebastian. Von Beruf Model, Werber und Gewinner des Roche&Böhmermann Screentests.

Diesen Sonntag waren neben Jana B auch die DJane Marusha, Rapper Curse, Regisseur Uwe Boll und der bekennende Polygamist Viktor Leberecht (Lebe-recht und nicht Leber-echt) zu Gast. Der polygame Aktivist sitzt mit Pseudonym bei Roche&Böhmermann, ebenso wie Jana B und wirkt so, als wäre er der typische Untergeh-Gast. Ein bisschen enttäuschend, dass die beiden so spät in der zweiten Staffel auf das Thema Polyamorie kommen – Wochen nachdem Markus Lanz das Thema beackert hat. Aber vielleicht ist es ein weiteres Zeichen der Bewunderung der beiden Moderatoren für den neuen „Wetten, dass“-Moderator und Bierkisten-Stemmer Lanz.

Jana B. war charmant schlagfertig - Uwe Boll angenehm großkotzig

Die Sendung ist – zum Glück – deutlich schwungvoller als die vorherige und hat keine unangenehmen Längen oder peinlichen Pausen. Sex, das lässt sich festhalten, ist ein Thema, das Roche&Böhmermann bestens moderieren können. Dazu trägt definitiv Jana B. bei, die gerne und freizügig von ihrer Arbeit redet, über die Unterschiede zur amerikanischen Pornoindustrie und persönliche Vorlieben. Selbstbewusst und frech ist sie einer der wenigen Gäste in der Geschichte von R&B, die beide Moderatoren an die Wand reden kann. Mit Sätzen wie: „Ja, Moment Charlotte, zu deiner Frage komme ich gleich“, (Minute 44) hält sie die Moderatoren im Zaum wie vorher kein anderer Gast.

Auch Regisseur Uwe Boll ist der leicht großkotzige Rohdiamant der Talkrunde. Er will sich eigentlich erst ins Gespräch einschalten, sobald es um die Finanzkrise geht. Nur leider sitzt er in der „schlechtesten Talkshow“ der deutschen Fernsehlandschaft wie Böhmermann betont. Passt, Uwe Boll gilt nämlich als einer der schlechtesten Regisseure (was er selbstironisch feststellt). Der bekommt übrigens von der VG-Wort (die GEMA für Autoren) unter 10.000 Euro im Jahr. Böhmermann rutscht fast in den Stimmbruch bei solchen Summen. Das Filme drehen sowieso immer Beträge in Millionenhöhe frisst und seine Zombiefilme (wie House Of The Dead) erfolgreich sind, lässt der Produzent, Drehbuchautor und Regiesseur süffisant und nebenbei fallen.

Weitere Statisten: Curse und Marusha


Ebenso wie die sehr erwachsene DJane Marusha klinkt er sich nach einiger Zeit in die Sex-Unterhaltungen ein und spricht reflektiert über Pornofilm-Konsum. Marusha ist, wie wir erfahren, Sibieren-Liebhaberin und herrlich unaufgeregt. Dass Jan Böhmermann sie in die Eurodance-Ecke schiebt, stört sie nicht wirklich, sie weist lediglich dezent drauf hin. Sowieso ist sie wahrscheinlich mehr vom schönen Zuschauer Sebastian begeistert.

Dass Rapper Curse sich zum Coach fortbildet, wird leider nur kurz erläutert. Wie er darauf kam und wie lange das noch dauert erfährt der Zuschauer nicht. Ist aber wahrscheinlich auch nur halb so interessant wie die Tatsache, dass Curse’ Freundin gegen polyamouröse Beziehungen ist. 

Hoffnung auf Staffel, die dritte

Alle Gäste werden vorgestellt, jeder Einspieler wird gezeigt, zwischendurch wird gebrüllt - Charlotte Roche und Jan Böhmermann finden so langsam die Balance zwischen absolutem Chaos und professioneller Gesprächsführung, ohne, wie in den letzten Sendungen, langweilig zu werden. Vielleicht, weil sich die Runde immer wieder Jana B. zuwendet. Wie sie ihre Filmpartner auswählt, wie sie privat Sex hat und welche Dinge für sie gar nicht gehen – all das weiß man am Ende der Sendung. Bildungsfernsehen halt. Oder so ähnlich.

Bildquelle: ZDF, Philippe Fromage