Martin Lindner (FDP) raucht Joint bei Stuckrad-Barre
Matsch in der Birne?
26.10.2012
Kommentar
FDP-Politiker Martin Lindner hat vor laufender Kamera gekifft. Warum wir uns nicht darüber aufregen sollten.
Ja, um es vorweg zu nehmen: Der Joint war echt. Das hat die Produktionsfirma bestätigt. Und nein, Martin Lindner war nicht stoned. Keine Panik.
Wir haben Politiker ja schon oft im Fernsehen beobachten können. Streitend in Talkshows oder im Abendkleid bei "Wetten, dass...?". Auch rauchende Politiker kennen wir: Helmut Schmidt oder Christopher Lauer bei Roche und Böhmermann. Aber ein Poltiker, der im Fersehen kifft? Das ist neu. Martin Lindner war der Erste.
Ein Joint, zwei Flaschen Wein: Lindnergedeck...
Der Fraktions-Vize der FDP Martin Lindner war am 25. Oktober zu Gast in der Late-Night-Show von Benjamin von Stuckrad-Barre auf Tele5. Wer die Sendung schon einmal gesehen hat, weiß, dass dies eine Polit-Talkshow der etwas anderen Art ist. Es wird zwar viel und hitzig über Politik geredet, die Gäste müssen sich aber auch auf kleine Spiele zwischendrin einlassen. Genauso wie auf die Provokationen von Benjamin von Stuckrad-Barre. Denn dieser liebt es, seinen Gesprächspartnern ordentlich einzuheizen. Aufgekratzt, ständig unter Strom würde Stuckrad-Barre für eine satirische Pointe vermutlich seine eigene Oma verkaufen.
Zu den Ritualen der Sendung gehört es, dass dem Gast sein "Lieblinggetränk" serviert wird. In der letzten Sendung wurde für den FDP-Politiker das "Lindnergedeck" aufgetragen: zwei Flaschen Barolo und ein Joint. Dieser Scherz bezog sich auf ein Zitat Lindners aus einem Interview, das er für die taz gegeben hat. Lindner hat gesagt, dass zwei Flaschen Barolo am Abend genauso "matsch in der Birne" machen, wie tägliches Kiffen.
Das "Lindnergedeck" wird also bei Stuckrad-Barre aufgetragen. Das, was ab der 8. Minute passiert, wird einige Stunden später im Netz heftig diskutiert: Lindner bezweifelt, dass es sich wirklich um einen Joint handelt. Er und Stuckrad-Barre verlassen aus Nichtraucherschutzgründen das Studio und Lindner zündet sich den Joint draußen vor der Tür an. Er nimmt einen kurzen Zug und kommt zu dem Schluss, dass ihm nicht nur Tabak serviert wurde. Mehr ist nicht passiert.
Gegen die Parteilinie
Noch vor Austrahlung der Aufzeichnung ergreift die Parteikollegin und Drogenbeauftragte Mechthild Dyckman das Wort. Das Verhalten Lindners sei unverantwortlich. Er müsse sich bei öffentlichen Auftritten seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Dieser Meinung ist auch die drogenpolitische Beauftragte der SPD. Doch dem stimmen nicht alle Drogenbeauftragen zu. Von Seiten der Grünen und der Linken gibt es Unterstützung für Lindner. Nicht ohne Grund: Martin Lindner fordert schon seit Jahren die Entkriminalisierung von Cannabiskonsum.
In dem zitierten Interview mit der taz aus dem Jahr 2003 stellt er seine liberalen Ansichten zu weichen Drogen dar. Seine Haltung zum Kiffen, gegen die Parteilinie, ist keine Überraschung. Seine Reaktion auf die Provokation bei Stuckrad-Barre hingegen schon. Auch die Redaktion der Sendung hat nicht damit gerechnet, dass Lindner sich einfach ohne mit der Wimper zu zucken den Joint anzündet.
Eine überspannte Diskussion
Wir haben Politiker ja schon oft im Fernsehen beobachten können. Streitend in Talkshows oder im Abendkleid bei "Wetten, dass...?". Auch rauchende Politiker kennen wir: Helmut Schmidt oder Christopher Lauer bei Roche und Böhmermann. Aber ein Poltiker, der im Fersehen kifft? Das ist neu. Martin Lindner war der Erste.
Ein Joint, zwei Flaschen Wein: Lindnergedeck...
Der Fraktions-Vize der FDP Martin Lindner war am 25. Oktober zu Gast in der Late-Night-Show von Benjamin von Stuckrad-Barre auf Tele5. Wer die Sendung schon einmal gesehen hat, weiß, dass dies eine Polit-Talkshow der etwas anderen Art ist. Es wird zwar viel und hitzig über Politik geredet, die Gäste müssen sich aber auch auf kleine Spiele zwischendrin einlassen. Genauso wie auf die Provokationen von Benjamin von Stuckrad-Barre. Denn dieser liebt es, seinen Gesprächspartnern ordentlich einzuheizen. Aufgekratzt, ständig unter Strom würde Stuckrad-Barre für eine satirische Pointe vermutlich seine eigene Oma verkaufen.
Zu den Ritualen der Sendung gehört es, dass dem Gast sein "Lieblinggetränk" serviert wird. In der letzten Sendung wurde für den FDP-Politiker das "Lindnergedeck" aufgetragen: zwei Flaschen Barolo und ein Joint. Dieser Scherz bezog sich auf ein Zitat Lindners aus einem Interview, das er für die taz gegeben hat. Lindner hat gesagt, dass zwei Flaschen Barolo am Abend genauso "matsch in der Birne" machen, wie tägliches Kiffen.
Das "Lindnergedeck" wird also bei Stuckrad-Barre aufgetragen. Das, was ab der 8. Minute passiert, wird einige Stunden später im Netz heftig diskutiert: Lindner bezweifelt, dass es sich wirklich um einen Joint handelt. Er und Stuckrad-Barre verlassen aus Nichtraucherschutzgründen das Studio und Lindner zündet sich den Joint draußen vor der Tür an. Er nimmt einen kurzen Zug und kommt zu dem Schluss, dass ihm nicht nur Tabak serviert wurde. Mehr ist nicht passiert.
Gegen die Parteilinie
Noch vor Austrahlung der Aufzeichnung ergreift die Parteikollegin und Drogenbeauftragte Mechthild Dyckman das Wort. Das Verhalten Lindners sei unverantwortlich. Er müsse sich bei öffentlichen Auftritten seiner Vorbildfunktion bewusst sein. Dieser Meinung ist auch die drogenpolitische Beauftragte der SPD. Doch dem stimmen nicht alle Drogenbeauftragen zu. Von Seiten der Grünen und der Linken gibt es Unterstützung für Lindner. Nicht ohne Grund: Martin Lindner fordert schon seit Jahren die Entkriminalisierung von Cannabiskonsum.
In dem zitierten Interview mit der taz aus dem Jahr 2003 stellt er seine liberalen Ansichten zu weichen Drogen dar. Seine Haltung zum Kiffen, gegen die Parteilinie, ist keine Überraschung. Seine Reaktion auf die Provokation bei Stuckrad-Barre hingegen schon. Auch die Redaktion der Sendung hat nicht damit gerechnet, dass Lindner sich einfach ohne mit der Wimper zu zucken den Joint anzündet.
Eine überspannte Diskussion
Aber seien wir mal ehrlich: Es ist überhaupt nichts passiert. Man kann für oder gegen Kiffen sein. Sich über Lindners Auftritt bei Tele5 künstlich aufzuregen, ist hingegen absolut übertrieben. Aber es ist ein guter Anlass, sich einmal wieder ernsthaft und entspannt dem Thema Drogen in Gesellschaft und Medien zu widmen. Eine künstlich dramatisierte und emotionalisierte Diskussion, ob Martin Lindner nun inhaliert hat oder nicht. Ob er irgendetwas gespürt hat oder ob er ein schlechtes Vorbild abgegeben hat und damit junge Menschen zum Drogenkonsum verleitet, das hatten wir alles schon, das bringt uns kein Bisschen voran.
Drogen sind allgegenwärtig. Man muss darüber genauso ernsthaft wie über die Risiken des Konsums sprechen. Wenn man über den servierten Joint vor laufenden Kameras schimpft, dann muss man das auch über den Rotwein tun, der übrigens an diesem Abend genauso wenig einen Rausch bewirkt hat, wie das Gras. Lasst uns über Drogen reden. Lasst uns darüber reden, was für eine Rolle sie in unserer Gesellschaft spielen. Und welche Rolle sie in unserem eigenen Leben einnehmen sollen.
Bildquelle: Screenshot












