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Do-it-yourself als Kreativdiktat

Selbstgemachter Wahnsinn

30.11.2012

Do-it-yourself Trends, die zum Nachmachen drängen.

Wir sind ja alle Künstler. Lebenskünstler. Denn: Wir machen unser Leben bunter, plüschiger, leckerer, innovativer und ausgefallener. Sei kreativ! Erfinde etwas Neues! Oder mach einfach das nach, was alle machen! Mach was selbst! Nach und nach ploppen die Do-It-Yourself-Blogs aus der Spielwiese des Internets und treiben ihre Blüten mit Anleitungen für selbst gemachtes Mango-Chutney, elegant bestickte T-Shirts oder fisseliger Bastelarbeit. Der berühmte Theater-Regisseur René Pollesch hat ganz richtig beobachtet: „Es gab noch Zeiten, da waren die Kreativen auf der Bühne, und da unten saßen Leute, die entfremdeter Arbeit nachgingen. Immer diese Selbstverwirklicher im Publikum!“ Tatsächlich scheint die Zeit vorbei zu sein, in der man die anderen hat machen lassen. Heute ist so gut wie jeder kreativ. Es verwischen die Grenzen zwischen Künstlern und Kunstkonsumenten. 

Die Phantasie an die Macht!

Die Idee des Selber-Machens ist keine neue. In den 60er Jahren war Heimwerkeln der große Hit. Und was heute mit exotischen Varianten in üppig verzierten Einmach-Gläsern aufbewahrt wird, diente in Krisen- und Kriegszeiten dem Mittel zum Zweck. Heute ist das Selbstgemachte weniger aus einer materiellen Not entstanden. Es ist vielmehr ein Statement einer bestimmten Lebensform geworden. Handfest statt digital. Man kann sich quasi aus dem Netz etwas Reales, Dreidimensionales herausholen, indem man es selbst bastelt. Neben den vielen Blogs und Magazinen nutzen Portale wie Dawanda.de oder Etsy.com die Welle des Trends – kreatives Handwerk ist hier per klick zu kaufen. 

Ran an die Schere

Es scheint ein aufdringlicher Unterton mitzuschwingen, bei all den Aufforderungen, sich doch auch an dem kreativen Wahn zu beteiligen. Wer nichts selbst macht, ist langweiliger Massen-Konsument. Wenn man davon absieht, sind aber tatsächlich ein paar bemerkenswerte Vorschläge dabei... Warum es nicht selbst mal wagen?  Wenn es nichts wird, bleibt immer noch der Friedhof der guten Absichten, auf dem sich die kreative Community ihre gescheiterten Versuche eingesteht. 

Bildquelle:  L'inutileFunkytimeOhhh... Mhhh...