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Comics zum Thema Krieg

Dem Horror ins Auge schauen

14.08.2009

Wie Kriegstraumata durch das Medium des Comic-Buches verarbeitet werden.

Der neueste Superheld von Vertigo, einem Imprint von DC Comics (die u.a. Superman und Batman herausgaben) heißt Lwanga Moses und trägt einen Verband um sein Gesicht. Der Spitzname von Moses ist „Unknown Soldier“. Viel hat dieser unbekannte Soldat nicht mit den anderen Superhelden gemeinsam: Fliegen kann er nicht, Superkräfte hat er keine, und seine Gadgets sind keine Laserpistolen, sondern Skalpell und Tupfer - Lwanga Moses ist nämlich Doktor im vom Bürgerkrieg geplagtem Uganda.

 
Der Stoff, aus dem die Albträume sind
 
Damit ist „Unknown Soldier“, das von Joshua Dysart geschrieben und von Alberto Poticelli gezeichnet wurde, das neueste Werk im Trend von Erwachsenen-Comics, die sich mit wirklichen Kriegen, wirklichem Horror und wirklichen Traumata beschäftigen. Angefangen hat der Trend dieser Graphic-Novels wohl mit „Maus“, Art Spiegelmans Comic über den Holocaust, in dem die Nazis Katzen und die Juden Mäuse sind. Vor zwei Jahren kam „Waltz with Bashir“ in die Kinos, wohl der erste Animations-Dokumentarfilm überhaupt, bei dem es um den Libanonkrieg von 1982 ging, und um die Traumata, die die israelischen Soldaten noch Jahrzehnte später mit sich herumtrugen. Der preisgekrönte Film, den es seit kurzem auch als Comic-Buch auf deutsch gibt, war im wahrsten Sinne des Wortes der Stoff, aus dem die Albträume sind: So eignete sich das Medium der Animation ideal, um die surrealen Albtraumvisionen der Ex-Soldaten zu zeigen.
 
Von seinen Vorgängern unterscheidet sich „Unknown Soldier“ darin, dass er eben von einem Imprint von DC Comics, dem Verlag der traditionellen Superhelden, herausgegeben wird. Ob die Fans von fliegenden Helden in Strumpfhosen und schwarzen Mänteln wohl etwas über reale Kriege lesen wollen? Über Grausamkeiten, die nicht von maskierten Bösewichten, sondern von Menschen wie du und ich begangen wurden? Wer wird die Muße finden, in einem Comicbuch über Minenfelder, Vergewaltigungen und Kinder mit amputierten Gliedmaßen zu lesen? Über Helden, die sterblich wie wir alle sind? Die nicht –wie Superman- die Zeit zurückdrehen können, wenn ein geliebter Mensch stirbt, sondern nur eines - trauern?
 
 
Verdrehte Welt
 
Wer weiß. „Waltz with Bashir“ war jedenfalls sehr erfolgreich, bei Zuschauern und Kritikern gleichermaßen, wurde auf dem renommierten Cannes-Festival gezeigt und gewann sowohl einen „Golden Globe“ als auch einen „Cesar“. Wie sich „Unknown Soldier“ entwickeln wird, wird man sehen. Klar ist jedoch, dass sich die Welt der Animation und die der Real-Schauspielerei verkehrt haben: Mehr und mehr Filme mit echten Schauspielern entfernen sich von der Realität, selbst wenn sie ein historisches Thema behandeln. Paradebeispiel hierfür ist Quentin Tarantinos „Inglorious Basterds“, bei dem es um französische Juden geht, die brutale Rache an Nazis nehmen: Eine erfundene Geschichte, die in einer realen Welt, im von Nazis besetzten Frankreich, spielt. Der Film selbst, der diesen Herbst in die deutschen Kinos kommt, gleicht eher einem Comicstrip als einem Dokudrama. Im Gegensatz dazu ist „Waltz with Bashir“ in der Darstellung der Charaktere unglaublich realistisch, bis ins kleinste Detail: So wird sogar der abgeschnitte Finger des Kriegsjournalisten Ron Ben-Yishai realistisch dargestellt, ebenso wie die Gesichter aller auf wahren Personen basierenden Charaktere- und zwar bis auf die letzte Falte.
 
Fazit: „Unknown soldier“ heißt der Comic. Er trägt dazu bei, dass weder der Soldat noch der Krieg anonym bleibt.
 

 
Bildquelle: www.flickr.com, Gerald Hensel