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Candelilla machen nicht einfach nur Rockmusik

Flirten mit dem sexysexy Disko-Biest

02.09.2009
Music Monkey

Zum Start von Music Monkey – der Musikkolumne auf Zeitjung.de: Grunge und Avantgarde von Candelilla.

Auf ihrer letzten Single-CD sind die Nummern 13 und 18, auf ihrer letzten EP, Auflage 600 Stück im Eigenvertrieb, waren die drei, die neun, die zwei, die eins, die vier und die sechs – in dieser Reihenfolge. Candelilla geben ihren Liedern seit sie seit 2008 in der aktuellen Besetzung zusammen spielen, jeweils eine Nummer. Keine Wörter, die den Song zusammenfassen, nur die Benennung einer Produktionseinheit, das Kunstwerk muss für sich werken – ohne Einstiegshilfe.
 
Der Sound von Candelilla liegt irgendwo zwischen den Dresden Dolls, von deren charakteristischen Klavierspiel sie sich inspirieren ließen, den Pixies und Sonic Youth, von denen sie die Vorliebe für die grungigen Gitarren und die Experimentierfreude adaptiert haben. Dazu kommt ein Hauch Avantgarde und eine gewisse Eigensinnigkeit – voilà Candelilla. Ihre Lieder lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen. Da sind einerseits die eher melancholischen Balladen und andererseits die tanzbaren Lieder, in denen vor allem die geschickt gesetzten Pausen auffallen – "Flirten mit dem sexysexy Disko-Biest", wie Candelilla es in einer Art Kurz-Manifest auf ihrer Seite nennen.
 
Dazu kommen die weiblichen Stimmen. Nicht zufällig haben sowohl die Dresden Dolls, als auch die Pixies und Sonic Youth Sängerinnen. Auch bei Candelilla sind Frauen zu hören und zwar ausschließlich. Es singen gleich drei Viertel der Band: Gitarristin Lina Seybold, Rita Argauer, die am Klavier sitzt und Bassistin Mira Mann. Einzig Schlagzeugerin Sandra Hilpold konzentriert sich ganz auf ihre instrumentalen Aufgaben.
 
Die Texte sind dann auch vielfältig. Gesungen wird deutsch wie englisch, gern auch mal gemischt. Die Themen kreisen immer wieder um das Problem der Authentizität und um die Unmöglichkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen. Dazu gesellt sich eine gehörige Portion Widerstand, Widerwillen und Trotz.
 
Ihr Debutalbum beim Münchner Label Red Can, das schon immer wieder interessanten Entdeckungen eine Chance bietet, haben sie in einer einsamen Mühle aufgenommen. In der Abgeschiedenheit eines Waldes, gemeinsam auf engstem Raum, entstehen eben die Verdichtungen, die man für eine gute Platte braucht. Das Album mit dem eindringlichen Titel Reasonreasonreasonreason erscheint Ende Oktober.
 
Zum Reinhören: myspace.com/candelilla, Homepage: www.candelilla.de
 

 
Bildquelle: candelilla.de